08.02.13

Flughafen überlastet

Flugzeuge touchieren sich - Wie sicher ist Tegel?

Zwei Maschinen haben sich in Tegel beim Ausparken berührt. Das heizt die Sicherheitsdebatte an. Die Flughafengesellschaft beschwichtigt.

Von Viktoria Solms
Foto: REUTERS

Dicht an dicht: Bei täglich bis zu 300 Flugbewegungen ist es eng auf dem Rollfeld. Karambolagen wie jetzt zwischen zwei Air-Berlin-Jets können nicht ausgeschlossen werden
Dicht an dicht: Bei täglich bis zu 300 Flugbewegungen ist es eng auf dem Rollfeld. Karambolagen wie jetzt zwischen zwei Air-Berlin-Jets können nicht ausgeschlossen werden

Der Flughafen Tegel arbeitet seit Jahren am Rande seiner Leistungsfähigkeit. Das führt nicht nur zu teils langen Warteschlangen beim Check-In und der Gepäckausgabe, sondern sorgt auch für Enge auf dem Vorfeld. Das bekamen nun zwei Piloten der Air Berlin zu spüren. Ihre Flugzeuge berührten sich beim Ausparken. Zu Schaden kam niemand von den Passagieren, sie wurden allenfalls ein wenig durchgerüttelt. Ärgerlich ist es nur für die Airline, die den Schaden bezahlen muss.

Allerdings wächst die Sorge, ob Tegel dem hohen Ansturm noch gewachsen ist. "Je enger ein Flughafen gebaut ist und je mehr Flugzeuge dort unterwegs sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas vorkommt", sagt Jörg Handwerg, Flugkapitän und Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Es sei kein reiner Zufall, dass dieser Vorfall ausgerechnet in Tegel passiert sei.

"Der Flughafen platzt bekanntlich aus allen Nähten", so Handwerg. Das sei vergleichbar mit dem Straßenverkehr. Auch bei normalem Verkehrsfluss ereigneten sich hin und wieder Auffahrunfälle. "Aber wenn Stau ist, sind sie häufiger", so Handwerg. Ähnlich sieht es Friederike Langenbruch vom Flughafenverband ADV. "Es ist äußerst selten, dass sich zwei Flugzeuge auf dem Vorfeld touchieren", sagte Langenbruch. Grundsätzlich könne dies aber natürlich auf jedem Flughafen passieren.

Alle Passagiere unverletzt

Anfang vergangener Woche wollte der Pilot eines Airbus A330 in Tegel seine Parkposition verlassen und Richtung Startfeld rollen. Dabei übersah er, dass er gefährlich nahe an eine Boeing 737 herankam. Der Airbus streifte mit seiner Flügelspitze das Seitenleitwerk der Boeing. Passagiere und Mitarbeiter wurden nicht verletzt. Der Vorfall sei "ein ärgerlicher Zwischenfall, den wir bedauern, weil letztlich auch unser Fluggäste verspätet an ihrem Zielort ankamen", sagte Alexandra Bakir, Sprecherin der Air Berlin. "Jedoch ist es ein Vorfall, wie er auch auf anderen Flughäfen gelegentlich vorkommen kann."

Allerdings ist längst eine Diskussion darüber entbrannt, ob die Zustände am Flughafen Tegel den Passagieren tatsächlich zugemutet werden können. Die Fluggesellschaften hatten ihr Streckenangebot in Erwartung des neuen Hauptstadtflughafens BER teils deutlich ausgeweitet. Dieses zusätzliche Angebot müssen sie nun an dem kleinen Flughafen Tegel abwickeln. Derzeit steht noch nicht einmal fest, wann es einen neuen Eröffnungstermin für den BER geben soll.

Zudem drängen Anwohner des Flughafens Tegel darauf, wegen der hohen Lärmbelastung einige Strecken doch künftig vom alten Flughafen in Schönefeld abzuwickeln. Derzeit muss der Flughafen Tegel jeden Tag mehr als 300 Flugbewegungen bewältigen, der Flughafen Schönefeld dagegen weniger als 100. "Damit ist nicht nur die Lärmbelastung der Anwohner in Tegel gestiegen", sagte Kai Wegner, Generalsekretär der Berliner CDU.

"Durch die deutliche Überschreitung der Kapazitätsgrenze gibt es auch ein deutlich höheres Sicherheitsrisiko als in Schönefeld." Die Gesundheit oder sogar das Leben von Menschen dürfe jedoch nicht gefährdet werden. Wegner forderte daher die Flughafengesellschaft auf, "alles zu unternehmen, um Flugbewegungen nach Schönefeld zu verlegen".

Die Airlines lehnen dies allerdings ab. Denn die meisten Passagiere starten lieber von Tegel aus als von Schönefeld. Zudem würden die Kosten für die Airlines steigen, wenn sie in Berlin zwei Standorte bedienen müssten. Unter anderem aus diesen Gründen hat beispielsweise die Lufthansa im Herbst vergangenen Jahres die Flüge ihrer Tochter Germanwings von Schönefeld nach Tegel verlagert. Wegner schlägt daher vor, die Airlines durch entsprechende Anreize zu locken.

So könne man ihnen durch niedrigere Start- und Landegebühren entgegen kommen. Auch Jörg Stroedter, SPD-Abgeordneter aus Reinickendorf, bezeichnete eine Entlastung der Bürger rund um Tegel als "absolut zwingend". Zwischen den beiden alten Berliner Flughäfen habe sich ein Ungleichgewicht aufgebaut. "Während Schönefeld gerade mal zu zwei Drittel ausgelastet ist, platzt Tegel aus allen Nähten", so Stroedter.

Von einem Sicherheitsrisiko will man bei Air Berlin wegen des Zusammenstoßes nicht sprechen. Das entbehre laut Bakir "jeglicher Grundlage". Auch Flughafensprecher Ralf Kunkel sieht in Tegel keine Gefahr für die Passagiere. "Es handelte sich dabei um einen alltäglichen Vorgang, wie er an jedem Flughafen in der Welt passieren kann", so Kunkel.

Bei der Air Berlin machen sich die Auswirkungen des Sparkurses bemerkbar. Sie beförderte im Januar 1,76 Millionen Passagiere und damit knapp acht Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte die Airline die Auslastung der Maschinen.

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