Um den Zustrom von Flüchtlingen zu bewältigen, will das Land Berlin nun auch leer stehende Büroimmobilien von privaten Eigentümern erwerben. Die frühere Zentrale der Berliner Sparkasse an der Bundesallee 171 in Wilmersdorf soll künftig für Asylbewerber genutzt werden. Vor einer Woche war bereits im früheren Rathaus Wilmersdorf eine Notunterkunft für 500 Menschen eröffnet worden.
Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) möchte das zehnstöckige Hochhaus samt der niedrigeren Vorbauten aus einem Konkursverfahren heraus für das Land kaufen. Das hat der Senator am Donnerstag in einem Brief den Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus mitgeteilt. Die Frist für ein verbindliches Kaufangebot endet am 4. September. Weil bis dahin das Landesparlament nicht zusammenkommt, der Senator aber dessen Zustimmung benötigt, um den erwarteten Betrag in zweistelliger Millionenhöhe ausgeben zu dürfen, suchte er vorab um Zustimmung der Fraktionsvorsitzenden. Die „dringliche Grundstücksmaßnahme“ sei „sehr eilbedürftig“ und „wegen der Bewältigung des großen Flüchtlingsandrangs in Berlin unbedingt erforderlich“, schreibt Kollatz-Ahnen. Das 1968 erbaute Haus bietet eine Bruttogeschossfläche von 18.000 Quadratmetern und wird seit Anfang 2014 von der Investa Asset Management GmbH zum Kauf angeboten. Kollatz-Ahnen geht von einem Kaufpreis im zweistelligen Millionenbereich aus. Dem Vernehmen nach geht es um einen Betrag von mindestens 25 Millionen Euro.
Ein Erwerb durch das Land würde „Spielräume beim Management der Flüchtlingsproblematik“ schaffen, ist der Finanzsenator überzeugt. Das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) könnte dort einziehen. Diverse Flüchtlingsangelegenheiten könnten in der Schalterhalle abgewickelt werden, heißt es in dem Schreiben. Aber auch die Unterbringung von Flüchtlingen sei denkbar. Der Senator geht davon aus, das Gebäude später für Behörden nutzen zu können.
Kollatz-Ahnen reagiert mit seinem Vorschlag auch auf die kritische Situation vor der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge am Sitz des Lageso an der Moabiter Turmstraße. Dort harren tagsüber Hunderte Asylbewerber unter freiem Himmel aus, weil die Infrastruktur nicht für die vielen Schutzsuchenden ausgelegt ist. Berlin steht auch wegen der neuen Prognose des Bundesinnenministeriums unter Druck. Demnach werden in diesem Jahr 40.000 Flüchtlinge in Berlin erwartet, vergangene Woche war der Senat von 35.000 ausgegangen. Seiten 6 und 11

