BER-Desaster

Großflughafen will sich 80 Millionen Euro erstreiten

Foto: DAPD

Der Berliner Großflughafen braucht Geld - und verklagt die Planungsgemeinschaft. Die Eröffnung soll schon im Jahr 2010 gewackelt haben.

Nach dem geplatzten Eröffnungstermin für den künftigen Hauptstadtflughafen BER hat die Flughafengesellschaft FBB gegen die inzwischen gekündigte Planergemeinschaft PG BBI Klage eingereicht.

Der Vorwurf: Durch fehlerhafte Planungsarbeiten sei insgesamt ein Schaden von 80 Millionen Euro verursacht worden. Das geht aus der Klageschrift hervor, die die FBB bereits Mitte Juni beim Landgericht Potsdam vorgelegt hat. Der Brandschutz gehöre zu dem Sicherheitstechnikkonzept, das laut Klageschrift "unnötig komplex", unter "rein optischen Gesichtspunkten" geplant worden sei und sich bei der Umsetzung "als kaum beherrschbar" erwiesen habe.

Erste Verschiebung bereits wegen Planungsfehlern

Die FBB wollte dazu am Sonntag keine Stellung nehmen: "Das ist ein laufendes Verfahren, dazu äußern wir uns nicht", so Flughafensprecher Ralf Kunkel. Kunkel bestätigte lediglich, dass bereits "Mitte Juni Feststellungsklage beim Landgericht Potsdam eingereicht" wurde.

Damit will sich die Flughafengesellschaft Schadenersatzansprüche sichern. Es geht darum, vor Gericht den Verantwortlichen für das Desaster zu benennen. Laut der Klageschrift, die nach Angaben des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" samt Anlagen mehr als 1000 Seiten umfasst, war bereits die erste Verschiebung der Flughafeneröffnung im Juni 2010 auf angeblich erhebliche Planungsfehler zurückzuführen: "Die Verschiebung des Fertigstellungstermins war in jedem Fall wegen der Planungsrückstände der Ausführungsplanung für die technischen Gebäudeanlagen erforderlich."

Die Dokumente ließen zudem erkennen, dass bereits Ende des Jahres 2010 der Bau der Anlagen elf Monate im Verzug und so der damals avisierte Eröffnungstermin Anfang Juni 2012 nicht zu schaffen war, berichtete der "Spiegel" weiter. Auch dafür seien laut Klageschrift die Planer verantwortlich: Bauunternehmen hätten Fristen nicht einhalten können, weil Zeichnungen und Berechnungen fehlerhaft gewesen seien.

Anwohner sehen sich bei Flugrouten getäuscht

Deshalb habe die Flughafengesellschaft, wie es laut Magazin in der Klageschrift heißt, damals auch eine Kündigung des Vertrags mit der PG BBI erwogen, aber letztlich "im Rahmen eines schwierigen Abwägungsgrundprozesses" verworfen.

Weder die Flughafengesellschaft noch die Mitglieder der Planungsgemeinschaft äußerten sich zu den Vorwürfen. Zu letzterer gehört die gmp Generalplanungsgesellschaft, also das Büro des Star-Architekten Meinhard von Gerkan, sowie das für die kaufmännische Seite zuständige Frankfurter Architekturbüro JSK. Nur 27 Tage vor der geplanten Eröffnung am 3. Juni dieses Jahres hatte die Flughafengesellschaft bekannt gegeben, dass der Termin nicht zu halten ist.

Erst am 23. Mai dieses Jahres hatte die FBB die Notbremse gezogen und mit sofortiger Wirkung die Vertragsverhältnisse mit der PG BBI gekündigt und die Bauüberwachung selbst übernommen. Bei der für den 16. August anberaumten Sitzung des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft soll nun entschieden werden, ob der neue Eröffnungstermin am 17. März 2013 zu halten ist. Luftfahrtexperten haben bereits Zweifel daran geäußert.

Nicht nur das Potsdamer Landgericht, auch das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wird sich weiter mit dem Flughafen beschäftigen müssen. Am Dienstag wird das Urteil erwartet. Anwohner und Anrainer-Gemeinden des BER hatten ein neues Genehmigungsverfahren verlangt, weil sie sich beim Thema Flugrouten getäuscht sehen.

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