„Wo stehen Sie heute auf der Glücksskala von 0 bis 10?“ fragt Coach Elmar Rassi. Der erste Seetag beginnt ja schon vielversprechend! Na, mindestens auf neun, strahlen die meisten der Zuhörer, die Rassis „Glücksvortrag“ im Theatrium besuchen. Schließlich befinden wir uns auf einer Südostasienreise, mit der Aida Sol, die uns von Bangkok über Singapur, Kuala Lumpur und Colombo ins indische Cochin führen wird. Die wichtigste Glücksformel sei, sagt der Coach, finde das, was dir gut tut!
Naturgemäß bedeutet das für jeden Kreuzfahrer etwas anderes, vor allem, wenn eine Reise mit vielen Seetagen gebucht wurde. Landausflüge lieben ja alle, aber an fünf Seetagen wollen die Seele gestreichelt, der Körper gestählt und der Intellekt gefordert werden. Gleich die ersten Seetage bieten genügend Gelegenheiten dazu: Auf Deck elf führt ein indischer Yogameister in die Welt der Asanas und des Prayanama ein. Im Theatrium hält ein Asienexperte einen seiner täglichen Vorträge. Heute geht’s um Land, Leute und die Bräuche Malaysias. Derweil unterrichtet in der Anytime Bar Tanzlehrerin Tatiana malayischen Fächertanz. Und wir merken einmal mehr, was das eigentlich Wunderbare an Seereisen ist: Dass auf Kreuzfahrten im besten Fall nicht nur das Essen, hier die Köstlichkeiten des East Restaurants, sondern auch das „Edutainment“ mit dem Fahrtgebiet korrespondiert.
Keiner hat versprochen, Thai-Tanz sei leicht
Nach drei Seetagen sind wir bereit für den Landgang in Singapur, dem Schmelztiegel vielfältiger Ethnien, einer Stadt, die sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Wo an den Straßenrändern früher Garküchen zu finden waren, haben sich Hamburger-Schnellrestaurants ausgebreitet, anstelle des traditionellen Kaya-Toastes zum Frühstück werden Subway-Snacks angeboten. Aber die Stadt ist immer noch „green and clean“ – ob in den gigantischen Gardens in the Bay, in Chinatown Heritage oder auf Sentosa Island, unserem Ziel heute. Nur in der Bar im „Raffles“, dem Geburtsort des legendären Singapore-Sling-Cocktails, darf man nach wie vor Erdnussschalen auf den Boden werfen.
Rechtzeitig zu „Miriams Primetime“, der täglichen Talkshow von Entertainment-Managerin Miriam, sind wir zurück an Bord. Allabendlich stellt sie Mitglieder des Showensembles und der Bordcrew vor. Das macht sie so professionell und humorvoll, dass man sich fragt, warum sie noch keine TV-Karriere in Deutschland gemacht hat.
Wir freuen uns, dass sie genau hier bei uns auf diesem Schiff ist, und blicken erwartungsvoll aufs heutige Showprogramm: Musik von Mozart, im Contemporary-Stil vertanzt von jungen russischen Tänzern.
Am nächsten Tag wartet Port Klang auf uns. Viele Gäste nehmen den KTM-Train und fahren für zwei Dollar in die Hauptstadt, besuchen den Straßenmarkt. Die meisten aber haben an Bord einen Ausflug zu den Petronas-Towers gebucht. Als wir am Abend auslaufen aus Port Klang, ist die See ruhig, der Himmel bewölkt. Und wir sind 200 Seemeilen entfernt von der Insel Penang.
Dort werden wir wieder konfrontiert mit vielfältigen Ausflugsangeboten, und wieder heißt es: Natur oder Kultur? Die Schmetterlingsfarm oder den weltgrößten liegenden Buddha anschauen? Wie viele unserer Mitreisenden entscheiden wir uns für beides. Und nach all den Eindrücken an Land freuen wir uns später auf die kommenden vier Seetage. Wie immer ist auch jetzt wieder das Schiff unser Ziel. All die Vorträge und Workshops sind uns lieber, als an Deck in der Sonne zu brutzeln. Unser Bordlektor fasziniert heute mit einem Vortrag über den Hinduismus, in dem „jedes Sein von Anfang an seine Bestimmung habe und unser aller Handeln karmischen Ursprungs“ sei. Später leiht Tanzlehrerin Tatiana ihren Schülerinnen lange, goldene Metall-„Finger“ für den thailändischen Fingernageltanz. „Keiner hat versprochen, dass Thai-Tanz leicht sei“, sagt Lehrerin Tatiana angesichts der Schwierigkeiten der deutschen Passagierinnen, sich graziös zu bewegen.
Unser Schiff gleitet derweil ganz gemächlich durchs Meer. Mit 15 Knoten geht’s zur Südspitze Sri Lankas. Wasser und Luft haben eine Temperatur von
30 Grad Celsius. Am Nachmittag strömen alle Gäste zum beliebten Kapitäns-Talk, erfahren von Kapitän Sven Gärtner, dass das Herz des Schiffes der Maschinenraum, das Gehirn aber natürlich die Brücke sei. Und die „gefährlichste“ Ladung? Die Kreuzfahrtgäste.
In Colombo nutzen viele Passagiere die Gelegenheit, einen der unendlichen, weißen Strände Sri Lankas zu besuchen und im türkisglänzenden Wasser zu schwimmen. Zurück aufs Schiff geht’s – ziemlich aufregend – per Tuk Tuk durch einen überbordenden Straßenverkehr.
Im indischen Cochin wählen wir als Verkehrsmittel anderntags ein Hausboot. Damit wollen wir die Backwaters durchstreifen, ein „Muss“ für jeden, der den indischen Bundesstaat Kerala bereist. „Genau deswegen haben wir ja eigentlich die Reise gebucht“, sagt eine Mitpassagierin aus Köln.
„Namasté“, begrüßt uns später unserer Tourguide im Bus: Kerala sei der fortschrittlichste Staat Indiens, sagt Safir: „Hier kann jeder lesen und schreiben.“ Vorbei an Palmenhainen und „Raintrees“ geht’s durch Dörfer mit geschäftigen Menschen. Man sieht Sportplätze, auf denen Kricket gespielt wird, grasende Kühe am Wegesrand, viele Tempel und Kirchen. Nach einstündiger Busfahrt betreten wir eines der Hausboote, das uns durch die Kanäle dieses „Venedig Asiens“ führen soll.
Gemütlich bahnt sich das Schiff seinen Weg durch den Wasserlauf. Wir gleiten vorbei an Kirchen, Reisfeldern, begegnen Krabbenfischern, sehen Küken schwimmen, entdecken Reiher, Störche, Kormorane. Eine friedliche Idylle. Doch irgendwann müssen wir wehmütig Abschied nehmen. Die Aida Sol, mit der wir von Bangkoks Hafen Laem Chabang bis Cochin 3000 Seemeilen zurückgelegt haben, wartet schon. Wie auch Glückscoach Elmar. In seinem Abschlussseminar gibt er uns noch die „Anleitung zum Loslassen“ mit auf den Weg. Wie passend – denn am nächsten Morgen müssen wir wieder das Flugzeug zurück nach Deutschland besteigen.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Aida Cruises

