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Brandenburgs Gärten

Ein Spiegel der Zeiten: Die Gärten und Parks in Brandenburg. Mal protestantisch streng angelegt, mal sentimental und empfindsam. Nun wird von ihrer Geschichte in einem ganz besonderen Werk erzählt, das wir hier vorstellen. Und vier der wunderbaren Anlagen haben wir besucht

Manche Bücher sind eine Lebensaufgabe. Sie entstehen aus einer Leidenschaft. "Gärten und Parke in Brandenburg" heißt ein fünfbändiges Werk, das bald erscheinen wird. 2666 Seiten, 3000 Abbildungen. Schon jetzt kann man sagen: das wird ein Standardwerk für alle, die sich mit der Gartenkunst Brandenburgs und damit natürlich auch mit der preußischen Gartenkunst beschäftigen wollen. Verfasst von Vater und Sohn: Folkwin und Folkwart Wendland. 2006 verstarb Vater Folkwin, selbst Gartenarchitekt, der lange auch für das Grün Ost-Berlins zuständig war, mit 96 Jahren. Sohn Folkwart, selbst Diplom-Geologe und Wissenschaftshistoriker, vollendete, was sie gemeinsam vor drei Jahrzehnten begonnen hatten.

Gärten und Parke, schon der Titel der Bände klingt altertümlich. Parke, nicht Parks. Wer in den Büchern blättert, geht auf eine Zeitreise. Zurück in andere Jahrhunderte. Als mancher heut wunderschöne Park auf Papier entworfen wurde. Um ein Herrenhaus herum, ein Gutshaus, einem Schloss, das manchmal, aber nicht immer, den Mittelpunkt der Anlage bildete. Eine untergegangene Welt, als der Adel noch herrschte, man sich in Kutschen und auf Pferden durch das Land bewegte, adlige Familien sich gegenseitig auf ihren Gutshäusern besuchten und länger blieben, während Mägde und Knechte die Arbeit verrichteten, die Landarbeiter auf den Äckern schufteten, aber oft auch die Gutsherren Hand anlegten. Die Gärten dagegen, die waren die Leichtigkeit des Seins. Keine Nutzflächen wie ein Acker. Nur Schönheit.

Der Anfang reicht aber viel weiter zurück, ins Mittelalter. Die Zisterzienserklöster in der Niederlausitz, der Uckermark und Prignitz. Nutzgärten, aber nicht nur. "Dem Himmel verbunden, der Erde zugewandt." Erbauung und die Freude an der Natur, die Gott geschaffen hat. Mönchsgärten waren häufig auch Friedhöfe des Ordens und Obstplantage. So kriegt der Birnbaum des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland eine ganz neue historische Tiefe. Tod und Obst, das gehört in Brandenburg wohl zusammen.

Aber auch im Mittelalter gab es erste Adelssitze, auch die hatten ihre Gärten. "Vermutlich aber waren die Burganlagen und Gärten in Brandenburg nicht so aufwendig gestaltet wie in den vermögenderen Gegenden Deutschlands", heißt es in der Einführung. Nein, die große Zeit dieses Landstriches kommt erst später. Und auch seine Parke.

Die ersten bedeutenden Lust- und Ziergärten entstehen in der Renaissance. Kurfürst, aber auch Kurprinz, Prinzen, Markgrafen und Kurfürstenwitwen haben überall im Residenzkreis Jagdschlösser, oft mit angeschlossenem Garten. Caputh, Joachimsthal, Küstrin, Steinfurth sind einige Beispiele. Es ist das 16. Jahrhundert, und langsam verlieren die Burgen ihren Trutzcharakter, werden lieblicher, verspielter, repräsentativer. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 setzt aller Leichtigkeit ein jähes Ende. Auch die Mark Brandenburg bleibt davon nicht verschont, es bleibt ein "verwüstetes und entvölkertes Land".

Doch im Barock "setzt ein neuer Aufschwung" ein, deshalb könne man auch in Brandenburg von einem "barocken Gartenzeitalter" sprechen. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688) hat seine Jugend in den Niederlanden verbracht, das hatte seinen Geschmack geprägt. Es werden größere und kleine Lustgärten nach niederländischem Vorbild angelegt. Typisch ist die Begrenzung des Gartens durch Kanäle, Alleen oder Hecken. Symmetrie spielt eine große Rolle, der Protestantismus liebt eine klare Ordnung, weniger das Spielerische. Die Sichtachse kommt nun in Mode, der lange Blick von einer Seite zur anderen.

Friedrich der Große, der 1740 zum König gekrönt wird, ließ wohl die berühmteste Gartenanlagen bauen, wie die um Rheinsberg oder das Schloss Sanssouci. Hier kommt ein neuer Einfluss ins Spiel, der französische. Zwar spielen Achsen und Geometrie weiter eine große Rolle, aber alles wird großzügiger. "Große Flächen, weite Sichten und zügige Linienführung." Das Ländliche, der Obstanbau, darf nun in den Park hineinspielen, wird zitiert. Wer sich in die Bände von Folkwart und Folkwin Wendland hineinliest, entdeckt, dass diese Parks immer auch die Philosophie ihrer Zeit widerspiegeln. Sentimental, empfindsame Gärten des späten 18. Jahrhunderts kündigen schon die Romantik an, die in Kunst und Literatur das frühe 19. Jahrhundert geprägt hat. E s ist erstaunlich, wie man die große Geschichte im Kleinen erzählen kann.

Doch das ganz besondere dieser Bände liegt in seiner Genauigkeit. Prignitz, Uckermark, Barnim, Havelland, Niederlausitz, Neumark und Land Sternberg – alle Parks Brandenburgs werden mit ihrer Geschichte und Anlage in einzelnen Artikeln erläutert. Viele sind, genau wie ihre Schlösser und Herrenhäuser, zu DDR-Zeiten verfallen, leben nun langsam wieder auf. Die Bände zeigen: sie sind ein wichtiger Teil unserer Geschichte.

"Gärten und Parke in Brandenburg. Die ländlichen Anlagen in der Mark Brandenburg und der Niederlausitz" von Folkwart und Folkwin Wendland, 2666 Seiten mit 3000 Abbildungen, fünf Bände, Lukas Verlag.

Bis zum 31. August beträgt der Subskriptionspreis des Werkes 320 Euro. Danach kosten die Bände, die in einer Kassette kommen, 420 Euro.

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