Museum für Moderne

Bund bewilligt Berlin ein Museum für moderne Kunst

Die 150 Werke des Ehepaares Pietzsch werden in der Gemäldegalerie ausgestellt. Dafür erhält die Galerie zehn Millionen Euro für einen Umbau.

Er müsse es ja gar nicht mehr erleben, dass sein Lebenswerk und das seiner Frau in einem Museum dauerhaft und für jedermann zugänglich Platz findet, hatte Heiner Pietzsch, in diesen Tagen 82 Jahre alt geworden, am Anfang des Jahres Morgenpost Online erzählt. Er sei da gar nicht so eitel, sagte er, aber eine dauerhafte Lösung für ihre Sammlung der Klassischen Moderne, die von Max Ernst über Salvador Dali bis René Magritte reicht, hätte er schon gern. Das Ehepaar Pietzsch hatte die Sammlung aus rund 150 Werken der Klassischen Moderne dem Land Berlin geschenkt unter der Bedingung, dass diese nicht im Depot verschwindet, sondern ausgestellt wird.

Zehn Millionen Euro extra

Diese Bedingung scheint nun erfüllt. Gestern beschloss der Haushaltsausschuss des Bundes bei den Beratungen über den Nachtraghaushalt, dass die Gemäldegalerie zehn Millionen Euro für den Umbau zusätzlich erhält. Geknüpft wird dieser Zuschuss daran, dass die Gemäldegalerie die Sammlung Pietzsch mit aufnimmt. 25 Millionen Euro handelte Kulturstaatsminister Bernd Neumann für seinen Etat aus, die unter dem wolkigen Titel "Denkmalschutz" ausgegeben werden. Beschlossen ist es noch nicht, das ist die Aufgabe des Parlaments am Donnerstag. Wobei der Ablauf recht kurios ist, war die Sitzung doch angesetzt, damit der Euro-Rettungsschirm ESM früher als geplant starten kann. Und so funktioniert parlamentarische Arbeit: Wenn man ohnehin dabei ist Millionen und Milliarden neu zu verteilen, kann man gleich seine Lieblingsprojekte auf die Tagesordnung bringen.

Kulturpolitisches Problem erledigt

Entscheidend ist: Wenn es so kommt, wie es sich gerade abzeichnet, dann entledigt sich Berlin einer seiner großen kulturpolitischen Probleme. Denn dass die Stadt kein Museum für zeitgenössische Kunst und Klassiker der Moderne bieten kann, wird von (fast) allen Beteiligten als Ärgernis empfunden und hat in den vergangenen Jahren ein interessantes Vorschlagswesen hinsichtlich einer Kunsthalle befördert, ohne dass sich irgendetwas Konkretes getan hatte.

Dass die Sammlung Pietzsch den Kulturstaatsminister begeisterte, als diese in der Neuen Nationalgalerie ausgestellt wurde, steht außer Frage. So sieht Anwalt Peter Raue auch Bernd Neumann als einer der Fürsprecher, dass die Stiftung Preußische Kulturbesitzung zweckgebunden zusätzlich weitere Gelder erhält. "Bernd Neumann ist sicher eine treibende Kraft", sagt Peter Raue, der die Verträge zwischen dem Ehepaar Pietzsch und dem Land Berlin über die Schenkung ausgehandelt hatte. Wenn die Mittel bewilligt werden, sei es "ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagt Peter Raue, "wir haben dann das erreicht, was wir wollen: Das Ehepaar wollte nie einen eigenen Pietzsch-Raum, sondern immer, dass ihre Exponate Teil einer Sammlung der Moderne in Berlin sind".

Berlin als Stadt der Moderne

Für Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, ist die Entscheidung des Haushaltsausschusses "der entscheidende Durchbruch für eine zukunftsweisende Neuordnung der Berliner Kunstsammlungen". Die Sammlung Pietzsch werde nun "im Kontext einer Galerie des 20. Jahrhunderts der Staatlichen Museen zu Berlin einen hervorragenden Ort erhalten". Für Parzinger ist dies sogar ein Schritt, um "Berlin als Stadt der Moderne international herausragend zu profilieren."

Im Haushaltsausschuss sieht man das ähnlich froh gelaunt. "Für die Hauptstadt ist das eine großartige Nachricht, eine so spektakuläre Sammlung angemessen präsentieren zu können", sagt Stefanie Vogelsang. Die CDU-Abgeordnete sitzt in diesem Ausschuss und erwartet nun, dass der Umbau der Gemäldegalerie zügig vorangehen wird: "Die Mittel sind daran gebunden, dass noch in diesem Jahr Architekten Entwürfe für den Umbau der Gemäldegalerie vorlegen. Wir wollen hier keine weitere Zeit verlieren."

Verbindung mit Sanierung der Neuen Nationalgalerie

Ähnlichen Optimismus verbreitet auch Peter Raue: "In zwei bis drei Jahren könnte die zeitgenössische Kunst in der Gemäldegalerie ihren Platz finden". Derzeit sind dort andere Epochen zu bewundern, die europäische Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert hat dort ihren Platz. Die sollen, nach dem Masterplan der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in den (noch nicht vorhandenen) Erweiterungsbau des Bode-Museums künftig zu sehen sein.

Peter Raue verbindet den Umbau der Gemäldegalerie nun mit der Sanierung der Neuen Nationalgalerie. Anfang 2015 muss diese für drei Jahre schließen; umfangreiche Sanierungsmaßnahmen stehen an. "Es kann jetzt alles auch sehr schnell gehen", sagt Peter Raue, "dann finden die Werke aus der Neuen Nationalgalerie auch einen Platz in der Gemäldegalerie".

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