Es klingt ziemlich technisch, nach Einzelheiten, die nur Ingenieure verstehen. Manfred Körtgen, Chefplaner des neuen Berliner Flughafens, spricht von der Steuerung der Brandschutztechnik, die noch nicht wie gewünscht funktioniere. Genauer gesagt, soll es um die riesige Belüftungsanlage gehen, die bei einem Feuer den Rauch schnell absaugen soll. Wenn diese Anlage keine technische Abnahme durch den TÜV bekommt, kann der Flughafen den Betrieb nicht aufnehmen.

Es gibt erste Anzeichen, dass die Probleme sich schon länger abzeichneten. Nach Informationen von Morgenpost Online haben beteiligte Baufirmen bereits seit einiger Zeit darauf hingewiesen. Konkret geht es um Folgendes: Wesentlicher Teil der Belüftungsanlage sind Aggregate, die die Luft umwälzen. Normalerweise werden diese Bestandteile bereits mit TÜV-Zertifikat ausgeliefert und dann in die Anlage eingebaut.

Beim BER wurde das nicht gemacht. Offenbar wurden wesentliche Teile der Anlage maßgefertigt und dann ohne TÜV-Stempel eingebaut. Man beruhigte sich angeblich damit, dass die notwendigen Genehmigungen im Rahmen der Gesamtabnahme zustande kämen. Wie es aussieht, hat dieses Prozedere nun alles verkompliziert – und ist möglicherweise für die Verschiebung verantwortlich. Ganz grundsätzlich gilt: Brandschutz ist eine äußerst komplexe Aufgabe beim Bau. Zahlreiche Firmen, die in Schönefeld arbeiten, müssen das beachten –ein Mammutprojekt. Entworfen hat das Brandschutzkonzept das Berliner Ingenieurbüro hhpberlin. Direkt mit dem Bau der Anlage waren unter anderen Bosch und Siemens befasst.

Der Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, hatte am Dienstag erklärt, ihm seien die Mängel beim Brandschutz erst am vergangenen Freitag mitgeteilt worden seien. Zugleich räumte er ein, dass es in der Vergangenheit eine Reihe von technischen Problemen gegeben habe.

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Allerdings war die Brandschutz-Probleme nicht die einzigen. Zur verschobenen Eröffnung wurden neue Details über mögliche Ursachen bekannt. Nach Zeitungsberichten gehen die Gründe für die Terminpanne über eine Verzögerung bei der Brandschutzprüfung hinaus. So habe der Landkreis Dahme-Spreewald als zuständige Genehmigungsbehörde die Inbetriebnahme des Großflughafens in Schönefeld verweigert, berichten die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“.

Laut der „Bild“-Zeitung war auch eine Sondergenehmigung für die Nutzung der automatischen Brandschutzanlagen abgelehnt worden. Der Landkreis hätte der Flughafengesellschaft bis zum 21. Mai Zeit gegeben, die erforderlichen Nachbesserungen vorzunehmen. Der Flughafenbetreiber wollte laut „PNN“ etwa die Brandschutztüren durch 700 befristet eingestellte Mitarbeiter von Hand bedienen lassen, was der Landkreis nicht genehmigen wollte.

Die Flughafengesellschaft hatte noch vor wenigen Wochen erklärt, der Eröffnungstermin werde gehalten. Überraschend war dann am Dienstag mitgeteilt worden, der Flughafen könne nicht wie geplant am 3. Juni in Betrieb gehen, weil die Abnahme für die Brandschutzanlage fehle. Demnach funktioniere die Steuerung der Anlage noch nicht einwandfrei. Es ist bereits die zweite Verschiebung des Eröffnungstermins, der ursprünglich zum 30. Oktober 2011 vorgesehen war.

Auch andere Mängel verhinderten offenbar eine rechtzeitige Inbetriebnahme. So soll die Gepäckabfertigung den Berichten zufolge nicht reibungslos funktionieren. Zudem sollten für die Anfangsphase des Betriebs Notterminals eingerichtet werden, weil die Abfertigungskapazität nicht ausreichte.

Welche Auswirkungen die Verschiebung auf die Gesamtkosten des Flughafens haben wird, ist noch unklar. Offen ist auch die Frage, wie viele der geplanten Flüge während der nunmehr vermutlich bis August dauernden Übergangsphase von Tegel und Schönefeld zusätzlich starten können.

„Wir gehen davon aus, dass wir Anfang der kommenden Woche Klarheit darüber haben werden“, sagte Flughafenchef Rainer Schwarz am Mittwoch auf einer Tourismus-Tagung in Berlin. Einen Rücktritt lehnte er erneut ab. Schwarz sagte, die Eröffnung des Flughafens in Schönefeld sei ausschließlich wegen des noch nicht funktionstüchtigen Brandschutzes verschoben worden – und nicht auch wegen anderer Probleme, die beim Probebetrieb aufgetaucht wären.

Einen Rücktritt wegen der erneuten, möglicherweise monatelangen Verzögerung lehnte er erneut ab. Schwarz sagte, der seit November laufende Probebetrieb habe eine Reihe von Problemen zutage gebracht, die aber mit „operativen Maßnahmen“ hätten bewältigt werden können. „Wenn etwa die Technologie der Türöffnung nicht funktioniert, kann man die Türen auch manuell öffnen lassen.“

Bei der Brandschutzanlage habe das Zusammenspiel der verschiedenen Komponenten nicht einwandfrei funktioniert.

hev/dpa/sei