Mit mehr als 50 Messerstichen wurde ein 26 Jahre alter Mann in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg umgebracht. Knapp acht Monate nach dem mutmaßlichen Raubmord hat der Verdächtige vor dem Landgericht gestanden. „Ich wollte ihn ausrauben, aber nicht töten, die Sache ist aus dem Ruder gelaufen“, sagte der 26-jährige Angeklagte am Donnerstag zu Prozessbeginn. Er habe sich an dem Bekannten aus der Party-Szene rächen wollen. Hintergrund seien Drogengeschäfte gewesen, bei denen er Verluste erlitten habe.
Die Staatsanwaltschaft geht von einem heimtückischen Mord aus Habgier und zur Verdeckung einer anderen Straftat aus. Der Angeklagte habe sich im Juli 2015 mit dem Geschädigten verabredet, um ihn zu töten. Unvermittelt habe er den ehemaligen Studenten mit einem Schlagstock attackiert. „Dann nahm er ein Messer und stach mindestens 56 Mal auf Kopf-, Nacken- und Rückenbereich seines Opfers ein“, heißt es in der Anklage. Anschließend habe er Gegenstände des Getöteten an sich genommen, darunter zwei Handys, einen Laptop sowie Drogen.
Der angeklagte Rettungshelfer, der zuletzt arbeits- und wohnungslos war, und der ehemalige Geologie-Student hatten sich 2011 in der Goa-Szene in Berlin kennengelernt. Sie hätten sich immer wieder auf Partys getroffen, sagte der Angeklagte. Er habe verschiedene Drogen konsumiert und damit auch gehandelt. Sein Rauschgift-Lieferant sei der Geschädigte gewesen. Weil dieser ihm in zwei Fällen Drogen von schlechter Qualität verkauft habe und keinen Preisnachlass gewähren wollte, „entstand der Plan, ihn zu bedrohen und auszurauben“.
Bei der Tat habe er unter Einfluss von Speed und Kokain gestanden, sagte der Angeklagte weiter. An die Stiche mit dem Messer, das er zu seinem Schutz bei sich getragen habe, könne er sich nicht erinnern. „Ich bin entsetzt, dass ich zu so einer Tat in der Lage war.“ Derzeit werde er wegen seiner Drogensucht mit Medikamenten behandelt.
Der Täter war blutverschmiert in ein Taxi gestiegen. Der Mann habe um eine Küchenrolle gebeten, um das Fahrzeug nicht zu beschmutzen, sagte der 22-jährige Fahrer. Eine Bekannte des Angeklagten sagte, nach der Tat habe er sich „total verändert“ und paranoid verhalten. Einige Tage nach der Tötung sei er noch einmal in die Wohnung seines Opfers gefahren, um Spuren zu verwischen. Die Leiche des ehemaligen Studenten wurde sieben Tage nach dem tödlichen Angriff entdeckt. Der Prozess wird am 10. März fortgesetzt.
dpa


