03.08.12

Großflughafen

Berliner berichten von Flugrouten-Abkürzungen

Anwohner wollen vermehrt Flüge über Berlin beobachten, die so nicht vorgesehen sind. Bundesverkehrsminister Ramsauer hat sich eingeschaltet.

Foto: berlin-airport.de

Am 3. Juni 2012 sollte der Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt in Schönefeld eröffnet werden. Dieser Termin ist wegen Problemen beim Brandschutz nicht zu halten. Der Airport sollte dann am 17. März 2013 an den Start gehen. Jetzt wird es wohl Oktober 2013.

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Im Streit um die Flugrouten am neuen Hauptstadtflughafen BER prüft das Bundesverkehrsministerium, ob Flugzeuge verbotenerweise ihre Strecke über Berlin abkürzen. "Wir haben von Anwohnern entsprechende Hinweise bekommen", sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag und bestätigte einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sei um eine Stellungnahme gebeten worden. "Wir wollen wissen, welche Gründe es für das Verhalten gibt."

Aus Sicht von Minister Peter Ramsauer (CSU) befürchten die Anwohner zu Recht, dass die aktuell geflogenen Routen bereits eine Festlegung für den künftigen Standort sein könnten und so eine Lärmgewöhnung erreicht werden solle.

Eine DFS-Sprecherin wies dies zurück: Ausschlaggebend für eine Abweichung von den vorgegebenen Routen sei die Sicherheit. Laut Bundesverkehrsministerium lassen sich anhand von DFS-Daten jedoch zahlreiche Flugmanöver belegen, die zum Teil stark von den künftigen Flugrouten des Flughafens Berlin Brandenburg (BER) abweichen. So seien frühe Freigaben für Passagiermaschinen bei 1000 bis 2000 Fuß zu beobachten – also deutlich unter dem Richtwert von 5000 Fuß. Allein am 28. Juli 2012 seien drei Maschinen frühzeitig vom Kurs abgewichen und hätten in extrem niedriger Höhe Berlin überflogen.

Die DFS begründete die Abweichungen mit der Wetterlage. Bei den fraglichen Flügen hätten Anfragen von Piloten vorgelegen, die Gewitterwolken vor sich gesehen hätten, sagte die Sprecherin. An Bord lägen Wetter-Radar-Daten vor, die aktueller seien, als die am Boden. "Wenn ein Pilot um eine Abweichung bittet, dann sehen wir zu, dass wir ihm entgegenkommen", so die Sprecherin. "Wenn es um die Sicherheit geht, können wir nicht diskutieren."

Mutmaßungen, Lotsen würden auf Kundenwünsche eingehen, wies die DFS zurück. "Uns ist derartiges nicht bekannt und wir unterstellen dies auch nicht", sagte die Sprecherin. "Man kann ja auch im Straßenverkehr nicht davon ausgehen, dass jeder Autofahrer betrunken fährt."

Die Pannenserie des Berliner Flughafens

Dezember 1991: Gründung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF). Gesellschafter sind die Länder Berlin und Brandenburg.

Januar 1992: Beginn der Planungen für den Flughafen mit dem Projektnamen Berlin Brandenburg International, BBI.

Juni 1996: Die Gesellschafter entscheiden sich für den Ausbau des Flughafens Schönefeld und die Schließung der Flughäfen Tegel und Tempelhof.

August 2004: Zum Abschluss des Genehmigungsverfahrens gibt der Planfeststellungsbeschluss grünes Licht: Der BBI darf unter Auflagen gebaut werden. Im Oktober reichen tausende Gegner beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig Klagen ein.

April 2005: Das Gericht gibt Eilanträgen mehrerer Anwohner statt und verhängt einen weitgehenden Baustopp bis zu seiner endgültigen Entscheidung. Zulässig sind nur Bauvorbereitungen.

März 2006: Das Gericht genehmigt in letzter Instanz den Bau des BBI unter verschärften Lärmschutzauflagen.

Juli 2008: Erster Spatenstich für das Flughafen-Terminal.

Oktober 2008: Nach 85 Jahren schließt der Flughafen Tempelhof.

Oktober 2009: Das Brandenburger Verkehrsministerium erlässt eine neue Nachtflugregelung: Keine Starts und Landungen von Mitternacht bis 5.00 Uhr, Ausnahme Post- und Regierungsmaschinen, Notfälle. In den Randzeiten davor und danach ist die Zahl begrenzt.

Juni 2010: Wegen der Pleite einer Planungsfirma und verschärften Sicherheitsbestimmungen wird die für November 2011 geplante Eröffnung des Flughafens auf den 3. Juni 2012 verschoben.

September 2010: Die Deutsche Flugsicherung legt einen ersten Flugrouten-Vorschlag vor. Tausende Betroffene gehen dagegen auf die Straße. Es gibt neue Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss.

Oktober 2011: Das Bundesverwaltungsgericht gibt grünes Licht für nächtliche Flüge in den Randzeiten. Der Airport kann ohne weitere Einschränkungen an den Start gehen.

Januar 2012: Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung legt die Flugrouten fest und folgt im wesentlichen einem Vorschlag der Fluglärmkommission aus Gemeinde- und Airline-Vertretern. Am Müggelsee geht der Protest weiter. Initiativen kündigen weitere Klagen an.

Mai 2012: Vier Wochen vor dem Termin wird wegen Problemen die Eröffnung des Flughafens wieder abgesagt. In der darauffolgenden Woche verschiebt der Aufsichtsrat die Eröffnung auf den 17. März 2013. Chef-Planer Manfred Körtgen wird entlassen.

Quelle: dpa/sei
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