Tiefrote Zahlen

Gutachter erwarten Finanzdesaster am BER

Foto: Patrick Pleul / dpa

Noch ist der Flughafen nicht eröffnet und schon steckt er laut einem Gutachten tief in den roten Zahlen. Finanzexperten rechnen damit, dass der BER die Milliarden-Investitionen nie einfliegen wird.

Der neue Hauptstadtflughafen wird einem Gutachten zufolge satte Millionen-Verluste pro Jahr einfahren. Die Studie wurde am Mittwoch in Potsdam von den Grünen-Fraktionen aus dem Bundestag, dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem Brandenburger Landtag vorgelegt und von einem Chemnitzer Finanzwissenschaftler im Auftrag der Partei erstellt.

Die bisherige Investitionssumme in Höhe von 4,7 Milliarden Euro sei aus dem Geschäftsbetrieb heraus schon jetzt nicht mehr hereinholbar, es sei denn, die Erlöse würden unrealistisch erhöht, erklärte Gutachter Friedrich Thießen. In diese Prognose sei der von Flughafenchef Hartmut Mehdorn geforderte Nachschlag von 1,1 Milliarden Euro noch nicht eingerechnet. Die Flughafengesellschaft wies das Gutachten als "unseriös und realitätsfern" zurück.

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In einem Beispiel konkretisierte Thießen den jährlichen Verlust auf rund 150 Millionen Euro, wenn es bei den 4,7 Milliarden Euro bliebe und die Einnahmen durch Flughafengebühren und Erlöse durch die Terminalshops um 50 Prozent erhöht würden. Die Liquidität des Flughafens wäre gerade noch gegeben. Konkret bedeute das: Der Flughafen habe Geld auf der Bank, verbrauche aber sein Vermögen, das mit Mitteln der Steuerzahler aufgebaut worden sei, erklärte der Experte.

Grüne fordern belastbares Finanzkonzept

"Schon jetzt zeichnet sich ein finanzielles Desaster ab", sagte die Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop. Als mittelgroßer Flughafen sei der Hauptstadtflughafen konzipiert worden. Als solcher müsse er solide fertiggestellt werden, erklärte sie.

Der Flughafen hätte nicht mehr als 3,5 Milliarden Euro kosten dürfen, ergänzte ihr Brandenburger Amtskollege Axel Vogel. "Jede Milliarde Euro, die der BER an zusätzlichen Investitionsmitteln auffrisst, vergrößert die jährlichen Verluste", sagte er. Die Grünen-Politiker verlangten die Vorlage eines transparenten und belastbaren Finanzkonzepts. Solange diese Unterlagen nicht vorlägen, würde keiner weiteren Mittelfreigabe zugestimmt.

Aus dem Finanz-Dilemma komme der Flughafen auch nicht heraus, in dem er auf weiteres Wachstum setze, meinte Thießen. Überlegenswert sei allenfalls, den alten Schönefelder Terminal als Abfertigungsort für den Low-Cost-Verkehr zu entwickeln.

Brandenburgs Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider wies die Thesen der Grünen zurück. "Selbst dieses Gutachten zeigt jedoch, dass der BER eine positive Perspektive hat", teilte er mit.

Ein Flughafensprecher sagte: "Herr Thießen hat in der Vergangenheit bereits den Flughafenregionen Frankfurt und München ihre wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit abgesprochen – nichts anderes war auch jetzt in seiner Studie zum BER zu erwarten."

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