Dauerbaustelle

Ex-Siemens-Manager soll BER endlich zum Flughafen machen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der ehemalige Siemens-Manager Jörg Marks fängt als neuer Technikchef am Flughafenbau BER an. Die Hauptaufgabe für den 46-Jährigen: Einen neuen Termin für die Eröffnung zu finden – und einzuhalten.

Die Vier ist für den Flughafen Berlin Brandenburg (FBB) nicht unbedingt eine Glückszahl. Bereits vier Mal haben die staatlichen Flughafenbetreiber den Termin für die Eröffnung des neuen Hauptstadtairports BER verschieben müssen, auch die Kostengrenze von vier Milliarden Euro ist für das Prestigeprojekt längst überschritten.

Am heutigen Freitag tritt Jörg Marks seinen Dienst bei der FBB an, als nunmehr vierter Technikchef für das BER-Projekt. Die wichtigste Aufgabe für den 46-Jährigen ist es, möglichst bald einen neuen Termin für die BER-Eröffnung zu nennen – und, was noch viel wichtiger ist, diesen auch einzuhalten.

Flughafenchef Hartmut Mehdorn hält für Marks immerhin jede Menge Vorschusslorbeeren bereit. Der Siemens-Manager sei sein "absoluter Wunschkandidat" gewesen, ließ er nach der Personalentscheidung verlautbaren. Der Ingenieur habe einen lösungsorientierten Managementstil und viel Sachverstand, lobte Mehdorn Mitte Juni.

Marks kennt das BER-Projekt

Erst kurz zuvor hatte der Flughafenchef Jochen Großmann als Technikchef gefeuert. Gegen den aus Dresden stammenden Ingenieur waren Ende Mai schwere Korruptionsvorwürfe laut geworden. Großmann soll als Gegenleistung für einen Planungsauftrag von einem niederländischen Unternehmen einen sechsstelligen Betrag gefordert haben. Seither ermittelt die auf Korruptionsfälle spezialisierte Staatsanwaltschaft in Neuruppin. "Die Ermittlungen laufen noch", sagte deren Sprecher, Frank Winter, am Donnerstag.

Es sind also wahrlich keine guten Voraussetzungen, unter denen Jörg Marks am Freitag seine Arbeit beginnen muss. Sein großer Vorteil: Er kennt das BER-Projekt gut. Seit 2005 für Siemens Regionalleiter Ost im Geschäftsbereich Gebäudetechnik, war er auch zuständig für das Flughafenprojekt in Schönefeld. Im neuen Flughafen hatte Siemens wichtige Teile der Brandschutztechnik im BER-Terminal mit eingebaut. Deren fehlende Funktionsfähigkeit gilt bis heute als Hauptgrund für die noch immer ausstehende Eröffnung des BER.

Ein Problem, das weniger Siemens angelastet wird. Im Gegenteil: Die Münchener bekamen im Oktober 2013 den Auftrag, den als notwendig erkannten Umbau der Entrauchungsanlage komplett zu übernehmen. Eine Arbeit, die bislang nicht so recht in Gang kommt, weil den Siemens-Technikern noch immer zu großen Teilen die Planungsunterlagen dafür fehlen. Verantwortlich dafür ist die Flughafengesellschaft als Bauherr. Marks muss jetzt also zuallererst dafür sorgen, dass seine früheren Mitarbeiter mit technischen Zeichnungen versorgt werden.

Einen möglichen Interessenkonflikt wie im Fall Großmann, der als Technikchef frühere Geschäftspartner mit Aufträgen versorgt haben soll, sieht man bei der Flughafengesellschaft nicht. Siemens habe den Auftrag ja schon, und die Aufträge zur Umplanung der Brandschutztechnik seien im Wesentlichen alle ausgeschrieben und vergeben worden. "Das Konzept ist klar, es muss jetzt eigentlich nur noch umgesetzt werden", sagte FBB-Sprecher Ralf Kunkel. 39 von 40 Gebäuden auf dem Flughafengelände seien inzwischen fertiggestellt und von den Baubehörden abgenommen.

Ohne Lärmschutz geht nichts

Was immer noch fehlt, ist allerdings das Kernstück eines jeden Flughafens, das Terminalgebäude. Doch auch dort sieht der FBB-Sprecher gute Fortschritte. Das Nordpier sei fertiggestellt, die Planung für den Umbau des Südpiers habe bereits begonnen.

Größtes Sorgenkind sei nach wie vor die hochkomplexe Brandschutzanlage im Hauptterminal, die nun in drei funktionstüchtige Teile zerlegt werden soll. Doch auf Marks warten noch weitere Herausforderungen: Bereits beschlossen ist der zusätzliche Einbau von Gepäckbändern, zudem muss die alte Nordbahn am Flughafen Schönefeld saniert werden. Das sollte eigentlich bereits in diesem Jahr erfolgen, ist nun aber auf April 2015 verlegt.

Das Problem: Die Arbeiten können erst beginnen, wenn die Anwohner der dann alternativ zu nutzenden Südbahn ausreichend vor Lärm geschützt sind. Von 4300 Anspruchsberechtigten haben aber erst 300 dafür einen Kostenübernahmebescheid vom Flughafen erhalten. 300 sollen in Kürze verschickt werden. Wenigstens dafür ist Marks erst einmal nicht zuständig. "Das liegt direkt bei Mehdorn", so der Flughafensprecher.

Ein neuer Termin für die BER-Inbetriebnahme steht weiter aus. Inzwischen heißt es, dass ein solcher verlässlich erst am Jahresende genannt werden könne. Eine Eröffnung 2015, wie sie Mehdorn einst anstrebte, gilt wegen der vielen noch ungelösten Probleme als illusionär. Viele Experten rechnen nun mit einer Eröffnung frühestens im Herbst 2016.

Foto: Bernd Settnik / dpa

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