Demonstration Botanischer Garten – Protest gegen Lohndumping

Der Botanische Garten Dahlem ist mit einer Fläche von mehr als 43 Hektar und etwa 22.000 verschiedenen Pflanzenarten der größte botanische Garten Deutschlands und einer der bedeutensten weltweit

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Der Botanische Garten Dahlem ist mit einer Fläche von mehr als 43 Hektar und etwa 22.000 verschiedenen Pflanzenarten der größte botanische Garten Deutschlands und einer der bedeutensten weltweit

Mitarbeiter der Betriebsgesellschaft des Botanischen Gartens verdienen bis zu 72 Prozent weniger als FU-Kollegen. Sie protestieren,

Happy Halloween heißt es am kommenden Sonntag im Botanischen Garten in Dahlem. Während in den Gewächshäusern und auf den Außenanlagen kleine Geister und Hexen umherspuken werden, ist den Mitarbeitern, die sich am Sonntag vor dem Eingang Unter den Eichen treffen, aus ganz anderem Grund zum Gruseln.

Sie versammeln sich um 13 Uhr zu einer Protestaktion gegen die "schaurigen Arbeitsbedingungen". Aufgerufen dazu haben die Gewerkschaft Verdi Berlin-Brandenburg und die "Berliner Aktion gegen Arbeitsunrecht". Zu den Missständen, die an diesem Tag angeprangert werden sollen, gehören Lohndumping, Mobbing und Outsourcing.

Sondierungsgespräche laufen seit Anfang 2015

Im Botanischen Garten, der zur Freien Universität Berlin (FU) gehört, gibt es zwei Formen der Anstellungsverhältnisse: Der eine Teil der Mitarbeiter ist bei der Freien Universität und damit tarifgebunden unter Vertrag. Der andere Teil ist bei der Betriebsgesellschaft, einer 100-prozentigen Tochter der FU, beschäftigt. "Sie verdienen bis zu 72 Prozent weniger als ihre Kollegen, die bei der FU angestellt sind", sagt Jana Seppelt, zuständige Gewerkschaftssekretärin für die Freie Universität und den Botanischen Garten.

In der Betriebsgesellschaft, die vor knapp zehn Jahren gegründet wurde, sind der Besucherservice, die Techniker und das Reinigungspersonal unter Vertrag. Die Belegschaft der Betriebsgesellschaft hat sich jetzt organisiert und strebt mit Verdi Tarifverhandlungen und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen an. "Die Sondierungsgespräche laufen seit Anfang 2015", bestätigt die Gewerkschaftssekretärin.

Die Reinigungskräfte sollen ausgelagert werden

Der nächste Verhandlungstermin ist für diesen Mittwoch angesetzt. Sie hätten neue Stundenlöhne vorgelegt bekommen, die nur sehr geringe Steigerungen enthalten, sagt Jana Seppelt. Beim Arbeitgeber, der Betriebsgesellschaft, hieß es am Montag: "Wir halten es für unangemessen, uns zwei Tage vorher dazu zu äußern."

Der eigentliche Skandal sei, dass die Beschäftigten bis zur Einführung des Mindestlohns weit weniger Geld erhielten, so die Gewerkschaftssekretärin. Zudem sollen die Reinigungskräfte, deren Verdienst auch jetzt nur knapp über dem Mintestlohn liege, ausgelagert werden. "Ich bezweifle, dass ein externer Reinigungsservice billiger ist", so Seppelt. Bereits die Ausgründung der Betriebsgesellschaft bezeichnet sie als "Tarifflucht". Sie fordert langfristig gleiche Löhne für die Angestellten der FU und der Betriebsgellschaft.

Ein weiteres Problem ist die Vergütung von Überstunden. Zuschläge werden nach Verdi-Angaben erst seit 2014 gezahlt. Ein Kollege klagt jetzt die Zahlung für Überstunden rückwirkend für die vergangenen drei Jahre ein. Unterstützung bekommt er dabei von der "Berliner Aktion gegen Arbeitsunrecht", die besonders harte und prekäre Arbeitsverhältnisse dokumentiert und sich für einzelne Betroffene einsetzt.

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