Traurige Bilanz: 123 verletzte Polizisten und insgesamt 86 vorläufige Festnahmen. Bei einer Demonstration von Linksautonomen ist es am Sonnabend in Berlin zu den befürchteten Krawallen gekommen. In Friedrichshain hatten am Abend etwa 2000 Menschen zunächst noch friedlich gegen die Teilräumung eines alternativen Wohnprojekts protestiert. Doch bereits kurz nach dem Beginn der Demonstration griffen Randalierer auf der Warschauer Straße die Polizei mit Steinen und Böllern an. Schaufensterscheiben wurden zerstört und Polizeiautos beschädigt. Später flogen erneut Steine und Flaschen auf die Beamten.
Die Demonstration von überwiegend jungen und meist schwarz gekleideten Menschen, die sich gegen Polizeieinsätze rund um von Linksautonomen bewohnte Häuser in der Rigaer Straße richtete, wurde zunächst fortgesetzt. Allerdings gab es immer wieder Sprechchöre – skandiert wurde unter anderem „Bullenschweine raus aus Friedrichshain“ – und eine sehr aggressive Grundstimmung. Nach dem Passieren der Rigaer Straße wurden aus dem Protestzug erneut Böller und Raketen abgefeuert.
Gegen 22.15 Uhr drohte die Lage außer Kontrolle zu geraten. An mehreren Stellen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den meist vermummten Randalierern und den Polizisten. Unter anderem, als die Beamten versuchten, einzelne Chaoten festzunehmen. Die Polizisten mussten dabei Reizgas einsetzen.
Protestzug wegen Rigaer Straße
Schließlich ließ die Polizei auch noch einen Hubschrauber zur sogenannten „Überblickskontrolle“ kreisen. Solche Einsätze erfolgen meist, wenn das Geschehen besonders unübersichtlich wird. An der Frankfurter Allee hatte die Polizei zudem Wasserwerfer stationiert, die aber bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zum Einsatz kamen.
Mit einem Großaufgebot hatte die Berliner Polizei am Sonnabend versucht, sich auf eine Demonstration linker und linksradikaler Gruppen durch den Stadtteil vorzubereiten. Denn bereits im Vorfeld hatte es aus der linksextremen Szene Aufrufe zu Gewalt gegeben. Insgesamt rund 1800 Beamte auch aus anderen Bundesländern sowie von der Bundespolizei waren im Einsatz, um den Protestzug durch das Gebiet rund um die Rigaer Straße zu begleiten, aber auch um im Umfeld Präsenz zu zeigen.
Nach Angaben der Veranstalter waren zunächst etwa 1000 Menschen dem Aufruf zur Demonstration unter dem Motto „Nichts ist Vorbei! Rigaer 94 verteidigen! Investor*innenträume platzen lassen!“ gefolgt. Die Polizei sprach da noch von etwa 600 Teilnehmern. Anlass des Protestes war ein Polizeieinsatz im Januar und die Räumung einiger Bereiche im Haus Rigaer Straße 94 am 22. Juni, die in der linksradikalen Szene für Aufruhr sorgten. Seither gibt es fast in jeder Nacht Brandanschläge auf Autos sowie Farbschmierereien an Häusern und Abgeordnetenbüros, die die Polizei politischen Extremisten zuschreibt.
Kurz nach 21 Uhr hatte sich der Demonstrationszug unter lautstarken Rufen am Wismarplatz in Bewegung gesetzt. Vereinzelt wurden Feuerwerksköper in die Luft gejagt, zu Gewalttätigkeiten kam es anfangs jedoch nicht. Der Demonstrationszug selbst wurde von 650 Polizisten begleitet. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hatte angekündigt, die Polizei werde auch in der Nacht nach der Demonstration präsent sein. So sollen weitere Krawalle und Brandanschläge unterbunden werden.
In der Nacht wurden im gesamten Stadtgebiet allerdings dann wieder mindestens elf Fahrzeuge in Brand gesetzt. Unter anderem brannten in der Kurstraße in Mitte ein Mercedes und ein Smart und in der Kleinen Kurstraße ein VW. In der Robert-Lück-Straße in Steglitz standen ebenfalls fünf Autos in Flammen. Auf einer Baustelle am Neuköllner Weichselplatz brannten zwei Bagger auf einer Baustelle.
Die Bilanz der Polizei über die vergangene Nacht ist eindeutig. Die Beamten bezeichnen die Demonstration als die aggressivste und gewalttätigste der zurückliegenden fünf Jahre.
Die Demo im Live-Blog:









