Man könnte meinen, dass es im Mittelalter schon Videokameras gab und dass nun einer der Mitschnitte aufgetaucht ist. Denn damals mögen Predigten, in denen Frauen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung aberkannt wird, üblich gewesen sein. Doch der Mann, der sich Scheich Abdel Moez al-Eila nennt, hielt seine Ansprache nicht vor hunderten von Jahren in einem Wüstendorf – sondern vor eineinhalb Wochen in der Neuköllner Al-Nur-Moschee.
Das ruft Empörung hervor. Denn der aus Ägypten eingereiste Imam behauptet darin nicht nur, dass Frauen das Haus nur mit Zustimmung ihres Gatten verlassen dürften. Gehüllt in einen brauen Umhang und ein weißes Tuch über dem Kopf, sagt er auch: „Eine Frau darf es ihrem Mann nie abschlagen, wenn er mit ihr schlafen will.“ Unter keinen Umständen dürfe sie „nein“ sagen und „Ausreden“ benutzen, behauptet Abdel Moez al-Eila. „Auch wenn sie ihre Periode hat, kann nichts ihren Mann abhalten, sich mit ihrem Körper zu vergnügen.“ Der selbst ernannte Scheich schließt seine eigenwillige Islam-Interpretation mit der Frage: „Wo soll der Mann denn sonst hingehen?“
Der Gast-Imam der Al-Nur-Moschee hielt die im Internet abrufbare Predigt am 23. Januar. Die Empörung entzündete sich nach einem Hinweis des US-Mediendienstes Memri. Innensenator Frank Henkel (CDU) bezeichnete die Predigt am Dienstag als „abstoßend“ und als „frauenfeindliche Hetze“. „Diese finstere religiöse Ideologie, die Frauen herabwürdigt, passt nicht zu unserer Gesellschaft“, sagte Henkel. Islamische Gemeinden dürften Hasspredigten nicht stillschweigend hinnehmen.
Türkischer Bund zeigt Gast-Imam an
Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) verwies bei der Frage, ob der Moschee-Verein verboten werden könne, auf rechtliche Hürden. „Jetzt ist aber ein Punkt erreicht, wo wir nochmal sehr intensiv prüfen werden.“ Der Jugendstadtrat von Neukölln, Falko Liecke (CDU), forderte, den Prediger auszuweisen. Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg zeigte den Prediger am Dienstag nach Auskunft von Vorstandssprecherin Ayse Demir wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Aufforderung zur Gewalt an.
Abdel Moez al-Eila sprach nach Informationen der Berliner Morgenpost auch in der Tempelhofer Ibrahim-al-Khalil-Moschee, die ebenfalls als Salafisten-Treff gilt. Die Al-Nur-Moschee war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Laut Verfassungsschutz gewährte sie dem Prediger schon im Dezember eine Bühne. Allerdings habe er sich bis zu seiner frauenverachtenden Ansprache nie extremistisch geäußert.
Extremistische Ideen kursieren in der Al-Nur-Moschee immer wieder. So hetzte, anlässlich der israelischen Militäroffensive im Gaza-Streifen, der aus Dänemark eingereiste Scheich Abu Bilal Ismail im Sommer 2014: „Oh Gott, vernichte die zionistischen Juden. Zähle sie und töte sie bis zum letzten. Lasse keinen übrig.“ Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat die Staatsanwaltschaft bei Gericht Strafbefehl gegen Abu Bilal Ismail wegen Volksverhetzung beantragt. Offiziell bestätigte ein Sprecher nur, dass die Ermittlungen abgeschlossen seien. Laut Verfassungsschutz will der „Scheich“ noch einige Wochen in Berlin bleiben – weitere Predigten nicht ausgeschlossen.




