Ein visionäres Projekt beginnt. Am 1. Mai ist erster Spatenstich auf dem Holzmarkt-Gelände in Berlin-Friedrichshain. In den kommenden Jahren entstehen ein Künstlerdorf mit Ateliers und Werkstätten, der Mörchenpark, in dem auch Anwohner Beete anlegen können, ein Hotel und ein Klub. An diesem Mittwoch will sich das Projekt ab 14 Uhr mit einem Fest der Öffentlichkeit präsentieren (www.holzmarkteg.de).

„Im Sommer 2014 werden Teile des Parks schon nutzbar sein“, sagte eine Mitarbeiterin. Auf dem westlichen Teil des einstigen BSR-Grundstücks ist ein Gebäude für junge IT-Firmen und für Studentenwohnungen geplant. Genau dort, nahe der Michaelbrücke, hat seit 1967 das Autohaus Heuer seinen Standort. Nun muss es für das zukunftsträchtige Holzmarkt-Projekt Platz machen. Ein Autohaus passt nicht ins Konzept. „Durch die aktuelle Entwicklung sind wir in einer schwierigen Lage“, sagt Firmenchef Thorsten Schulz.

Die BSR, früherer Grundstückseigentümer, hatte zum 31. Mai 2013 die Kündigung ausgesprochen. Die neuen Eigentümer vom Holzmarkt-Projekt seien kooperativ, sagt Schulz. „Sie haben uns noch Zeit gegeben, bis Anfang 2014.“ Längst schon hat er mit der Suche nach einem neuen Standort begonnen. Schulz möchte mit seiner Firma in den Südosten gehen, nach Treptow-Köpenick. Die Wirtschaftsförderung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick unterstütze ihn dabei, sagt er. „Sie haben mit uns viele Grundstücke angeguckt, die in Frage kommen.“

15 Mitarbeiter und drei Azubis sind im Autohaus beschäftigt

Bislang ohne Erfolg. Die Tücke liegt im Detail. Mal sind die Preise zu hoch. Dann wieder gibt es keine Genehmigung, weil die Fläche zu dicht an Wohnhäusern steht. „Uns sitzt die Zeit im Nacken“, sagt Schulz. Eigentlich sei der Umzug in einer so kurzen Frist nicht zu schaffen. Zwei Jahre wären erforderlich, meint der Firmenchef, um ein neues Grundstück zu finden, die Planung für den Neubau zu beantragen und zu realisieren. Doch einen weiteren Aufschub können die Holzmarkt-Initiatoren nicht gewähren. „Sie sind selbst vertraglich verpflichtet, ihr Projekt zügig zu realisieren.“

Also muss der Umzug schneller gehen. Der Firmenchef ist fest dazu entschlossen. „Die Mitarbeiter haben das verdient“, sagt er. „Sie waren immer da und haben sich für das Unternehmen eingesetzt, jetzt setzen wir uns für sie ein.“ Im Autohaus Heuer sind 15 Mitarbeiter und drei Azubis beschäftigt. Darunter der 62 Jahre alter Klempner, der hofft, dass er bis zur Rente arbeiten kann. Und der junge Mechatroniker, der in diesem Jahr Vater wird und das Einkommen braucht.

„Seit Jahren kämpfen wir uns als Handwerksbetrieb über die Runden“, erzählt Thorsten Schulz. Reparaturen und individueller Service seien der Schwerpunkt der Firma. „Wir kennen die Kunden persönlich und ihre Geschichte. Das ist unser Vorteil gegenüber den Großen.“

Das Traditionsunternehmen soll überleben

Schulz ist Jahrgang 1960. Gleich nach der Lehre als Kfz-Mechaniker kam er in den Betrieb von Werner Heuer. 18 Jahre war er alt. Er absolvierte die Meisterschule und übernahm die Meisterstelle im Autohaus. Es sei in der DDR der einzige Privatbetrieb gewesen, der Original-Fiat-Ersatzteile hatte, sagt Schulz. Heuer habe ihn als Nachfolger aufgebaut. „Schon zur DDR-Zeit war geplant, dass ich die Firma mal übernehme. So bin ich reingewachsen.“

Nach der Wende wurde er Partner von Werner Heuer. Nicht nur die Liebe zu Motoren verband den Seniorchef und seinen Nachfolger. Auch die Leidenschaft für den Sport. Heuer war mehrfacher Motocross-Meister der DDR. Schulz war DDR-Meister im Windsurfen.

Werner Heuer ging 1998 in Rente. Im Juli 2000 kam er beim Absturz der Concorde in Frankreich ums Leben. Schulz spricht mit großem Respekt von seinem früheren Chef und Partner. Er sei ein toller Typ gewesen, „zuverlässig, geradlinig, akkurat. Ich habe viel von ihm gelernt“.

Sein Nachfolger will, dass das Traditionsunternehmen überlebt. Unterstützung hat Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel (SPD) zugesagt. „Gern würde ich das Autohaus in unserem Bezirk begrüßen“, sagte Igel auf Anfrage der Berliner Morgenpost, „und werde mich auch gern dafür einsetzen, dass das Unternehmen adäquate Flächenangebote erhält.“