Kurz nach der Einfahrt der S-Bahn schiebt sich eine Menschenmenge den einzigen Ausgang die Treppe herunter auf den Teltower Damm. Wer zu Fuß Richtung S-Bahnhof unterwegs ist, hat es schwer, durchzukommen. Es ist zehn Uhr morgens, der Berufsverkehr ist längst vorbei.
Seit Jahren wird über einen zweiten Ausgang am S-Bahnhof diskutiert. Die Frage ist nicht, ob er gebaut wird, sondern wo. Während Senat und Deutsche Bahn einen zweiten Zugang unter der S-Bahnbrücke am Teltower Damm favorisierten, ist der Bezirk für den Bau einer Unterführung zwischen der Machnower Straße und dem Platz vor der ehemaligen Post, heute einfach Postplatz genannt. Die Bahn hat ein Gutachten für die verschiedenen Varianten im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstellt. Das liegt jetzt zur Prüfung vor und soll die Grundlage für die Entscheidung sein.
Der Ortskern muss als Ganzes betrachtet werden
Mitreden wollen aber auch Anwohner und Geschäftsleute. Sie haben sich in der „Bürgerinitiative Zehlendorf“ zusammengeschlossen, die am Donnerstagabend, 18 Uhr, in einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus Zehlendorf über den neuen Zugang, aber auch über die Zukunft des Postplatzes und der Zehlendorfer Mitte diskutieren will. „Wir müssen den Bereich zwischen Mühlenstraße und Riemeisterstraße als ein Ganzes betrachten“, sagt Christian Küttner, Gründer der Initiative.
Knapp 50 Vorschläge zur Gestaltung von Zehlendorfs historischer Mitte sind eingegangen. Dazu gehören Ideen wie breitere Gehwege, ein Wasserspielplatz an der Dorfaue, mehr Märkte und Feste, öffentliche Toiletten, Tempo-30-Zonen und der Rückbau des Teltower Damms auf eine Spur mit Fahrradweg, so wie in der Steglitzer Schloßstraße. Doch ganz oben auf der Wunschliste der Zehlendorfer steht die Forderung nach einem zweiten Zugang zum S-Bahnhof.
Die ersten Pläne dafür gab es schon 1990. Mit 300.000 D-Mark hatte der Bezirk einen städtebaulichen Wettbewerb dotiert, in dem Architekten ihre Ideen zur Gestaltung des Bahnhofsumfeldes rund um den Teltower Damm erarbeiten sollten. In diesen Plänen war bereits ein zweiter Ausgang am Postplatz vorgesehen. Gebaut wurde schließlich nur das Forum Zehlendorf, ein Büro- und Geschäftshaus direkt an der S-Bahn-Trasse. Ansonsten verschwanden die Pläne wieder in der Schublade, weil das Geld für den Aufbau Ost gebraucht wurde. Jetzt sind die alten Dokumente aus dem Archiv wieder aufgetaucht und sollen heute Abend präsentiert werden.
Bezirk ist sich einig über den Ausgang Postplatz
Im Bezirk herrscht fraktionsübergreifend Einigkeit, dass der zweite Ausgang nicht am Teltower Damm unter der S-Bahnbrücke sondern am Postplatz entstehen soll. Das haben die Bezirksverordneten bereits 2011 beschlossen. Als eine „vernünftige „Lösung“ bezeichnet Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) diese Variante, da es unter der S-Bahnbrücke zu eng und zu gefährlich sei für Fußgänger, Radfahrer und Autos. Verkehrsstadtrat Michael Karnetzki (SPD) schließt sich dem an. „Die Variante unter der S-Bahnbrücke ist nicht billiger als der Ausgang am Postplatz“, sagt Karnetzki. Letzterer habe aber den Vorteil, dass er nach zwei Seiten offen sei und daher von den Schülern der Gymnasien, die rechts und links des Bahndamms liegen, genutzt werden könnte. Und noch ein weiterer Grund spreche dafür: Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs an der Anhaltiner Straße entstehen neue Wohnungen. Für die Bewohner ist nur ein Zugang vom Postplatz sinnvoll.
Die Deutsche Bahn hält sich bedeckt. Dass es eine Präferenz für den Postplatz bei den Zehlendorfern gibt, ist aber aus den Debatten mit Anwohnern angekommen. Sie beruft sich auf die ausgearbeiteten Varianten, die jetzt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bewertet werden müssen. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bestätigt die derzeitige Prüfung der Bahn-Unterlagen. Zu den Kosten könnten aber im Augenblick noch keine Angaben gemacht werden. „Wir planen, im Sommer dieses Jahres die Deutsche Bahn mit den Arbeiten zu beauftragen“, sagt Sprecher Martin Pallgen. Bauherr ist die Bahn, der Senat trägt die Kosten. Vor Baubeginn sei ein Planfeststellungs-Verfahren notwendig. Ein Baubeginn wäre damit 2020 denkbar, so Pallgen.
Christian Küttner und seine Mitstreiter in der Bürgerinitiative hoffen, das bald die Entscheidung für den Postplatz fällt. Denn erst dann können die anderen Pläne umgesetzt werden. Der 56-jährige Software-Dienstleister hat bereits die Zukunft vor Augen: Auf dem Platz und an der Unterführung stehen überall lange Bänke. Vor dem alten Postgebäude spielen Kinder auf einem Spielplatz, auf dem Parkplatz ist der Wochenmarkt aufgebaut, Musiker spielen, Besucher trinken Kaffee. Realistisch ist der Wochenmarkt, der bald kommt. Er wird auf dem kleinen Teltower Damm und der Anhaltiner Straße am Sonnabend aufgebaut. Der Betreiber steht demnächst fest. Im Juni könnte es losgehen, bestätigt Stadtrat Michael Karnetzki.



![Ein ICE und Regionalzüge fahren am 16.12.2012 im Abendlicht in den Hauptbahnhof von Frankfurt am Main ein. Foto: Wolfram Steinberg dpa [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ] Ein ICE und Regionalzüge fahren am 16.12.2012 im Abendlicht in den Hauptbahnhof von Frankfurt am Main ein. Foto: Wolfram Steinberg dpa [ Rechtehinweis: Verwendung weltweit, usage worldwide ]](https://img.sparknews.funkemedien.de/205600885/205600885_1440495651_v16_9_1200.jpeg)

