Musiker in Neukölln

TripHop-Musiker Tricky: "Ich habe Berlin gehasst"

Seit neun Monaten lebt TripHopper Tricky in Berlin. In Clubs geht er nicht, lebt wie ein Eremit. Ein Gespräch über ein hartes Leben.

Tricky, britischer Musiker und Produzent

Tricky, britischer Musiker und Produzent

Foto: MIKE WOLFF TSP / picture-alliance

Der britische TripHop-Musiker Tricky sitzt in einem Café in der Nähe der Hermannstraße und rührt Honig in seinen Kaffee. Seit neun Monaten lebt der Musiker, der am Montag im "Gretchen" aufgetreten ist, in Berlin – und hätte das selbst am allerwenigsten erwartet. "Ich habe Berlin gehasst", sagte der 48-Jährige.

Die Stadt sei ihm so grau und leer vorgekommen. Dann habe er einen Gig im Sommer gespielt und das Wochenende hier verbracht. Und direkt danach habe er seine Koffer gepackt und sei an die Spree gezogen. Die Stadt sei so 'mellow', sagt er. Und meint tatsächlich "lieblich". Nach London, New York, Los Angeles und Tokio residiert er nun in Neukölln.

Eine dunkle Vergangenheit

In den 90er-Jahren wurde Tricky als Gastsänger von Massive Attack bekannt. Sein Debütalbum "Maxinquaye" schoss 1995 auf Platz drei der englischen Charts. Tricky, der bürgerlich Adrian Nicholas Matthews Thaws heißt, stammt aus Bristol.

Einige Verwandte saßen im Knast, seine Mutter beging Selbstmord, als er vier Jahre alt war, seinen Vater kannte er lange Zeit nicht. Die Zerrissenheit, die Wut und die Schwermut strickte er zu abstrakten, gebrochenen, herzergreifenden TripHop-Stücken – und wurde damit berühmt. Selbst David Bowie hat ihm eine Lobeshymne geschrieben.

Ein neues Leben

Gerade ist sein elftes Album erschienen, mit Songs wie "Beijing To Berlin". Tricky bestellt den zweiten Espresso mit Honig. "Ich esse keinen Zucker und keinen Weizen mehr", sagt der Musiker. Er ist immer noch so hager wie früher. Seine inneren Dämonen scheint er überwunden zu haben. "Ich gehe nicht mehr feiern", sagt er.

In Berliner Clubs sei er noch gar nicht gewesen, auch sonst lebe er wie ein Eremit, gehe zum Box-Training, koche oder fahre mit seinem neuen Fahrrad durch die Stadt. "Ich bin einfach unterwegs. Ich habe kein Ziel", sagt Tricky. Wie lange er noch an der Spree wohnen wird, weiß er nicht. "Ich bleibe, so lange es mir gefällt."

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