Lärmschutz

Lichtenrader demonstrieren für Tunnel am S-Bahnhof

Fernzüge sollen den Bahnhof Lichtenrade künftig ebenerdig passieren. Anwohner befürchten jedoch eine massive Lärmbelästigung und eine Teilung des Bezirks. Sie fordern eine Tunnel-Variante.

Foto: Bürgerforum Zukunft Lichtenrade, Illustration/Visualisierung Grafikmaschine

Die Ausbaupläne für die Dresdner Bahn bringen die Lichtenrader am Donnerstag auf die Straße. Sie sind verärgert. Die letzte Demonstration, mit der sie sich für eine Tunnellösung am S-Bahnhof stark machten, ist genau sieben Jahre her. Doch getan hat sich bislang nicht viel. Noch immer liegt das Planfeststellungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt – mit der von der Deutschen Bahn beantragten Variante, dass die Fernzüge den Bahnhof Lichtenrade ebenerdig passieren.

Der Auto-, Rad-, Bus- und Fußgängerverkehr würde bei dieser Variante unter der Bahntrasse hindurchgeführt. Eine "menschenfeindliche Bauform", an die Bahn und Bund nicht länger festhalten sollten, kritisiert die Bürgerinitiative Lichtenrade Dresdner Bahn. Wegen ihres Lärms gehörten die Züge in einen Tunnel. Sonst würde der Westteil Lichtenrades durch die meterhohen Schallschutzwände vom Rest abgeschnitten, der Einzelhandel nehme Schaden, und die Wege der Kinder zur Schule seien ohne Begleitung nicht zu verantworten.

Protestmarsch mit Trompeten

Die Bürgerinitiative hat die Anwohner deshalb für den heutigen Donnerstag zu einer Demonstration durch die Bahnhofstraße zum Bahnhof aufgerufen. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr an der Einmündung Goltzstraße. Den gemeinsamen Protestmarsch werden acht Trompeter der Reinickendorfer Musikschule anführen. Sie spielen zum Auftakt eine klassische Fanfare. Am Bahnhof sprechen dann Vertreter der Bürgerinitiative sowie Politiker von CDU, SPD, Grüne und FDP. Auch Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung wird erwartet.

Manfred Beck, Vorsitzender der Bürgerinitiative, kämpft bereits seit 15 Jahren gegen die Pläne der Bahn für eine ebenerdige Strecke durch Lichtenrade. Für ihn steht fest: "Es kommen immer mehr und bessere Urteile, die uns als Bürger beim Lärmschutz in solchen Fällen Recht geben, da sollten wir in Berlin nicht schlechter gestellt sein. Diese Bausünde würden die Lichtenrader die nächsten 100 Jahre ertragen müssen." Der Schutz der Menschen müsse an erster Stelle stehen, fordern er und seine Mitstreiter.

Fahrtzeit der Fernzüge soll sich verringern

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bearbeitet für den Bau der sogenannten Dresdner Bahn drei Planfeststellungsabschnitte. Das Verfahren für den ersten Abschnitt (Attilastraße–Schichauweg) ist nach Auskunft des EBA abgeschlossen, die Bahn arbeite nur noch an ergänzenden Unterlagen. Beim zweiten Abschnitt (Schichauweg–Landesgrenze mit dem Ortsteil Lichtenrade) dauert die Bearbeitung noch an. Die Bahn habe noch nicht alle für die Entscheidung angeforderten Unterlagen vorgelegt. Für den dritten Streckenabschnitt, der in der brandenburgischen Gemeinde Blankenfelde-Mahlow liegt, wurden im April vollständig neue Planfeststellungsunterlagen vorgelegt, die nun geprüft werden.

Die Dresdner Bahn soll nicht nur für eine schnelle Verbindung vom Hauptbahnhof zum Flughafen BER sorgen. Zugleich soll sich Fahrzeit der Fernzüge von Berlin nach Dresden, Prag, Wien und Budapest spürbar verringern. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung unterstützt die Tunnelvariante für Lichtenrade, auch im Koalitionsvertrag ist diese Forderung enthalten. Es könne aber nicht sein, dass sich der Bund für die Trasse vom Land Geld erhoffe, sagte Daniela Augenstein, Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). "Berlin setzt sich im Planfeststellungsverfahren für eine Tunnellösung ein. Es ist klar, dass sie kommen muss. Und wenn sie festgestellt wird, muss der Bund sie auch bezahlen", so Augenstein.

"Problem nicht aussitzen"

Doch die Lichtenrader sorgen sich, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Außerdem habe der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) der Bürgerinitiative in zwei Briefen bereits versichert, dass sich Berlin anteilig an den Kosten beteiligen werde. Erst im November vorigen Jahres schrieb er, das Land werde sich "in erheblichem finanziellen Umfang an einer Tunnellösung" beteiligen. Deshalb fordern die Lichtenrader Bahnchef Rüdiger Grube, Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Klaus Wowereit auf, sich "endlich mal zusammenzusetzen", um eine einvernehmliche Lösung bei der Finanzierung der Mehrkosten für den Tunnel zu besprechen.

"Wir bezahlen auch den Kaffee und die Kekse. Es muss doch endlich vorwärts gehen, sonst haben wir den Eindruck, dass das Problem nur ausgesessen wird", sagte Beck. Der Protestmarsch wird unterstützt von vielen Initiativen, darunter auch vom "Bürgerforum Zukunft Lichtenrade". Es sorgt sich ebenfalls um die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung des Ortsteils, sollten die Pläne der Bahn realisiert werden. "Alle Vorschläge sollten geprüft werden, auch die einer kleinen Tunnellösung", sagt der Vorsitzende des Bürgerforums, Georg Wagener-Lohse. Unterstützung finden die Lichtenrader auch bei Politikern wie Renate Künast (Grüne) und Jan-Marco Luczak (CDU), die sich für die Lichtenrader und ihre Tunnelforderung bei Bund und Land einsetzen.

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