18.09.12

Flughafen-Debakel

BER-Chef Schwarz wird entmachtet

Als Konsequenz aus dem Flughafen-Debakel verliert BER-Chef Schwarz Befugnisse – im Amt soll er allerdings weiterhin bleiben.

Foto: dapd

Umstritten: BER-Chef Rainer Schwarz bleibt weiterhin im Amt
Umstritten: BER-Chef Rainer Schwarz bleibt weiterhin im Amt

Es ist eine Entmachtung auf Raten: Als Konsequenz aus dem Debakel um den Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld wird dem umstrittenen Flughafenchef Rainer Schwarz die Kompetenz für die Finanzen entzogen.

Die Geschäftsführung soll um einen neuen Finanzvorstand erweitert werden. Dies bestätigte Rainer Bomba (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, gegenüber Morgenpost Online am Montag.

Der Posten soll laut Bomba ausgeschrieben werden. "Wir brauchen den Besten", sagte der CDU-Politiker. Inzwischen ist eine Personalie vom Tisch, über die in den vergangenen Tagen heftig spekuliert wurde: Der frühere Technikchef der Berliner Flughäfen, Thomas Weyer, wird wohl nicht von München nach Berlin zurückkehren.

Die beiden Länder Berlin und Brandenburg waren zunächst dagegen, Flughafen-Geschäftsführer Schwarz die Verantwortung für die Finanzen zu entziehen. Der Bund knüpfte die Übernahme seines Parts der 1,2 Milliarden Euro Mehrkosten für den Flughafen jedoch an die Bedingung weiterer personeller Konsequenzen. Führende Politiker der Regierungskoalitionen hatten zuvor darauf gedrungen, weiteres Geld des Bundes für den Flughafen von personellen Konsequenzen in der Geschäftsführung abhängig zu machen.

Forderung der Bundesregierung

"Es gibt inzwischen eine Einigung zwischen allen Gesellschaftern", sagte Staatssekretär Bomba jetzt der Berliner Morgenpost. Es werde einen neuen Finanzvorstand geben. "Damit hat die Bundesregierung eine Forderung der beiden Regierungskoalitionen CDU und FDP umgesetzt", zeigte sich Bomba zufrieden.

Der neue Finanzvorstand werde bei der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats im Oktober offiziell abgesegnet. "Damit machen wir Klarschiff", sagte Bomba.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Probleme am BER mit einer weiteren Umstrukturierung der Geschäftsführung in den Griff zu bekommen sind. "Der Flughafen ist zu 97 Prozent fertig. Es muss das Ziel aller sein, dass er zu 100 Prozent fertig wird und wie geplant zum 27. Oktober 2013 starten kann."

Über die dafür erforderlichen zusätzlichen Finanzspritzen hat es laut Bomba inzwischen zwei Verhandlungen mit der EU gegeben, die "außerordentlich positiv verlaufen sind". Er sei überzeugt davon, dass es bis Ende des Jahres eine Einigung über die Finanzierung geben werde. Wenn dies gelinge, komme die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) auch ohne Überbrückungskredite aus. "Das Geld reicht derzeit bis Januar oder Februar", sagte Staatssekretär Bomba.

Gesellschafter wollen Brüssel offenbar umgehen

Die EU muss in einem aufwendigen Notifizierungsverfahren weitere Finanzhilfen an die Flughafengesellschaft durch ihre staatlichen Eigentümer absegnen. Das stellt eine immens hohe Hürde dar. Offenbar wollen die Gesellschafter die Genehmigung durch Brüssel aber umgehen. Die Bundesregierung lässt einen "Private Investor Test" für den Flughafenbau prüfen.

Dabei geht es nach Informationen von Morgenpost Online darum, ob ein staatlich beherrschtes Unternehmen wie ein marktwirtschaftlich handelnder privater Geldgeber entscheidet. Die Regierung könnte sich dabei auf eine Leitlinie der EU zur Finanzierung von Flughäfen und die Gewährung staatlicher Anlaufbeihilfen für Luftfahrtunternehmen auf Regionalflughäfen vom 9. Dezember 2005 berufen.

Darin heißt es: "Handeln die Mitgliedsstaaten oder Behörden wie ein marktwirtschaftlich orientierter privater Wirtschaftsteilnehmer…, so stellen diese Vorteile keine Beihilfe dar." Das Problem ist Regierungskreisen zufolge allerdings, dass Schönefeld ein Luft-Drehkreuz und kein Regionalflughafen werden soll.

Inzwischen werden die Gesamtkosten für den Hauptstadtflughafen auf 4,4 Milliarden Euro taxiert. Die Gesellschafterversammlung der FBB berät am heutigen Dienstag darüber, wie die nach der Verschiebung der BER-Eröffnung auf Oktober 2013 ermittelten Mehrkosten von 1,2 Milliarden Euro aufgebracht werden können. Auf Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent Anteil entfallen jeweils rund 444 Millionen Euro, auf den Bund mit seinem Anteil von 26 Prozent etwa 312 Millionen Euro.

Schwarz bleibt weiter im Amt

Inzwischen werden die Forderungen nach einer Ablösung von Flughafenchef Schwarz immer lauter. Im Mai war der technische Leiter Manfred Körtgen nach dem geplatzten zweiten Eröffnungstermin am 3. Juni seines Postens enthoben worden.

Schwarz blieb dagegen weiter im Amt. Vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und sein Stellvertreter im Aufsichtsrat, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) wollen selbst nach der dritten Verschiebung der BER-Eröffnung auf den Herbst nächsten Jahres noch an Schwarz festhalten. Er ist zuständig für die derzeitigen Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Der Brandenburger CDU-Verkehrsexperte Rainer Genilke hingegen forderte am Montag erneut: "Schwarz muss seinen Posten dringend räumen." Es sei dem Steuerzahler nicht zuzumuten, dass der Manager neben dem neuen Finanzvorstand weiterbezahlt wird.

Kritik an Wowereit und Platzeck

"Es erschließt sich nicht, warum Schwarz zwar entmachtet, nicht aber entlassen wird", kritisierte am Montag Martin Delius von der Piratenfraktion Berlin. Dass Schwarz die Kontrolle über die Finanzgeschäfte entzogen wird, zeige, dass die finanziellen Nöte der Flughafengesellschaft deutlich größer sind als bisher bekannt.

Der Grünen-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Axel Vogel, griff die Regierungschefs Wowereit und Platzeck an. "Es ist gut, dass der Bund sich mit der Forderung nach einem Finanzvorstand durchgesetzt hat." Schwarz hätten die Finanzen schon längst entzogen werden müssen.

"Wenn erst einmal der Kassensturz erfolgt, werden alle ein blaues Wunder erleben", so Vogel. Der Flughafen habe über unzureichendes Kapital verfügt. Es könne nur jemand die Finanzen steuern, der sich nicht reinwaschen müsse. "Schwarz hätte schon vor längerer Zeit Alarm schlagen müssen", sagte Vogel. "Er muss abgelöst werden, er ist der falsche Mann am falschen Platz."

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
U.S. President Barack Obama and First Lady Michelle wave as they board Air Force One to depart from Berlin
19.06.13Minutenprotokoll
Obama in Berlin – Bye Bye, Mr. President

US-Präsident Barack Obama, Ehefrau Michelle und die Töchter Sasha und Malia haben in Berlin ein eng getaktetes Programm absolviert. Der Tag der Obamas im Minutenprotokoll. mehr...

Dritter Gang  Königsberger Klopse, Rote Bete und Stampfkartoffel
19.06.13Abendessen
Obamas Berliner Menü - die Rezepte zum Nachkochen

Eigentlich hat Zwei-Sterne-Koch Tim Raue ein Faible für Asien – für den Empfang des US-Präsidenten und die Kanzlerin kocht er aber bodenständig. Ein Gericht ist trotzdem sehr aufwendig geraten. mehr...

Obama in Berlin
19.06.13Obama in Berlin
Michelle Obama und ihr Gespür für Mode - eine Stilkritik

Besonders Michelle Obama zieht mit ihrem Outfit die Blicke auf sich. Ihre Töchter Sasha und Malia stehen ihr da in nichts nach. Wir zeigen, wie stylish der Berlin-Ausflug der Präsidentenfamilie ist. mehr...


„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz mit US-Präsident Obama
19.06.13Häme bei Twitter
"Die kleine Angela möchte aus #neuland abgeholt werden"

Mit einer Bemerkung über das Internet zog Kanzlerin Merkel im Netz viel Spott auf sich. In Sekundenschnelle wurde "#Neuland" zum meistdiskutierten Begriff auf Twitter in Deutschland. mehr...

Leser-Kommentare 1 Kommentar
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
Berlin-Besuch Obamas Rede in voller Länge
Berlin-Besuch Absperrungen und Hitze am Brandenburger Tor
Deutschland-Besuch Familie Obama zu Gast in Berlin
Berlin-Besuch Obama von Bundespräsident Gauck empfangen
 
title
Abi 2012

Hier finden Sie eine Übersicht der Abiturienten.mehr

1085783744.jpg
Ausbildung 2013

Ratschläge zur erfolgreichen Gestaltung und zur Berufswahlmehr

Bildschirmfoto 2013-05-07 um 15.39.57.png
Outletcenter

Diese Outletcenter bieten gute Ware zu günstigen Preisen... mehr

Top Bildershows mehr
US-Präsident

Barack Obama und sein Tag in Berlin

Eigenes Programm

First Lady Michelle Obama in Berlin

First Lady

Das ist die Stilikone Michelle Obama

Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote