Um 8 Uhr sollen am Montag die Motorsägen kommen. Doch alle, die den Park an der Lankwitzer Leonorenstraße retten wollen, kämpfen bis zur letzten Sekunde. Am Wochenende haben Bezirkspolitiker, Bürgerinitiativen und Privatpersonen alles unternommen, um die Fällung von 200 Bäumen zu verhindern. Sie haben einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geschickt, Schreiben an die Bundesumweltministerin und die Jüdische Gemeinde sowie an die Senatorinnen Katrin Lompscher (Linke) und Regine Günther (Grüne). Beim Verwaltungsgericht liegt ein Eilantrag zur Prüfung des Bauvorhabens vor. Darüber ist noch nicht entschieden
Die Fällungen der Bäume, von denen 50 in einem 1907 angelegten Park stehen, kann der Eilantrag nicht verhindern, lediglich einen Baustopp erreichen. Auf der gerodeten Fläche ist der Bau von Unterkünften für 450 Flüchtlinge geplant. Die Gegner der Baumfällungen befürworten die Flüchtlingsbauten. Sie hoffen auf einen Kompromiss. Neben dem Park gibt es eine Brache, mit zwei leer stehenden Häusern, die verfallen. Diese Gebäude sollten ihrer Ansicht nach für die Flüchtlinge umgebaut oder durch Neubauten ersetzt werden.
Nicht beides gegeneinander ausspielen
„Bäume sind wichtig, eine menschenwürdige Unterkunft für Flüchtlinge ist auch wichtig“, sagt Günther Schulze vom Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf. Man dürfe beides aber nicht gegeneinander ausspielen. Er begrüße den eingeschlagenen Rechtsweg, der hoffentlich noch einmal zur einer Prüfung von Alternativen führe.
Fast alle, die sich an verantwortliche Politiker gewandt haben, fordern, die gerichtliche Prüfung abzuwarten, bevor mit den Fällarbeiten begonnen wird. In die Debatte hat sich ebenfalls der ehemalige Polizeipräsident Georg Schertz eingeschaltet, der auf Schwanenwerder wohnt. „Geradezu frevelhaft“ findet er den Verlust des Parks. Schertz hat sich mit dem Gartenhistoriker Klaus-Henning von Krosigk in Verbindung gesetzt. „Wenn die Senatorin Katrin Lompscher am Montag wirklich roden lässt, kann das Urteil nur sein, dass ihr offenbar jegliches politisches Gespür fehlt, was hier in der Luft liegt“, sagt Schertz.
Bewahrung eines Gedenk- und Erinnerungsortes
Sabine Lehmann-Brauns, CDU-Bezirksverordnete in Steglitz-Zehlendorf, geht es vor allem „um die Bewahrung des 1890 gegründeten Berolinums als Gedenk- und Erinnerungsort“. Gegründet wurde die Heil- und Pflegestätte von James Fraenkel, Sohn des Rabbiners Daniel Fraenkel. Er hat auch den Park angelegt. Eine Gedenktafel an der Leonorenstraße erinnert an den Sanitätsrat, der seit 1935 auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben ist. Lehmann-Brauns setzt auf Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie solle sich „des sensiblen Themas des Bewahrens und Fortschreibens von Lebenswirklichkeit“ annehmen. Die Vorstellung, nach der Zerstörung des Vermächtnisses von Fraenkel im Original eine künstliche Stele aufstellen zu müssen, grenze an Absurdität.
Die Bürgerinitiative Leonorenstraße zieht Parallelen zur Rigaer Straße. Eine gerichtliche Prüfung von Baumfällungen sei von der Behörde von Katrin Lompscher vereitelt worden, heißt es in einem Schreiben. Seit Wochen hätten sie die Baugenehmigung angefordert. Am Mittwoch, 15. Februar, hätte sie vorgelegen. Doch erst Freitag seien die Anwohner informiert worden. Zu spät für das Verwaltungsgericht, um noch zu reagieren „Wir haben den Eindruck, das hier am Gericht vorbei Fakten geschaffen werden“, so ihre Schlussfolgerung. Die Rigaer Straße lasse grüßen.


