20.05.12

Hauptstadtflughafen

Experte hält BER-Eröffnung im März 2013 für unrealistisch

Laut Dieter Faulenbach da Costa, der bereits 44 Terminals geplant hat, reicht die Zeit für den Probebetrieb am BER in Schönefeld nicht aus.

Quelle: Reuters
17.05.12 2:37 min.
Debakel um den neuen Berliner Großflughafen: Die Eröffnung des größten ostdeutschen Infrastrukturprojekts verzögert sich um ein Dreivierteljahr und damit weit länger als die angekündigten zwei Monate.

Nur vier Tage nach Bekanntgabe werden erhebliche Zweifel am neuen Zeitplan für die Inbetriebnahme des BER in Schönefeld laut. "Ich halte den neuen Eröffnungstermin für den Flughafen für sehr zweifelhaft und unrealistisch bei dem Chaos, das da herrscht", sagte Dieter Faulenbach da Costa. Der Flughafenplaner aus Offenbach begründet seine Zweifel zum einen mit der erfolgten Ablösung des Technik-Geschäftsführers Manfred Körtgen, der in der Flughafen-Spitze zuständig für das BER-Projekt war. "Jetzt braucht es jemand, der das Heft in die Hand nimmt und sich auskennt. Ein Neuer muss sich da erst einarbeiten", sagte Faulenbach. Körtgen wird von Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) dafür verantwortlich gemacht, dass er die Fertigstellungsprobleme nicht rechtzeitig signalisiert habe.

Für Faulenbach reicht eingeplante Zeit für Probebetrieb nicht aus

Für Flughafen-Experten Faulenbach reicht zudem die eingeplante Zeit für den Probebetrieb nicht aus: "Die wesentlichen Tests sind nicht auf einer Baustelle machbar." Nach Ansicht des Experten, der nach eigenen Angaben an den Planungen von 44 Passagierterminals auf der ganzen Welt beteiligt war, ist die Baustelle personell völlig überbesetzt. "Dort arbeiten viel zu viele Menschen, nur um den Termin zu halten." Zum BER-Projekt insgesamt sagte er: "Der Flughafen kommt zu spät, ist zu klein, zu teuer und am falschen Standort."

Nach dem nun geänderten Terminplan soll im Flughafen-Terminal bis Mitte Dezember das vollautomatische Brandmelde- und Feuerlöschsystem installiert sein. Anschließend sind die Wirk-Prüfungen durch unabhängige TÜV-Sachverständige sowie die Abnahmen durch die Baubehörden geplant. Erst danach, also voraussichtlich im Februar, sollen Funktionstests mit Tausenden Komparsen im Flughafengebäude erfolgen. Die Eröffnung des BER ist nun für den 17. März 2013 vorgesehen.

Nach diesem Zeitplan würden nur etwa sechs Wochen – und nicht die von Faulenbach als notwendig erachteten sechs Monate – für Praxistests zur Verfügung stehen. Flughafen-Chef Rainer Schwarz verweist indes darauf, dass bereits seit November 2011 Abläufe im Terminal mit und ohne Komparsen getestet wurden. "Wir fangen ja nicht bei null an", sagte er gegenüber Morgenpost Online.

Kritiker des Neubaus BER, die immer noch dem geschlossenen Flughafen Tempelhof nachtrauern und die Schließung von Tegel verhindern wollen, verweisen auf Erfahrungen beim Bau anderer Flughäfen. So habe in München der Bau des neuen Airports im August 1987 begonnen, im Mai 1992 sei er in Betrieb gegangen. Auch ein anderer Kenner der Materie vergleicht den BER-Bau mit München. Die nun in Berlin fehlenden Monate für den Bau habe man in München von vornherein vorgesehen. Die Anforderungen an einen Flughafen seien mittlerweile ungleich komplizierter, wie die BER-Probleme mit dem Brandschutz zeigen würden.

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