Nach den Attacken auf zwei holländische Touristen und die Sängerin von "Jennifer Rostock" spricht die Polizei von einer ungewöhnlichen Brutalität.

Zunächst waren in der Nacht zu Sonntag die beiden holländischen Touristen überfallen worden. Ein Unbekannter versuchte, einem von beiden die Brieftasche zu stehlen. Als die Opfer den Täter festhielten, kamen ihm 15 Unbekannte zu Hilfe, die beide Touristen brutal zusammenschlugen.

Nur wenig später wurden die Sängerin Jennifer Weist und ein Freund beraubt und schwer verletzt. Die Sängerin der Band "Jennifer Rostock" schilderte auf Facebook, ein Kind habe versucht, ihr das Portemonnaie zu stehlen. Ihr Freund habe ihr geholfen, doch mehrere "Typen" seien dem Dieb zu Hilfe gekommen und hätten ihren Freund mit einem Messer schwer am Hals verletzt. Dazu postete sie ein Foto von der Schnittwunde, die sich über die Halsschlagader zieht.

Abschließend warnt sie: „Auf der Revaler/Warschauer Straße ist eine große Bande unterwegs. Seid vorsichtig auf dem RAW Gelände, geht dort am besten nicht alleine lang, wenn es dunkel ist. Diese Leute sind wahnsinnig gefährlich und schrecken nicht davor zurück für eine beschissene Kette zu töten!!! Ich bin fassungslos und muss dieses Ereignis erstmal verarbeiten.“

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Polizei registriert verstärkte Aktivitäten von Taschendieben

Die Polizei kennt das Areal rund um die Warschauer Straße und RAW-Gelände als Anziehungspunkt für Taschendiebe. Das Gebiet gehört zu den angesagtesten Party-Meilen der Stadt. Wie ein Zivilfahnder der örtlichen Direktion 5 der Morgenpost sagte, registriere man dort bereits längere verstärkte Aktivitäten von Taschendieben. „Angesichts der Massen von häufig bereits angetrunkenen Party-Gängern ist das nichts besonderes, eine solche Szene zieht bekanntlich Taschendiebe an“, sagte der Fahnder.

Das RAW-Gelände zwischen Revaler und Warschauer Straße
Das RAW-Gelände zwischen Revaler und Warschauer Straße© Google Maps

Die beiden Vorfälle am Wochenende zeigen zudem eine neue Qualität des organisierten Taschendiebstahls, die auch der Polizei aufgefallen ist. Sowohl die Sängerin der Band "Jennifer Rostock" als auch die überfallenen niederländischen Touristen berichteten von Minderjährigen („kleine Jungs“) als Täter, die dann plötzlich Verstärkung bekamen.

"Ungewöhnliche Brutalität"

Laut einem polizeilichen Lagebild gehört es zur klassischen Struktur organisierter Banden, dass sich erwachsene Bandenmitglieder stets unauffällig in der Nähe der minderjährigen Täter aufhalten, um einzugreifen, wenn diese Probleme bekommen. „Dabei geht es aber stets darum, die Täter abzuschirmen, ihnen die Flucht zu ermöglichen und dann selbst unterzutauchen“, erklärt der szenekundige Beamte der Direktion 5. „Die Brutalität, mit der die Täter am vergangenen Wochenende vorgegangen sind, ist eher ungewöhnlich“, fügte der Ermittler hinzu.

Zur Identität der Banden hieß es am Dienstag zunächst, diese kämen überwiegend aus Südosteuropa. Angaben von Anwohnern, bei den Banden handele es sich vor allem um Roma, wollte die Polizei zunächst nicht bestätigen.

Berliner Polizei gibt "Tipps für Nachtschwärmer"

Am Nachmittag reagierte die Berliner Polizei bei Facebook mit ihrer Schilderung der jüngsten Ereignisse rund um das RAW-Gelände. In dem Facebook-Post gibt die Polizei "Tipps für Nachtschwärmer":

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In dem Post schreibt Berlins Polizei: "Wir kontrollieren verstärkt, auch mit Sondereinsätzen, diesen Bereich. Allein im aktuellen Jahr wurden von Januar bis Juni bereits 234 Einsätze durchgeführt. Zudem wird gemeinsam mit den Eigentümern des RAW-Geländes stetig an der Verbesserung des Sicherheitskonzeptes gearbeitet."

hhn/alu