Die Serie tödlicher Gewaltattacken in der Öffentlichkeit reißt nicht ab: Am Dienstagmittag hat ein Patient des Benjamin-Franklin-Klinikums der Charité in Steglitz auf einen Arzt geschossen. Danach erschoss sich der mutmaßliche Täter selbst. Bei dem Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 72 Jahre alten Deutschen. Das Opfer war 55 Jahre alt und ebenfalls Deutscher.

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„Über Motiv und Hintergründe der Tat wissen wir gar nichts“, sagte Charité-Chef Karl Max Einhäupl am Nachmittag. Dass es Rache gewesen sei, erscheine eher unwahrscheinlich. Möglich wäre eine Verzweiflungstat, erklärte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei. Täter und Opfer haben sich seit Jahren gekannt, weil der Täter wegen einer schweren Erkrankung in Behandlung war. Das Spezialgebiet des Oberarztes waren schwere Tumorerkrankungen. Der Getötete arbeitete seit 22 Jahren in der Klinik am Hindenburgdamm und studierte bereits an der Charité. Er hinterlässt eine Frau und zwei minderjährige Kinder.

"Er war ein Arzt, wie es keinen besseren geben kann"

Eine Krankenschwester, die den getöteten Arzt kannte, sagte der Berliner Morgenpost: "Er war ein Arzt, wie es keinen besseren geben kann. Ein ganz lieber Mann, der auf seine Patienten und die Mitarbeiter in besonderer Weise eingegangen ist." Sie habe den Oberarzt als hochgebildet erlebt. Er sei sowohl Humanmediziner wie auch Zahnarzt gewesen.

Nach Angaben der Polizei hatte sich der Todesschütze, der in Berlin lebte und geboren wurde, bereits am Vortag in der Klinik behandeln lassen wollen. Am Dienstag gegen 13 Uhr schoss der Patient dann in der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im vierten Obergeschoss, im Bettenhaus 1 auf den Arzt. Nach ersten Zeugenaussagen war der Patient mit dem Arzt und einer Kollegin in einem Zimmer, als er das Feuer auf den Mediziner eröffnete. Die Schüsse fielen ohne Vorwarnung.

Ob es sich bei dem Treffen um eine Behandlung oder ein Arzt-Patienten-Gespräch handelte, war zunächst unklar. Nach den Schüssen auf den Arzt erschoss sich der Patient selbst. Der Chirurg wurde sofort notoperiert, erlag aber kurze Zeit später seinen schweren Verletzungen. Die 2. Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen.

Der Alarm war gegen 13 Uhr bei der Polizei eingegangen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) wurde losgeschickt, das Gelände des Klinikums weiträumig abgesperrt. Gegen 14.15 Uhr war die Lage nach Polizeiangaben wieder unter Kontrolle. Wie die Gewerkschaft der Polizei mitteilte, soll es während des Einsatzes der Polizei jedoch zu massiven Problemen mit dem Digitalfunk gekommen sein. Beamte im Bettenhaus hatten demnach keinen oder nur bruchstückhaften Kontakt zu ihren Kollegen bei der Einsatzleitung. Sie hätten ungefähr eine Stunde lang keine Informationen zur aktuellen Lage in dem Krankenhaus erhalten.

Ein Angestellter im Krankenhaus berichtete, dass er und seine Kollegen von der Klinikleitung über Schüsse informiert worden waren. Die Klinikleitung schickte eine E-Mail an alle Mitarbeiter, in der stand: "ACHTUNG: Angeblich Schusswechsel Bettenhaus 1 CBF, Katastrophenvoralarm. Bitte bleiben Sie in Ihren Räumen. Polizei ist unterwegs."

Schüsse am Klinikum Benjamin Franklin

Das Personal konnte nach dem Einsatz in das Gebäude zurückkehren.
Das Personal konnte nach dem Einsatz in das Gebäude zurückkehren.© Wolfgang Krumm/dpa
Personal und Polizisten auf dem Campus.
Personal und Polizisten auf dem Campus.© dpa
Die Polizei geht nicht von einem extremistischen Hintergrund aus.
Die Polizei geht nicht von einem extremistischen Hintergrund aus.© Thomas Peise
Die Polizei war auch mit Spezialkräften vor Ort.
Die Polizei war auch mit Spezialkräften vor Ort.© dpa/Paul Zinken
Polizisten auf dem Campus des Klinikums Benjamin Franklin.
Polizisten auf dem Campus des Klinikums Benjamin Franklin.© Thomas Peise | Thomas Peise
Einsatzkräfte auf dem Krankenhausgelände.
Einsatzkräfte auf dem Krankenhausgelände.© Thomas Peise | Thomas Peise
Der Täter erschoss sich nach Angaben der Polizei selbst, der Arzt wurde so schwer verletzt, dass er wenig später starb.
Der Täter erschoss sich nach Angaben der Polizei selbst, der Arzt wurde so schwer verletzt, dass er wenig später starb.© Thomas Peise | Thomas Peise
Gegen 13 Uhr wurde Alarm ausgelöst.
Gegen 13 Uhr wurde Alarm ausgelöst.© Thomas Peise | Thomas Peise
Mitarbeiter des Benjamin Franklin haben das Gebäude verlassen.
Mitarbeiter des Benjamin Franklin haben das Gebäude verlassen.© Steffen Pletl | Steffen Pletl
Ermittler der Mordkommission nahmen am Nachmittag ihre Arbeit auf
Ermittler der Mordkommission nahmen am Nachmittag ihre Arbeit auf© Thomas Peise | Thomas Peise

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Czaja: "Eine unfassbar niederträchtige Tat"

Die Wissenschaftssenatorin und Charité-Aufsichtsratschefin Sandra Scheeres (SPD) äußerte sich schockiert über den Tod des Kieferchirurgen. „Er wurde im Dienst erschossen, an einem Ort, an dem tagtäglich Menschenleben gerettet werden“, erklärte sie. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) verurteilte die Schüsse auf den Arzt. „Es ist eine unfassbar niederträchtige und grausame Tat. Sie macht uns alle tief betroffen“, erklärte der CDU-Politiker.

Die Ambulanz der Kieferchirurgie wird am Mittwoch geschlossen bleiben. Patienten könnten sich im Virchow-Klinikum in Wedding behandeln lassen. Das Benjamin-Franklin-Krankenhaus im Südwesten Berlins zählt zu einem der vier Standorte der Charité, der größten Universitätsklinik Europas. Es wurde in den 60er Jahren errichtet und hat knapp 900 Betten.

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Polizeifahrzeuge vor dem Klinikum
Polizeifahrzeuge vor dem Klinikum© Johanna Ewald

Mitarbeiter des Benjamin Franklin haben das Gebäude verlassen
Mitarbeiter des Benjamin Franklin haben das Gebäude verlassen© Steffen Pletl | Steffen Pletl

Rettungsfahrzeug in der Nähe des Klinikums
Rettungsfahrzeug in der Nähe des Klinikums© Johanna Ewald

dpa/BM