Hauptstadtflughafen

Kabeltrassen am Flughafen BER werden zum Risiko

Foto: Patrick Pleul / dpa

Der zentrale Kabelkanal unter dem Terminal des Pannen-Airports ist überbelegt und damit nicht betriebsbereit. Bei vollem Betrieb könnten Leitungen durchschmoren. Eine Klimaanlage könnte helfen.

Beim Bau des Hauptstadtflughafens BER ist eine neue schwerwiegende Panne bekannt geworden: Wie mehrere Medien am Wochenende berichteten, ist der zentrale Kabelkanal unter dem Terminal des Pannen-Airports überbelegt und damit nicht betriebsbereit.

Bei vollem Betrieb könnten nach Berechnungen von Technikern Leitungen in dem 800 Meter langen Kanal durchschmoren, Kurzschlüsse verursachen und damit weite Teile des Flughafens lahmlegen, berichtete der "Spiegel" am Sonntag vorab unter Berufung auf einen flughafeninternen Vermerk. Eine Arbeitsgruppe des Flughafens suche nun nach einer Lösung, berichtete die "Bild"-Zeitung am Sonnabend unter Berufung auf einen Flughafensprecher.

Eine Inbetriebnahme des Kabelkanals "wäre eine grob fahrlässige Handlung", erklärte ein TÜV-Berater in dem vorliegenden Vermerk. Auf rund hundert Metern Länge könnten sich die Kabel bei Volllast auf bis zu 70 Grad erhitzen. Bei dieser Temperatur können die Kunststoffummantelungen zerstört werden.

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Zurzeit prüfen Experten, ob der Kabelkanal in besonders belasteten Abschnitten durch den Einbau einer Klimaanlage auf gefahrlose Temperaturen heruntergekühlt werden könne. Sollte sich das als zu kompliziert erweisen, müssten Kabel entfernt werden. Doch dann stehen die Planer vor einem erneuten Problem: Für die dann benötigten Ersatzkabeltrassen gebe es noch keine Planung. Weder würden die Kosten für die zusätzlichen Kabeltrassen zur Zeit abschätzbar sein, noch könne die Dauer der Umbauarbeiten derzeit abgeschätzt werden, heißt es in dem Vermerk.

Problem seit Monaten bekannt

Laut Flughafensprecher Ralf Kunkel ist das Problem überbelegter Kabeltrassen seit Monaten bekannt. Seit rund einem halben Jahr werde an Lösungen gearbeitet, sagte Kunkel am Sonntag. Für den Flughafen seien nicht die Kabeltrassen das entscheidende Thema, sondern dass bald die Entrauchungsanlagen funktionieren.

Nun soll nun eine Arbeitsgruppe unter Leitung des Informatik-Professors Jochen Großmann sich des Problems annehmen. Die Eröffnung des Milliarden teuren Flughafens ist wegen der schweren Planungsfehler und Pannen beim Bau schon mehrfach verschoben worden.

Das Milliardenprojekt sollte schon lange in Betrieb sein. Wegen immer neuer Bau- und Planungsmängel musste der Start aber mehrmals verschoben werden. Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn peilt nun eine Eröffnung bis spätestens 2015 an. Am 1. Juli 2014 will er am Nordpier einen Probebetrieb mit bis zu sechs Flügen am Tag der Gesellschaft Germania aufnehmen. dpa/ag

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