31.01.13

Pannen-Airport BER

Was für Wilhelm Bender als neuen Flughafenchef spricht

Seit Wochen wird über einen neuen Chef für den BER spekuliert. Nun könnte der passende Kandidat gefunden worden sein. Doch er ziert sich.

Von Gudrun Mallwitz und Viktoria Solms
Foto: dpa

Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender will Bedenkzeit
Ex-Fraport-Chef Wilhelm Bender will Bedenkzeit

Der Aufsichtsrat der Berliner Flughafengesellschaft führt schon seit Wochen Gespräche mit möglichen Kandidaten für den Chefposten des BER. Nun könnte der passende Nachfolger für den geschassten Flughafenchefs Rainer Schwarz gefunden worden sein.

Angeblich will sich der frühere Vorstandschef des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Wilhelm Bender, bis zum Wochenende Zeit lassen, um über ein entsprechendes Angebot aus Berlin nachzudenken.

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Für Bender spricht eine ganze Reihe von Gründen. Der 68-Jährige hat Deutschlands größten Flughafen Fraport viele Jahre lang erfolgreich geführt. Von 1993 bis 2009 stand er an der Spitze der Frankfurter Flughafengesellschaft. In der Zeit wandelte er das Verlustgeschäft zu einem profitablen Betrieb mit rund 27.000 Mitarbeitern um.

2001 brachte er die Betreibergesellschaft Fraport an die Börse. Er holte ausländische Fluggesellschaften nach Frankfurt/Main und setzte den kontinuierlichen Ausbau des Flughafens durch. Mit 65 Jahren ging er in den Ruhestand. Seither ist er unter anderem im Aufsichtsrat von Bombardier und bei Eintracht Frankfurt tätig.

Nur ein Chef für die Übergangszeit

Angesichts seines fortgeschrittenen Alters wäre Bender sicherlich nur ein Chef für die Übergangszeit. Ähnlich wie Hartmut Mehdorn, der an der Spitze der Fluggesellschaft Air Berlin die wesentlichen Reformen einleitete und kurz nach seinem 70. Geburtstag an seinen Nachfolger übergab, könnte Bender in Berlin den BER an den Start bringen und sich dann zurückziehen. Auf diese Weise wäre genügend Zeit, um jemand zu suchen, der langfristig den Berliner Flughafen leiten möchte.

Sein vielleicht größter Pluspunkt ist aber ein anderer. Bender ist gut mit Technikchef Horst Amann bekannt. Die beiden haben lange Jahre in Frankfurt zusammengearbeitet. Amann hat dort unter anderem als Bauleiter die vierte Startbahn verantwortet. In Berlin hat er sich seit Amtsantritt im August 2012 mit seiner direkten Art nicht nur Freunde gemacht. Zudem soll sein Verhältnis zu dem damaligen Flughafenchef Rainer Schwarz von Anfang an schlecht gewesen sein.

Amann hat zwar selbst bereits Interesse an dem Chefposten bekundet. Allerdings sind seine Chancen angesichts des noch immer herrschenden Chaos auf der Baustelle gering. Mit Bender an der Spitze könnte Amann vermutlich besser auskommen als mit einem gänzlich Unbekannten. Für eine baldige Eröffnung des BER wäre das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

IHK fordert die Erweiterung des BER

In der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin sorgt man sich, dass der BER das Wirtschaftswachstum in der Hauptstadtregion bremsen könnte, wenn nicht schon jetzt Erweiterungsarbeiten vorgenommen werden. "Die Leistungsfähigkeit des künftigen Hauptstadtflughafens BER wird ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftsentwicklung Berlins sein", sagt Christian Wiesenhütter, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin. Seit der Planfeststellung habe sich der Berliner Luftverkehr "rasant entwickelt und mit ihm die Wirtschaftskraft der Hauptstadtregion." Der künftige Großflughafen Single-Airport müsse in der Lage sein, dieses auf absehbare Zeit abwickeln zu können.

Brandenburgs Ministerpräsident und neuer Aufsichtsratsvorsitzende Matthias Platzeck (SPD) hatte bereits Mitte Januar 2013 angekündigt, dass ein Ausbau des BER noch vor der Eröffnung nun geprüft werde. Dafür lässt er eine Prognose erstellen, wie sich der Luftverkehr in Berlin weiter entwickeln wird. Im vergangenen Jahr beförderten die beiden alten Berliner Flughäfen erstmals mehr als 25 Millionen Passagiere im Jahr. Nach der jetzigen Planung kann der BER bis zu 27 Millionen Fluggäste pro Jahr befördern.

In einem Positionspapier hat die IHK mögliche Lösungsansätze aufgeführt. So soll das Terminalgebäude erweitert werden, um Platz für zusätzliche Check-in-Schalter und Sicherheitskontrollen zu schaffen. Dafür könne man als erstes die Pavillongebäude ausbauen.

Langfristig müssten aber wahrscheinlich bestimmte Gebäudeteile wieder abgerissen werden. So stünde unter anderem das Parkhaus im Süden des Terminals im Weg.

Eine der größten Schwachstellen ist die Gepäckausgabe. Die vorhandenen acht Gepäckbänder werden nach derzeitiger Einschätzung nicht reichen, um die Koffer zuverlässig und zeitnah zu befördern. Auch hier sieht die IHK dringend Handlungsbedarf.

Zudem sollte die "Zwangsführung der Passagiere hinter dem Sicherheitscheck" aufgeben werden, heißt es in der Studie. Stattdessen schlagen die Verfasser vor, "direkte Zugänge von den äußeren Sicherheitskontrollen in den Pavillons zu den Piers zu öffnen." Auf diese Weise würden sich die Passagiere den Umweg über den Marktplatz mit Restaurants und Geschäften sparen. Dadurch würden allerdings den Mietern am BER zusätzlicher Umsatz entgehen, was sicherlich langfristig wiederum die Einnahmen des Flughafens schmälern würden. Weiterhin empfiehlt die IHK, den Nord- und Südpier so weit wie möglich zu verlängern, um die Zahl der Gates zu erhöhen.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat auf Ausbauwünsche zurückhaltend reagiert. Die Kapazität des Neubaus sei noch nicht überschritten, sagte Wowereit am Donnerstag dem privaten Berliner Radiosender 104.6 RTL. "Insofern geht es jetzt erst mal darum, tatsächlich einen Flughafen zum Fliegen zu bringen und die Probleme zu lösen, die da sind."

Kritik an ehrenamtlicher Arbeit von Schwarz

Indessen wird darüber diskutiert, ob der bisherige Flughafenchef Rainer Schwarz ehrenamtlich das Land Brandenburg weiterhin beraten darf. Dabei geht es um seine Mitgliedschaft im Landeshochschulbeirat. Schwarz gehört dem Gremium seit 2007 an. Verlängert wurde die Mitgliedschaft 2011. Sie läuft 2015 ab.

Die Bündnisgrünen im Landtag stellten dazu eine entsprechende kleine Anfrage. Ein Sprecher des Brandenburger Wissenschaftsministerium sagte der Berliner Morgenpost: "Es gibt keinen Grund, die ehrenamtliche Tätigkeit von Herrn Schwarz zu beenden." Als Honorarprofessor an der Fachhochschule Wildau und langjähriger Manager bringe er viel Erfahrung ein und könne so das Land beraten.

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