Hauptstadtflughafen

Flughafenchef Mehdorn warnt vor Engpässen am BER

In einem Bericht fordert Mehdorn, Alt-Schönefeld auszubauen, da bereits jetzt absehbar sei, dass der BER zu klein wird. Andernfalls könnten Engpässe die Kapazität des Hauptstadtflughafens begrenzen.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Die Flughafengesellschaft wird nach Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER keine zusätzlichen Flugzeuge aufnehmen können, wenn nicht weitere Abfertigungskapazitäten geschaffen werden. Davor warnt Flughafenchef Hartmut Mehdorn im aktuellen Sachstandsbericht zum BER, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Es sei davon auszugehen, dass es "vor allem bei Check-in, Sicherheitskontrollen sowie Gepäckausgabe zu Engpässen kommen wird", schreibt Mehdorn. Dies hatte er kürzlich auch den Mitarbeitern in einem Brief mitgeteilt.

Diese Engpässe würden "insbesondere zu Spitzenzeiten" die Kapazität und Leistungsfähigkeit des BER begrenzen. "Werden zeitnah keine Erweiterungen vorgenommen, müssten zur Sicherstellung eines störungsfreien und stabilen Betriebsablaufes Verkehre nach Berlin-Brandenburg abgewiesen werden", so Mehdorn. Die Hauptaufgabe der Flughafengesellschaft, nämlich "eine bedarfsgerechte Flughafeninfrastruktur" bereitzustellen, könnte damit nicht erfüllt werden. Der Aufbau eines Drehkreuzes mit Langstreckenverbindungen wäre gefährdet, betonte Mehdorn.

Sanierung von Schönefeld als Alternative

Die in der ursprünglichen Planung als Erweiterung vorgesehenen Satelliten-Terminals seien frühestens 2022 verfügbar, heißt es in dem Bericht. Als Alternative wirbt der Flughafenchef erneut für sein Konzept, das bestehende Terminal des Flughafens Schönefeld zu sanieren und längerfristig zu nutzen.

Dazu müssten die Rollwege erweitert und das Regierungsterminal der Bundesregierung an einen anderen Standort verlegt werden. Auch die Gepäckausgabe im Hauptterminal will Mehdorn erweitern und zwei zusätzliche Bänder installieren. "Die Anzahl der ankommenden Passagiere mit Gepäck (...) übersteigt die vorhandene Gepäckbandkapazität", heißt es im Bericht.

Im BER-Sonderausschuss des Brandenburger Landtages machte der Technik-Chef des Flughafens Jochen Großmann am Montag deutlich, dass die Pläne für den Umbau der Entrauchungsanlage nach wie vor nicht komplett vorliegen. Die Entrauchung ist der kritische Punkt für die Inbetriebnahme des BER. "Die Planungen werden nun abschnittsweise an die Firma Siemens übergeben", sagte Großmann. Bei einem Brand im Flughafengebäude sei die Absaugung des Rauchs und darauf abgestimmt die Zufuhr von Frischluft entscheidend. "Eine solche ganzheitliche Planung hat es vorher nicht gegeben", sagte Großmann. Einen Termin für den Start des Umbaus wollte er nicht nennen.

14.000 Haushalte um Schönefeld warten auf Lärmschutz

Die Anwohner rund um Schönefeld warten auch noch immer auf ausreichenden Lärmschutz. "Insgesamt haben wir hier keinen einzigen endgültigen Bescheid", sagte der Vorsitzende der Fluglärmkommission, Gerhard Steintjes, am Montag. Er bezog sich auf die 14.000 Haushalte im sogenannten Tagschutzgebiet.

Sie erhalten Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter oder werden mit Geld entschädigt. Nach Angaben des Flughafens sind erst 200 Anträge abgearbeitet, mehr als 11.000 befinden sich in der Prüfung Bei den Haushalten mit Nachtschutz sind die Anträge für knapp 1700 der 11.000 schutzberechtigten Haushalte abgeschlossen.

Der Flughafen musste 2012 beim Schallschutzprogramm weitgehend von vorn beginnen. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte entschieden, dass die Vorgaben verfehlt wurden. Der Lärmschutz kostet nach Angaben von Mehdorn 730 Millionen Euro statt der geplanten 139 Millionen Euro. Insgesamt geht es um mehr als 25.000 Haushalte.

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