18.07.12

Papst-Cover

160 Beschwerden beim Presserat gegen "Titanic" eingegangen

Privatleute und katholische Organisationen sind empört über das Titelbild des Magazins. Jetzt droht eine hohe Entschädigungszahlung

Foto: AFP
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Rechtsstreit: Papst Benedikt XVI. hat gegen das Cover des Magazins "Titanic" eine einstweilige Verfügung erwirkt

Der Rechtsstreit zwischen dem Satiremagazin "Titanic" und Papst Benedikt XVI. geht in eine neue Runde: Die Zeitschrift legte wie angekündigt Widerspruch gegen die vom Papst erwirkte einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg gegen ihr aktuelles Titelbild ein. Der Deutsche Presserat erhielt unterdessen bisher gut 160 Beschwerden gegen das Cover. Der Beschwerdeausschuss des Presserates will voraussichtlich am 27. September darüber entscheiden. Die Beschwerden kamen vor allem von Privatleuten, es sind aber auch katholische Organisationen darunter. Das umstrittene Cover der Juli-Ausgabe zeigt Papst Benedikt XVI. mit einem gelben Fleck auf der Soutane. Auf dem Titel heißt es in Anspielung auf den "Vatileaks"-Skandal um den Verrat von Interna: "Halleluja im Vatikan – Die undichte Stelle ist gefunden!". Auf der Rückseite wird der Papst von hinten mit braunem Fleck und dem Kommentar "Noch eine undichte Stelle gefunden!" gezeigt.

Das Oberhaupt der katholischen Kirche fühlt sich durch das Titelbild in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt und hat eine einstweilige Verfügung erwirkt – ein in Deutschland bisher einmaliger Vorgang. Das Gericht hatte die weitere Verbreitung des Titelfotos verboten und bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld angedroht. Die Deutsche Bischofskonferenz hatte kritisiert, die "Titanic" überschreite "jedes Maß an Zumutbarem".

"Titanic"-Chefredakteur Leo Fischer hatte bereits angekündigt, sämtliche Rechtsmittel auszuschöpfen, aber auch ein "persönliches Gespräch" mit dem Papst angeboten. Die Kirche sei bisher nicht auf die Redaktion zugekommen, sagte Fischer. Auch das Cover der nächsten Ausgabe wird den Papst zum Thema haben und "sich deutlich auf das verbotene Titelbild beziehen".

Medienanwalt Ralf Höcker prognostiziert laut meedia.de, dass Papst Benedikt XVI. eine Geldentschädigung in sechsstelliger Höhe erwirken könnte. "Joseph Ratzinger ist nicht die katholische Kirche, er ist auch nicht nur Papst, sondern er ist vor allem und über allem: ein Mensch." Kein Mensch müsse "es ertragen..., vollgepisst und vollgeschissen auf Vorder- und Rückseite einer Satire-Zeitschrift abgebildet zu werden!"

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