Die Nobelgeschäfte an Kudamm und Tauentzien scheinen Räuber und Einbrecher magisch anzuziehen. Am Sonnabend traf es wieder einmal das KaDeWe, und erneut hatten es die Täter auf wertvollen Schmuck abgesehen. Am Tauentzien herrschte am frühen Vormittag noch kaum Betrieb, als Unbekannte in das Nobelkaufhaus eindrangen, mehrere Vitrinen in den Schmuckabteilungen im Erdgeschoss zerschlugen und unerkannt mit ihrer Beute in bislang unbekannter Höhe verschwanden.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Einbruch bemerkten Anwohner der Wendlandzeile in Schöneberg einen in Flammen stehenden Mercedes. Die Polizei geht davon aus, dass der Wagen den Einbrechern als Fluchtfahrzeug diente und von den Tätern selbst in Brand gesetzt wurde. Die Ermittlungen hat zunächst die Kriminalpolizei der Direktion 2 übernommen. Sollten sich Hinweise auf ein Bandendelikt oder eine Tat im Bereich der Organisierten Kriminalität (OK) erhärten, werde ein Fachkommissariat des Landeskriminalamtes den Fall übernehmen, teilte die Polizei mit.

Einbruch im KaDeWe - Täter entkommen mit Beute

In ein Juweliergeschäft im Erdgeschoss des Luxus-Kaufhauses KaDeWe ist am Sonnabendmorgen eingebrochen worden.
In ein Juweliergeschäft im Erdgeschoss des Luxus-Kaufhauses KaDeWe ist am Sonnabendmorgen eingebrochen worden.© Reto Klar

Die Täter drangen laut Polizei noch vor Geschäftsöffnung, gegen 7 Uhr, in das Geschäft ein.
Die Täter drangen laut Polizei noch vor Geschäftsöffnung, gegen 7 Uhr, in das Geschäft ein. © Reto Klar
Sie zerschlugen mehrere Vitrinen und konnten anschließend mit ihrer Beute entkommen.
Sie zerschlugen mehrere Vitrinen und konnten anschließend mit ihrer Beute entkommen. © Reto Klar
Die Berliner Polizei war am Sonnabendvormittag mit einem großen Aufgebot vor Ort und sicherte Spuren.
Die Berliner Polizei war am Sonnabendvormittag mit einem großen Aufgebot vor Ort und sicherte Spuren. © Reto Klar
Um was für Beute es sich handelt, war laut einer Polizeisprecherin zunächst unklar.
Um was für Beute es sich handelt, war laut einer Polizeisprecherin zunächst unklar.© Max Boenke
Der "Shop im Shop"-Bereich im Erdgeschoss des KaDeWe ist abgesperrt.
Der "Shop im Shop"-Bereich im Erdgeschoss des KaDeWe ist abgesperrt.© Reto Klar
Blick von oben auf den Tatort.
Blick von oben auf den Tatort.© Reto Klar
Mitarbeiter der Spurensicherung  untersuchen  die Tür eines Seiteneingangs.
Mitarbeiter der Spurensicherung untersuchen die Tür eines Seiteneingangs.© dpa | Gregor Fischer

Die Täter hätten sich nach ersten Erkenntnissen gegen sieben Uhr früh Zugang zum Gebäude verschafft, sagte eine Polizeisprecherin am Sonnabend. Abgesehen hatten sie es offenbar auf die Vitrin­en mehrerer Geschäfte, die quasi als Untermieter des KaDeWe im Erdgeschoss hochwertige Ware anbieten. An diesem so genannten Shop-in-Shop- System ist auch der Juwelier Christ beteiligt, der bereits im Dezember 2014 Ziel eines spektakulären Raubüberfalls während des laufenden Geschäftsbetriebes wurde. Damals wurden durch Reizgasattacken der skrupellosen Täter 15 Menschen verletzt. Informationen, auch die Einbrecher vom Sonnabend hätten sich bei Christ bedient, bestätigte die Polizei zunächst nicht.

Blick von oben auf den abgesperrten Tatort
Blick von oben auf den abgesperrten Tatort© Reto Klar

Unmittelbar nach der Alarmierung der Polizei eilten mehrere Streifenwagenbesatzungen zum KaDeWe, eine Stunde später war ein Großaufgebot vor Ort. Sämtliche Eingänge des KaDeWe wurden ebenso abgesperrt wie Bereiche der Gehwege vor dem Kaufhaus am Tauentzien und der Ansbacher Straße. Seit dem späten Vormittag konzentrierten sich die Untersuchungen dann vor allem auf den Eingang Ansbacher Straße, durch den die Täter nach ersten Erkenntnissen in das Gebäude gelangten, vermutlich mit Hilfe eines Bolzenschneiders, mit dem sie ein Rollgitter offneten.

Dass das KaDeWe zum wiederholten Mal Schauplatz eines Verbrechens geworden war, merkten auch die Kunden, die pünktlich zur normalen Öffnungszeit um 10.30 Uhr am Gebäude erschienen: Sie standen zunächst vor verschlossenen Türen. Die Öffnung wurde verschoben und als die Kundschaft am späten Vormittag endlich ins Gebäude durfte, blieben ganze Bereiche des Erdgeschosses abgesperrt. Die zerstörten Vitrinen waren verhängt und im abgesperrten Bereichen sicherten Kriminaltechniker Spuren. Ihre Arbeit dauerte bis zum Nachmittag. Unklar ist, ob es Aufnahmen aus den Überwachungskameras gibt und ob die Kameras bereits eingeschaltet waren.

Die Mitarbeiter des Kaufhauses, die am Vormittag nach und nach zum Dienst erschienen, brachte die Polizei zunächst im Foyer eines nahe gelegenen Hotels unter. Andere Mitarbeiter, die sich bereits im Kaufhaus befanden, unter anderem die Reinigungskräfte, wurden bereits von den Ermittlern des Fachkommissariats befragt.

Bei den Ermittlungen gehen die Beamten unter anderem der Frage nach, wie die elektronische Sicherung des Gebäudes geschaltet war, nachdem bereits Mitarbeiter das Gebäude betreten hatten. „Routinemäßig“, wie ein Beamter betonte, wird nach einschlägigen Erfahrungen bei früheren Einbrüchen in Schmuck- und Uhrengeschäfte geprüft, ob die Täter womöglich Hilfe von Insidern oder Tippgebern hatten.

Weder die Polizei noch das betroffene Unternehmen machten am Sonnabend Angaben zur Höhe des Schadens. Nach Information der Berliner Morgenpost ist zudem noch unklar, was sich zum Tatzeitpunkt in den Vitrinen befand. Juweliere versehen ihre Schaufenster gewöhnlich mit einer Nachtdekoration aus Imitaten, die wertvollen Stücke landen im Tresor. Ob dies auch für die Auslagen im Inneren von Geschäften gilt, blieb nach der Tat am Sonnabend zunächst unklar.

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Blitz-Überfall auf Juwelier am Kudamm in Berlin

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    Millionenbeute bei drei Einbrüchen in fünf Monaten

    Im Bereich Kurfürstendamm/Tauentzienstraße sind Nobelgeschäfte immer wieder Ziel von Einbrüchen und Raubüberfällen. 2016 gab es drei Einbrüche innerhalb von fünf Monaten. Am 31. Oktober brachen Unbekannte in das Kaufhaus Karstadt ein. Sie zerstörten in kürzester Zeit mehrere Vitrinen und stahlen Schmuck.

    Am 6. Juni brachen vier Maskierte dann in ein Luxusuhrengeschäft am Kudamm ein und entwendeten Uhren im Wert von acht Millionen Euro. Ein inzwischen verurteilter Mitarbeiter des Geschäftes hatte den Tätern Tipps gegeben und für sie den Tresor offen gelassen. Am 28. Mai brachen drei Maskierte in ein anderes Geschäft für Luxusuhren, ebenfalls am Kudamm ein. Sie benutzten ein Auto als Rammbock und stahlen Uhren im Wert von einigen Hunderttausend Euro.

    Zu dem aktuellen Fall vom Sonnabend nimmt die Kriminalpolizei Hinweise unter der Telefonnummer 030-4664 471 012 entgegen.