17.09.12

Kommentar

Die schwierige Suche nach einem BER-Finanzexperten

Als Konsequenz aus dem BER-Debakel wird Rainer Schwarz die Zuständigkeit für die Finanzen entzogen. Der Streit der Gesellschafter hält an.

Foto: dapd

Dem neun technischen Geschäftsführer Horst Amann vertrauen Politiker, Mitarbeiter und Bürger mehr als Flughafenchef Rainer Schwarz (im Bild)
Dem neun technischen Geschäftsführer Horst Amann vertrauen Politiker, Mitarbeiter und Bürger mehr als Flughafenchef Rainer Schwarz (im Bild)

Der Flughafen BER bekommt einen eigenen Finanzvorstand. Die Entscheidung ist richtig und längst überfällig. Es war von Anfang an ein Kardinalfehler, den neuen Hauptstadtflughafen ohne einen ausgewiesenen Finanzexperten bauen zu wollen. Mit nur zwei Geschäftsführern war das Projekt zum Scheitern verurteilt. Nach drei Verschiebungen und voraussichtlich 1,2 Milliarden Euro Zusatzkosten haben das zuerst der Bund, dann auch die Gesellschafter Berlin und Brandenburg erkannt. Hier liegt auch die Verantwortung der Politiker, die den Flughafenbau als Gesellschafter und Mitglieder des Aufsichtsrats begleiten. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck waren offenbar erst von der Notwendigkeit eines Finanzvorstands zu überzeugen, als der Bund damit drohte, sich nicht gebührend an den Mehrkosten für den Bau zu beteiligen.

Vor dem entscheidenden Schritt schrecken die Gesellschafter aber immer noch zurück: Flughafenchef Rainer Schwarz darf weitermachen, wenn auch mit weniger Befugnissen ausgestattet. Glauben schenkt ihm keiner mehr. Dass er an der Spitze des BER bleiben darf, lässt sich mit seiner Leistung ganz gewiss nicht erklären. Anstatt ihn mit einem klaren Schnitt auszutauschen, wird er schrittweise entmachtet.

Suche nach Finanzexperten wird nicht leicht

Erst wurde ihm mit Horst Amann ein neuer technischer Geschäftsführer an die Seite gestellt. Seinem Wort vertrauen Politiker, Mitarbeiter und Bürger jetzt schon mehr als Rainer Schwarz. Nun wird mit dem Finanzvorstand das Management um einen neu geschaffenen Posten erweitert. Rainer Schwarz soll sich dann vorwiegend um den Flugbetrieb in Tegel und Schönefeld kümmern. Dann nimmt ihn endgültig keiner mehr ernst als Sprecher der Geschäftsführung.

Die Anteilseigner sind ganz offensichtlich zutiefst uneins über das weitere Vorgehen am BER. Das wird besonders deutlich in ihrer Personalpolitik. Hier spielt jeder der drei Gesellschafter ein doppeltes Spiel. Das sieht man auch an der Personalie Schwarz. Er dient nur noch als Schmutzfänger für Politiker im Aufsichtsrat, die sich hinter ihm verstecken wollen. Dass ihn der Bund am liebsten sofort los werden will, ist ein offenes Geheimnis. In Berlin und Brandenburg ist man dagegen froh, eigene Verfehlungen zumindest teilweise Rainer Schwarz anlasten zu können. Ihnen allen muss man vorwerfen, die unzureichenden Managementstrukturen am BER viel zu lange mitgetragen zu haben.

Die Suche nach einem Finanzexperten wird nicht leicht sein. Man wird ihn mit einem üppigen Gehalt locken müssen, damit er sich diese Aufgabe antut. An der Stelle dürfen die Gesellschafter allerdings nicht sparen. Denn einen erneuten Fehlgriff können sie sich nicht leisten.

Für den Moment kann man mit der jüngsten Entscheidung für einen neuen Finanzvorstand zufrieden sein. Doch das allein wird nicht reichen, um den BER zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Dafür müssen die Gesellschafter endlich an einem Strang ziehen.

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