BER-Debakel

Mehdorn befürchtet BER-Eröffnung erst im Jahr 2016

Foto: Daniel Naupold / dpa

Flughafenchef Hartmut Mehdorn kündigt in einem Brief an die brandenburgische Landesregierung an, dass der BER erst 2016 in Betrieb gehen könnte. Die Opposition kritisiert die Verspätung heftig.

Der neue Hauptstadtflughafen kann möglicherweise erst 2016 in Betrieb gehen. Das sei bei weiteren unvorhergesehenen Ereignissen zu befürchten, schrieb Flughafenchef Hartmut Mehdorn in einem Brief an die brandenburgische Landesregierung.

Darin kündigt Mehdorn an, mit der Sanierung der nördlichen Start- und Landebahn am Flughafen statt in diesem Juli erst im März 2015 zu beginnen. Anders seien die Vorgaben der Genehmigungsbehörde beim Schallschutz nicht zu schaffen.

Die Opposition im Berliner Abgeordnetenhaus kritisiert die neuerliche Verschiebung der BER-Eröffnung als verheerend. "Das ist für den Steuerzahler eine Katastrophe", sagte die Flughafen-Expertin der Linkspartei, Jutta Mattuschek.

Für die Grünen werden "schlimmste Befürchtungen" wahr

Eigentlich sei es die Aufgabe der Flughafengesellschaft gewesen, den BER so schnell wie möglich ans Netz zu bringen. "Es gibt aber schon länger den Eindruck, dass das Interesse in Brandenburg an einer schnellen Eröffnung nicht so groß ist", sagte Mattuschek. Sie befürchtet, dass vor dem Hintergrund der Landtagswahlen in Brandenburg am 14. September im Nachbarland kein großes Interesse am Fortschritt auf der BER-Baustelle herrscht.

Die Parteien wollen sich demnach im anstehenden Wahlkampf nicht angreifbar machen. Vor allem die Flugrouten und der fehlende Schallschutz sind in Brandenburg sehr umstritten. Doch bei einer geplanten Eröffnung im Jahr 2015 müssten in diesem Jahr erhebliche Fortschritte auf der Baustelle erzielt werden.

Für die Grünen werden "schlimmste Befürchtungen" wahr, sagte Fraktionschefin Ramona Pop. "Mehdorn hat sich auf allen möglichen Baustellen verkämpft, nicht aber auf der Hauptbaustelle", so Pop. "Ich fürchte, der Flughafen wird am St. Nimmerleinstag öffnen." Bis dahin flössen viele Milliarden Euro durch den Flughafen. "Das ist unglaublich." Statt immer wieder Nebelkerzen wie die Offenhaltung Tegels zu thematisieren, sollte sich Mehdorn nach Auffassung Pops darauf konzentrieren, die Hauptprobleme wie den Brandschutz und den Schallschutz zu lösen.

Verzögerungen beim Schallschutz gefährden Eröffnung

In seinem Brief an die Brandenburger Landesregierung vom 21. Februar bittet Flughafenchef Mehdorn um Verständnis und Zeit. Er weise darauf hin, "dass wir mit dieser Verschiebung erneut eine Entspannung auf der Baustelle erzeugen und befürchten, dass beim Eintreten weiterer unvorhergesehener Ereignisse, wie in den letzten Monaten, eine Inbetriebnahme erst im Jahr 2016 umsetzbar wäre", heißt es in dem Schreiben.

Berlins Senatssprecher Richard Meng wollte die neuerliche Volte Mehdorns nicht kommentieren. Der Aufsichtsrat betonte bislang stets, dass es viel zu früh für Prognosen sei. Geschäftsführung und Aufsichtsrat würden auf Grundlage belastbarer Fakten entscheiden, wenn es etwas zu entscheiden gebe.

Mehdorn nannte vor allem die jüngsten Verzögerungen beim Schallschutz als Grund für die Gefahr einer erneut nach hinten verschobenen Eröffnung. Die obere Luftfahrtbehörde fordert unter anderem, dass die Anwohner sechs Monate Zeit haben, Schallschutzfenster einbauen zu lassen, wenn sie die Bewilligung des Flughafens zur Kostenübernahme haben.

Schon der Testbetrieb wurde abgesagt

Mit dem bisherigen Starttermin für die Sanierung der Nordbahn im Juli ist diese Vorgabe nicht vereinbar. Mehdorns Schreiben zufolge drängt die obere Luftfahrtbehörde auch darauf, DIN-Vorschriften für die Belüftung der Häuser "in sehr umfassender Form zu beachten".

Damit erhält das Trauerspiel um den neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld einen weiteren Höhepunkt. Mehdorn hatte zuvor auch das Führungspersonal der Flughafengesellschaft ausgetauscht. Zuletzt hatte er den Vertrag mit der Chefplanerin Regina Töpfer aufgelöst. Kurz nach dem Amtsantritt von Mehdorn hatte auch Technikchef Horst Amann seinen Posten räumen müssen.

Noch im Januar hatte Mehdorn versichert, alles für eine Inbetriebnahme des Flughafens im Jahr 2015 zu tun. Doch schon in der vergangenen Woche sagte er den für Juli geplanten Testbetrieb in einem Seitenflügel des Terminals ab. Der Flughafenchef verwies auf mangelnde Unterstützung im Aufsichtsrat.

Die Nordbahn übernimmt der neue Flughafen vom benachbarten alten Flughafen Schönefeld. Sie muss aber saniert werden. Mehdorn will das vor der Inbetriebnahme machen und die Flugzeuge vom alten Flughafen in der Zeit über die neue Südbahn des Hauptstadtflughafens schicken. Dort haben gut 4000 Anwohner-Haushalte aber noch keinen ausreichenden Schallschutz.

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