Konrad Birkholz bezeichnete sich selbst gern als „Dorfschulze“. Das sagte er mit milder Selbstironie und doch meinte er es auch ganz ernst. Zum einen nahm er damit so manchen Landespolitikern den Wind aus den Segeln, die mit diesem Prädikat scherzhaft eine gewisse Geringschätzung gegenüber Bezirkspolitikern zum Ausdruck bringen, zum anderen kennzeichnete es sein Engagement für seinen Heimatbezirk Spandau und die Nähe zu den Menschen dort.
Sagenhafte 16 Jahre war Birkholz der „Dorfschulze“ der Havelstadt, von 1995 bis 2011 führte er die Geschicke des Bezirks. Das machte ihn zum dienstältesten Bezirksbürgermeister Berlins. Am Dienstag ist der Christdemokrat, zu dessen Markenzeichen Schnauzbart und Fliege gehörten, nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Berlin einen der profiliertesten und bekanntesten Kommunalpolitiker.
16 Jahre – das schafften weder sein prominenter Neuköllner Amtskollege Heinz Buschkowsky, noch Werner Salomon (beide SPD), Spandauer Rathauschef von 1979 bis 1992, den Birkholz stets als sein Vorbild nannte. Es gelang ihm, was zunächst kaum jemand für möglich hielt, mindestens ebenso populär zu werden wie Salomon. Und es gelang ihm, als CDU-Politiker das Amt des Bezirksbürgermeisters zu erlangen – in einem Bezirk, in dem die Führungsrolle der SPD über Jahrzehnte in Stein gemeißelt zu sein schien.
Er war ein überzeugender Netzwerker, der stets für die Eigenständigkeit der Bezirke eintrat und der sich jederzeit über arrogantes Gebaren von Landespolitikern erregen konnte. Die nannte er dann kurz und bündig „die Herren im fernen Berlin“.
Als Politiker beispielgebend
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) reagierte bestürzt auf den Tod des Alt-Bezirksbürgermeisters. Konrad Birkholz habe nicht nur die Entwicklung der Havelstadt über eine lange Zeit maßgeblich geprägt. „Sein Wirken war beispielgebend für die Politik in allen Berliner Bezirken. Er scheute sich dabei auch nicht vor der politischen Auseinandersetzung, wenn es ihm in der Sache wichtig war.“ Dabei sei es ihm nicht um persönliche Profilierung gegangen, sondern stets um das Wohl seines Bezirks und der Spandauer.
„Mit seinem Tod verlieren wir eine Persönlichkeit, der die Kommunalpolitik stets Herzensanliegen war und die sich im Klaren darüber war, dass die große Landespolitik immer auch in der sorgfältigen Erledigung der Bezirksaufgaben ihren Ursprung hat“, so Müller.
Birkholz ein „ganz Großer seiner Zeit“
„Spandau zieht ein letztes Mal seinen Hut vor seinem Dorfschulzen“, sagte Kai Wegner, Vorsitzender der CDU Spandau und Generalsekretär der Hauptstadtunion. Unermüdlich sei der Tag und Nacht für sein Spandau unterwegs gewesen. „Stets hatte er ein offenes Ohr für die Menschen, die er traf. Bürgernähe hatte durch ihn einen Namen: Konni“, erklärte Wegner. Spandau verliere mit Konrad Birkholz „einen ganz Großen seiner Zeit“.
Konrad Birkholz „wird unvergessen bleiben“, erklärte auch sein Nachfolger, Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD). Der Landesvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, sprach der Familie sein tiefes Mitgefühl aus. Birkholz sei „ein ausgeprägter Charakterkopf“ gewesen, „der in Spandau geschätzt und in ganz Berlin gehört wurde“. „Solche Bürgermeister sind das Salz der Demokratie“, sagte er weiter.
Birkholz war seit 1989 Vorsitzender des CDU-Ortsverbands Kladow und seit 2009 Ehrenvorsitzender der Spandauer Union. 1979 wurde der ehemalige Sozialarbeiter Bezirksverordneter in Spandau, 1992 Stadtrat für Finanzen und Wirtschaft, 1995 dann Bezirksbürgermeister. Erst im Dezember 2014 verlieh ihm der Regierende Bürgermeister für seine Verdienste die Würde eines Stadtältesten von Berlin.
Im Eingangsbereich des Spandauer Rathauses wird am 24. März 2015 ab 11 Uhr ein Kondolenzbuch für Birkholz ausgelegt.





