Mauerfall-Schau

Open-Air-Ausstellung in Ex-Stasi-Zentrale eröffnet

Dort wo früher Stasi-Chef Erich Mielke vorfuhr, gibt es jetzt eine Open-Air-Ausstellung zur friedlichen Revolution und dem Mauerfall.

Gut beschirmt: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) besichtigen die Open-Air-Ausstellung "Revolution und Mauerfall"

Gut beschirmt: Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) besichtigen die Open-Air-Ausstellung "Revolution und Mauerfall"

Foto: Britta Pedersen / dpa

Wer im ehemaligen Büro von Erich Mielke steht und aus dem Fenster schaut, blickt auf die Stelltafeln der neuen Open-Air-Ausstellung "Revolution und Mauerfall". Die wurde am Mittwoch im Hof des früheren Ministeriums für Staatssicherheit in Lichtenberg eröffnet.

Eine sinnhafte, eine gelungene Verbindung: Oben, wo die Täter residierten, kann man im Stasimuseum die perfiden, menschenverachtenden Methoden der Organisation studieren, die "Schild und Schwert" der SED war und der Partei die Macht in der DDR sicherte. Und unten das Volk. Die Bürger, die sich nicht mit dem scheinbar Unveränderlichen abfinden wollten. Die sich in Umwelt- und Kirchengruppen organisierten. Die gewaltlosen Widerstand leisteten, die eine bessere, freiere Gesellschaft anstrebten. Künstler sind zu sehen, die trotz Auftrittsverbot in einer Kirche spielten. Punks, die ihre gesellschaftliche Opposition schon auf der Haut trugen.

Die Eröffnung der Ausstellung wurde witterungsbedingt kurzfristig nach drinnen verlegt, ins ehemalige Offizierskasino, ins Haus Nr. 22. Die Stasi-Unterlagenbehörde nutzt es für Veranstaltungen. Deren Chef Roland Jahn, in der DDR ein Oppositioneller, kam mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) zum Festakt, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) ließ sich von Hubertus Knabe, dem Chef der Gedenkstätte Hohenschönhausen, begleiten.

Havemann-Gesellschaft soll finanziell gesichert werden

Grütters hielt eine emotionale Rede, man merkte ihr an, dass dieses Projekt zur Erinnerung an die Macher einer friedlichen Revolution ihr eine Herzensangelegenheit ist. Beim Land Berlin hatte man diesen Eindruck lange Zeit nicht. Die finanzielle Zukunft der Robert-Havemann-Gesellschaft beziehungsweise deren Archiv zur DDR-Opposition, das einen Schatz darstellt und gleichzeitig die Grundlage für die Ausstellung bildet, die eigentlich schon vor einem Jahr eröffnet werden sollte, war stets unsicher. Es gab lediglich Projektmittel. Unter Müller scheint sich das langsam zu wandeln.

Monika Grütters war es vorbehalten, zwei gute Nachrichten zu verkünden: Erstens bekommt die Havemann-Gesellschaft künftig endlich eine institutionelle Förderung, ist also finanziell gesichert. Vorbehaltlich der entsprechenden Haushaltsbeschlüsse, die Müller für das Land Berlin zusicherte. Und zweitens kann das Archiv, das Ende Juli aus den ziemlich ungeeigneten Räumlichkeiten in Prenzlauer Berg ausziehen muss, vorübergehend in Haus 22 untergebracht werden. Später – und auf Dauer – soll es in Haus 7 ziehen, dort befindet sich das Stasi-Akten-Archiv.

Mit der neuen, zweisprachigen Freiluft-Exposition – die auf der basiert, die vor sieben Jahren auf dem Alexanderplatz sehr erfolgreich gezeigt wurde – sowie dem Archiv-Umzug, nehmen die Pläne für den von Roland Jahn inspirierten "Campus der Demokratie" konkrete Züge an. Geschichte zum Erleben an einem authentischen Ort. Zum Alex sind es nur ein paar U-Bahnstationen. Für Berliner Schulklassen sollte ein Besuch keine Pflicht sein, das passt nicht zum Thema, aber eine Herzensangelegenheit.

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