Gillamoos
Wenn Berlins Flughafen im bayerischen Bierzelt landet
Beim Gillamoos-Volksfest in Niederbayern gaben sich Berlins Top-Politiker den Maßkrug in die Hand - und schimpften kräftig.
Die Eurokrise hat den mit viel politischer Prominenz besetzen traditionellen Schlagabtausch auf dem traditionellen Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg dominiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warb bei ihrem Gastauftritt bei der Schwesterpartei CSU für eine Stabilitätsunion in Europa. Mit einer Schuldenunion müsse Schluss sein. Merkel lieferte sich bei den zeitgleichen Kundgebungen in mehreren Bierzelten mit insgesamt mehreren Tausend Gästen eine Redeschlacht mit Politikern von SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern. Dabei bekam auch der Großflughafen BER in Berlin sein Fett weg.
Merkel warnte vor einem Stillstand in Deutschland. Wer nach China, Indien, Vietnam, Singapur oder Indonesien fahre, sehe dort die Modernisierung und den Bau neuer Städte, sagte Merkel in Abensberg. "Und bei uns gibt es schon Theater, wenn man eine dritte Landebahn bauen will, einen neuen Bahnhof, oder in Berlin einen Flughafen fertigstellen will."
In anderen Ländern der Welt schliefen die Bürger auch nicht und wollten besser leben, sagte Merkel. "Wenn wir nicht bereit sind, auch etwas zu verändern, wenn wir nicht bereit sind, auf neue technische Möglichkeiten vernünftig zu antworten, wenn wir nicht bereit sind, irgendwie noch unsere Infrastruktur zu erweitern, dann werden wir zurückfallen."
"Deutschland muss mit gutem Beispiel vorangehen"
In Sachen Eurokrise muss Deutschland laut Merkel mit gutem Beispiel vorangehen und auf Reformen in anderen Ländern dringen, "auch wenn man manchmal sagt, wir sind hart". Die Reformprogramme in Griechenland, Spanien und Portugal müssten umgesetzt werden, auch wenn sie anstrengend seien. "Aber wir hatten auch schon manchmal schwierige Situationen", sagte die Kanzlerin vor mehr als 3.000 Besuchern im Hofbräufestzelt.
Bei der SPD stieß die Eurokrisenpolitik von CDU und CSU auf scharfe Kritik. Die Union spiele nur noch auf der "Klaviatur von Ressentiments und Vorurteilen", sagte der designierte SPD-Spitzenkandidat für die bayerische Landtagswahl im kommenden Jahr, der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude. Dem CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt warf Ude in der Eurodebatte "skrupellose Vereinfachung" vor. Dobrindt hatte jüngst mit der Äußerung, dass er Griechenland 2013 außerhalb der Eurozone sehe, für Unmut auch in den eigenen Reihen gesorgt.
Trittin fordert Soldarität mit angeschlagenen EU-Staaten
Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, sprach sich für Solidarität mit finanziell angeschlagenen EU-Staaten aus. "Wir müssen damit aufhören, unsere europäischen Nachbarn zu beleidigen", sagte Trittin. Es sei jetzt wichtig zusammenzuarbeiten. Ein gemeinsames Europa sei die Grundlage für Frieden. Die müsse verteidigt und erhalten werden, betonte Trittin.
Der Vorsitzende der FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, warb für den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. "Wir leben in einem gemeinsamen europäischen Haus. Wenn der Dachstuhl brennt, kann man im Erdgeschoss nicht sagen, es geht uns nichts an", sagte Kubicki. "Wir haben die Verpflichtung, den Menschen eine Perspektive zu geben, auch wenn die Regierungen in der Vergangenheit versagt haben". Kubicki betonte, der Fehler sei gewesen, Griechenland überhaupt in die Eurozone aufzunehmen. "Mit dem müssen wir jetzt umgehen".
Ganz anderer Ansicht sind da die Freien Wähler. Ihr Chef Hubert Aiwanger bekräftigte seine Forderung nach einem Austritt Griechenlands. "Krisenländer, die wegen fehlender Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Eurozone nicht zu halten sind, müssen wir in ihrem eigenen Interesse aus den Zwängen der Eurozone heraushelfen und ihnen einen Neuanfang mit eigener Währung ermöglichen", sagte Aiwanger.


















