23.01.2013, 15:28

Flughafen BER Gericht kippt Flugroute über den Wannsee

Kläger hatten neben Lärm und Umweltbelastungen befürchtet, dass Flugzeuge auf den Forschungsreaktor am Wannsee stürzen könnten.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat die Wannsee-Flugroute des künftigen Hauptstadtflughafens gekippt. Die Strecke führe zu nah am Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums vorbei, erläuterte das Gericht am Mittwoch. Das Risiko für einen Flugunfall oder einen terroristischen Anschlag sei vor der Routenfestlegung nicht ermittelt worden.

Geklagt hatten neben den brandenburgischen Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow die Stadt Teltow, mehrere Grundstücksbesitzer und Anwohner des Wannsees. Es war die erste von mehreren Verhandlungen über Entscheidungen des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF), das die Flugrouten im Januar 2012 festgelegt hatte.

Forschungsreaktor nicht ausreichend geschützt

Die Kläger warfen der Flugsicherung am Mittwoch vor, Einwände des Bundesumweltamts gegen die Route nicht ausreichend beachtet zu haben. Zudem habe die Strecke über den Wannsee bei Umweltprüfungen keine Rolle gespielt.

Im Mittelpunkt des ersten Verhandlungstags aber stand das Argument, der Forschungsreaktor des Helmholtz-Zentrums in Wannsee sei gegen einen Flugzeug-Absturz oder einen Terroranschlag nicht ausreichend geschützt. Weil Trümmerteile sich bei einem Absturz bis zu drei Kilometer weit verteilen könnten, dürfe die Route nicht so nah am Reaktor vorbeiführen.

Auch andere Routen, früher beispielsweise vom Flughafen Tempelhof aus, führten über den ungesicherten Reaktor. Zudem sei ein Absturz so unwahrscheinlich, dass er praktisch ausgeschlossen werden könne.

EU-Kommission schaltet sich ein

Auch die EU-Kommission hat sich mit den umstrittenen Flugrouten beschäftigt. Vor zwei Wochen kam heraus, dass die vorgesehenen Strecken nach Ansicht der EU möglicherweise neu geprüft werden müssen, weil die Folgen für Natur und Umwelt nicht untersucht wurden.

Das Bundesverkehrsministerium betonte, es gebe "keine Versäumnisse in dieser Hinsicht". Aus den EU-Richtlinien im Verfahren zur Festlegung von Flugrouten ergebe sich keine Pflicht zu einer solchen Prüfung.

(dpa/mim/ap)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter