Acht Monate nach einem Überfall auf einen Juwelier am Kurfürstendamm in Wilmersdorf mit einer Beute in Millionenhöhe hat ein 23-Jähriger vor Gericht gestanden. Im Auftrag von Hintermännern sei er mit einem Komplizen in das Geschäft in der Nähe des Olivaer Platzes gestürmt, erklärte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses am Mittwoch vor dem Landgericht der Hauptstadt. Er sei zu der Tat gezwungen worden. Von der Beute – laut Anklage Schmuck mit einem Verkaufswert von 1,8 Millionen Euro – habe er nichts erhalten.
Zwei Männer waren am Vormittag des 10. September vorigen Jahres in das Juweliergeschäft eingedrungen. Die Inhaberin sowie zwei ihrer Mitarbeiter seien mit einer Softairpistole bedroht, mit Kabelbindern gefesselt und mit Reizgas attackiert worden, heißt es in der Anklage. Neben hochwertigem Schmuck sei Bargeld in Höhe von 110.000 Euro erbeutet worden. Softairpistolen sind nachgebaute Replikate echter Schusswaffen – und weniger gefährlich.
Der Angeklagte erklärte, aus Angst vor Repressalien wolle er die Hintermänner des Überfalls nicht nennen. Sie hätten ihn mit der Begründung, er müsse Schulden in Höhe von 30 000 Euro „abarbeiten“, zu dem Überfall gezwungen. „Ich habe nur das gemacht, was man mir aufgetragen hat“, sagte der aus Litauen stammende Angeklagte.
Der 23-jährige Gartenbauhelfer war nach der Tat zunächst in sein Heimatland geflohen. Als er wenige Wochen später erneut nach Deutschland einreisen wollte, wurde er verhaftet. Die Ermittler stützten sich dabei auf am Tatort gesicherte DNA-Spuren. Der Prozess wird am 12. Juni fortgesetzt.
dpa



