04.11.12

Lärm

BER-Flugrouten betreffen bis zu 1,5 Millionen Berliner

Laut einer Bürgerinitiative werden doch mehr Anwohner vom Fluglärm betroffen sein als gedacht. Und auch das Thema Nachtflüge sorgt für Unmut.

Von Isabell Jürgens
Foto: ddp images/dapd/Timur Emek

Die Luftaufnahme zeigt eine mit einem x markierte Start-und Landebahn des BER
Die Luftaufnahme zeigt eine mit einem x markierte Start-und Landebahn des BER

Seit dem Debakel um die Verschiebung der Großflughafen-Eröffnung vom 3. Juni 2012 auf den 27. Oktober 2013 ist es ruhig geworden um die zuvor so heftig geführte Flugrouten-Debatte. Das könnte sich jetzt jedoch ändern. Denn erneut sehen sich viele Bürger, die sich bislang als nicht betroffen vom Fluglärm wähnten, damit konfrontiert, dass auch ihre Häuser sich in den An- und Abflugkorridoren des BER in Schönefeld befinden.

Betroffen sind sowohl Anwohner entlang der sogenannten Müggelseeroute im Südosten Berlins als auch der Wannseeroute im Südwesten. Das geht aus den sogenannten Hindernisbetrachtungsgebieten der Deutschen Flugsicherung (DFS) hervor, die die Friedrichshagener Bürgerinitiative am Wochenende öffentlich gemacht hat. In diesen Gebieten dürfen keine hohen Gebäude errichtet werden, weil sie unter bestimmen Umständen überflogen werden dürfen.

"Die Flugsicherung hat den Korridor für Starts und Landungen so sehr verbreitert, dass anders als noch im 2006 verabschiedeten Landesentwicklungsplan nun auch stark besiedelte Gebiete erfasst sind", sagte ein Mitglied des Sprecherrates der Bürgerinitiative am Sonntag. Nach Schätzung der Initiative dürften 1,5 Millionen Berliner insgesamt betroffen sein. Betroffen von den verbreiterten Flugrouten-Korridoren im Südosten sind demnach nun der Osten von Köpenick mit dem Allende-Viertel sowie der gesamte Ortsteil Friedrichshagen.

Fast der gesamte Bezirk Steglitz-Zehlendorf ist betroffen

Im Südwesten sind die hindernisfreien Korridore sogar noch weiter gefasst: Nahezu der gesamte Bezirk Steglitz-Zehlendorf wird demnach betroffen sein. Auch die Spandauer, die schon den Tag herbeisehnen, wenn nach der Eröffnung des BER in Schönefeld der Flughafen Tegel außer Betrieb gestellt wird, dürfen zumindest in den Ortsteilen Gatow und Kladow auch weiterhin überflogen werden. Und in Brandenburg liegen nun auch der Süden Potsdams sowie Großbeeren und Ludwigsfelde zusätzlich im Flugkorridor.

Besonders empört ist die Bürgerinitiative über die wenig transparente Art, in der sie über die geänderten Bedingungen informiert worden sei. "Herausgekommen sind diese verbreiterten Korridore nur, weil das Mitglied in der Fluglärmkommission, das den Bezirk Treptow-Köpenick vertritt, einen Antrag auf Einsicht in die Hindernisbetrachtungsgebiete gestellt hat", sagte ein Sprecher der Friedrichshagener Initiative.

Daraufhin habe die DFS die entsprechenden Karten für fünf Tage frei zugänglich für jedermann ins Internet gestellt. Nur weil sich die Bürgerinitiative die Mühe gemacht habe, diese Karten mit den ursprünglich genehmigten Korridoren zu vergleichen, seien die starken Abweichungen aufgefallen.

Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung, bestätigte Morgenpost Online am Sonntag, dass die hindernisfreien Zonen verbreitert wurden. "Tatsächlich geflogen wird in diesen Bereichen aber nur, wenn es die Sicherheit erfordert", versicherte Axel Raab und nannte ein Bespiel: "Wenn ein Flieger startet und ein Triebwerk ausfällt, darf er von der festgelegten Flugroute abweichen in ein Gebiet ausweichen, in dem gesichert ist, dass er nicht etwa gegen einen hohen Schornstein stößt." Auch Gewitterfronten könnten zum Ausweichen zwingen oder starke Windböen, die das Flugzeug nach links oder rechts zwingen. "Normalerweise fliegen die Piloten auf den vorgesehenen Routen", sagte Raab.

Die Aufregung darüber sei "künstlich und überzogen". Das sieht man in Friedrichshagen jedoch anders. Ohnehin sei es dem Piloten frei gestellt, seine Route frei zu wählen, wenn er eine Höhe von 5000 Fuß (1500 Meter) erreicht habe, so die Initiative. Und die Fluggesellschaften, denen es um jeden Cent Flugkerosin gehe, würden ohnehin dafür sorgen, dass möglichst die kürzeste Strecke geflogen wird – egal ob über dicht- oder dünn besiedeltem Gebiet.

Großdemo gegen Nachtflüge

Nicht nur die Flugrouten-Debatte wird wieder für Unmut in den betroffenen Stadtteilen Berlins sorgen. Neben der politischen und juristischen Aufarbeitung rund um die Frage, wer für die abgesagte Eröffnung des BER verantwortlich ist, wird künftig auch wieder das Thema Nachtflüge in den Fokus rücken. Denn nach den Planungen für den BER soll die Ruhezeit nur zwischen Mitternacht und 5 Uhr morgens gelten. Nach dem gescheiterten Volksbegehren für ein Nachtflugverbot in Berlin kämpfen die Initiatoren in Brandenburg nun um jede Unterschrift. Wie berichtet, waren in Berlin statt der nötigen 173.233 Unterschriften (sieben Prozent der Stimmberechtigten) nur 139.129 zusammen gekommen.

Bis zum 3. Dezember haben die Brandenburger Initiativen Zeit, die 80.000 erforderlichen Unterschriften zu sammeln. Bislang sind es nach Auskunft der Organisatoren knapp 50.000. Zum Endspurt soll in der Landeshauptstadt eine Aktion mit 2000 Plakaten und 70.000 Flyern für Aufmerksamkeit sorgen. Ab Montag werde im ganzen Stadtgebiet plakatiert, sagte ein Sprecher der Initiative "Schützt Potsdam". Am 24. November um 14 Uhr wird es in Berlin auch wieder eine Demo gegen Nachtflüge geben. Die Demonstranten wollen vom Potsdamer Platz zur SPD-Zentrale an der Wilhelmstraße ziehen.

Hier finden Sie alle Flugrouten über Berlin

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