16.01.2013, 22:59

Schwarz-Nachfolge Diese Männer sind als BER-Chef im Gespräch


Kandidat für Chefposten: Thomas Weyer, bis jetzt Finanzchef am Flughafen München

Foto: Berliner Flughäfen

Kandidat für Chefposten: Thomas Weyer, bis jetzt Finanzchef am Flughafen München Foto: Berliner Flughäfen

Von Joachim Fahrun und Viktoria Solms

Rainer Schwarz musste als Flughafenchef gehen. Für seinen Posten kommen Airport-Leiter aus München, Köln und Paderborn infrage.

Wer das Milliardenprojekt BER künftig als Chef verantworten will, muss eine große Bereitschaft zum Risiko mitbringen. Denn Scheitern ist nach allem, was bislang über den BER bekannt ist, wahrscheinlicher als ein Erfolg. Genau das sollte den Nachfolger von Rainer Schwarz an der Spitze der Flughafengesellschaft daher eher reizen denn abschrecken.

Möglicherweise wäre Thomas Weyer genau der richtige Mann für den Posten. Der Finanzchef am Flughafen München wurde schon nach der Absage der für Juni 2012 geplanten Eröffnung als Kandidat genannt. Nun soll es angeblich konkrete Gespräche mit ihm geben. Aus München würde Weyer genügend Erfahrung mitbringen, um einen Großflughafen zu führen. Weltweit sind die Münchner Experten als Berater gefragt, wenn ein neuer Flughafen eröffnet wird. Jährlich werden in den beiden Terminals 50 Millionen Passagiere abgefertigt. Das ist doppelt so viel wie in Berlin.

Zudem ist Weyer ein Finanzfachmann und würde damit eine der großen Schwachstellen des BER abdecken. Bei der Berliner Flughafengesellschaft ist der Überblick über die Finanzen verloren gegangen. Wie viel das Projekt derzeit genau kostet und wie lange der finanzielle Puffer noch reicht, kann keiner mit Gewissheit sagen. Bauexperten sind über diesen Zustand fassungslos. Im Zweifel zahlt eben der Steuerzahler. Dagegen müsste Weyer entschieden vorgehen.

Weitere Kandidaten: Garvens aus Köln und Kleinert aus Paderborn

Ein anderer Kandidat ist Michael Garvens. Er leitet den Flughafen Köln und hat erst kürzlich einen Erfolg für seinen Standort errungen. So hat er mit dafür gesorgt, dass die Lufthansa-Billigflugtochter Germanwings ihren Sitz dort belässt und sogar weiter ausbaut. Auch Berlin hatte sich darauf Hoffnungen gemacht. Doch am Ende hatte Garvens wohl die besseren Argumente. Zudem hat er erst vor kurzem erfolgreiche Erweiterungsbauten gemanagt. Das alles spricht für ihn.

Bleibt Elmar Kleinert, der Chef des Regionalflughafens Paderborn. Auch sein Name fällt immer wieder in dem Zusammenhang. Der Manager hat bis 2008 als Betriebsleiter für Tegel und Tempelhof gearbeitet und kennt viele der Akteure in Berlin. Das dürfte angesichts des verfahrenen Zustands ein großer Vorteil sein. Denn gerade Tegel wäre eine der größten Herausforderungen für Kleinert. Der innerstädtische Flughafen arbeitet seit Jahren am Rande seiner Leistungsfähigkeit.

Seit dem Sommer haben sich die Zustände verschlimmert, da die Airlines ihre Flüge in Erwartung des BER deutlich ausgeweitet hatten. Thomas Kropp, Bevollmächtigter des Lufthansa-Vorstands in Berlin, bezeichnete die Bedingungen vor Ort mittlerweile als untragbar. Größte Schwachstelle sei die Gepäckausgabe. So sollen vergangenes Jahr die Gepäckbänder mehrere Hundert mal minutenlang stehen geblieben sein. "Das ist inakzeptabel und führt zu unnötigen Verspätungen", sagt Kropp.

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