18.01.2013, 08:41

Hauptstadtflughafen Technik-Chef Amann stellt neue BER-Mängelliste vor


Der BER-Technikchef sagte den Eröffnungstermin im Herbst 2013 bereits wieder ab

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Der BER-Technikchef sagte den Eröffnungstermin im Herbst 2013 bereits wieder ab Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Von Joachim Fahrun und Viktoria Solms

Neben Schwierigkeiten mit der Brandschutzanlage macht Horst Amann auch organisatorische Defizite für die erneute Verschiebung verantwortlich.

Der Rauswurf des Generalplaners PGBBI nach der vorletzten Absage des Eröffnungstermins des Hauptstadtflughafens ist der wesentliche Grund für die anhaltenden Schwierigkeiten auf der Baustelle des BER. Das schreibt der Technik-Chef des Flughafens, Horst Amann, in seiner Mängelliste, in der er den Projektstatus BER darstellt. "Insbesondere wurde der Kern des Projektes durch die Kündigung der PGBBI als Generalplaner und Objektüberwacher aufgelöst und nicht adäquat ersetzt", heißt es in dem Bericht, der der Morgenpost vorliegt.

Die Projektgesellschaft BBI (PGBBI) bestand aus den Architekturbüros Gerkan, Mark & Partner und JSK. Den Planern wurde gekündigt, nachdem der Starttermin im Juni 2012 kurzfristig einen Monat vor der Eröffnungsfeier abgesagt werden musste. Der Flughafen-Aufsichtsrat unter dem damals Vorsitzenden Klaus Wowereit setzte damals durch, dass neben dem früheren Technikchef Manfred Körtgen auch die PGBBI als Konsequenz aus dem Bauchaos gehen musste.

Amann macht jedoch neben baulichen Schwierigkeiten mit der Brandschutzanlage auch organisatorische Defizite bei der Flughafengesellschaft verantwortlich für die erneute Verschiebung. Der Manager rügt unter anderem mangelnde Ressourcen und fachliche Eignung, mangelhafte Planungskoordination und passive bis fehlende Projektsteuerung, aber auch massive Projektänderungen.

Nicht nur die Entrauchungsanlage ist ein Problem

Zudem benennt er große Probleme bei der Vertragsgestaltung mit Firmen, Planern und Gutachtern. Diese seien nur kurzfristig auf Basis von Dienstverträgen gebunden worden. Bestimmungen über den "vertraglich geschuldeten Erfolg" ihrer Arbeit seien deshalb nicht möglich gewesen, es bestehe daher keine Haftung für Termine, Kosten und Qualitäten ihrer Leistungen. Auf der Baustelle mangelt es nicht nur an der komplizierten Entrauchungsanlage, die deutlich anders gebaut worden sei als in der Baugenehmigung vorgesehen.

So fehlt am Stahlträgerwerk in einer Gebäudeebene die Brandschutzbeschichtung, Kälteleitungen sind nicht gedämmt, die Türen funktionieren nicht richtig, die Sprinkleranlage arbeitet unzureichend und die Hohlräume unter den Decken mit ihren Kabeln, Rohrleitungen und Dämmungen müssen saniert werden. Die Sicherheitsstromversorgung des Fluggastterminals zeigt ebenfalls Mängel.

Eröffnungstermin auf 2015 verschoben

Amann gibt auch einen Hinweis auf den möglichen Eröffnungstermin, den er am Mittwoch bereits auf 2015 geschoben hatte. Der Eröffnungstermin im Herbst 2013 hing an der Voraussetzung, die von der Baugenehmigung abweichenden Zustände unverändert lassen zu können und keine wesentlichen "Umprogrammierungen der Entrauchungsszenarien" notwendig würden.

Diese Lösung hält Amann nicht mehr für möglich und sagte deshalb den Termin ab. "Die Alternative, Umbau/Rückführung der von der Baugenehmigung abweichenden Anlageteile, hätte eine Inbetriebnahme nicht vor Ende 2014/2015 ermöglicht", schreibt Amann. So wie es aussieht, ist die Alternative nun eingetreten.

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