Berlin

Technologiepark verzeichnet ein üppiges Plus

Deutsche Mittelständler interessieren sich für Adlershof

Über Deutschlands größtem Technologiepark drehen sich die Baukräne. Neue Wohnungen und Firmensitze entstehen in Adlershof. Dabei hat das Gebiet erstmals seit einigen Jahren fast kein Wachstum an Jobs zu verzeichnen. Der neue Chef der Betreibergesellschaft Wista, Roland Sillmann, hatte jedoch bei der Jahrespressekonferenz eine einfache Erklärung dafür, warum es 2015 bei fast 16.000 Menschen geblieben ist, die auf dem Gelände arbeiten.

Ein Callcenter der Lufthansa mit 500 Beschäftigten hat den Standort verlassen, um am Tempelhofer Hafen expandieren zu können. Diesen Verlust und eine Delle bei den ansässigen Medienfirmen habe Adlershof durch Wachstum im Kerngeschäft der kleinen und mittleren Hochtechnologieunternehmen kompensiert, sagte Sillmann, der die Nachfolge von "Mister Adlershof" Hardy Schmitz angetreten hat.

Der eigentliche Technologiepark verzeichnete ein üppiges Plus. 60 Firmen wurden angesiedelt, die Zahl der Beschäftigten stieg auf 6134 (plus 4,6 Prozent), die Umsätze legten um 6,8 Prozent auf 766 Millionen Euro zu. Registriert wird auch ein verstärktes Interesse etablierter deutscher Mittelständler, am bekanntesten sind die 2015 eröffneten Elektronikableger des Schraubenimperiums Würth und der Laserhersteller Trumpf. Dabei wird eine neue Qualität des Wachstums beobachtet. "Es ist erstaunlich, dass so viele schwäbische Firmen hier sind", sagte Günther Tränkle, Direktor des Ferdinand-Braun-Instituts für Höchstfrequenztechnik.

Mittelständler aus Süddeutschland suchen in Berlin Talente und Kooperation mit Spitzenforschern wie Tränkle und Kontakte zu technologiestarken Start-ups. Dieses Element habe bislang gefehlt, analysierte Sillmann. Um etwa eine vollständig digitalisierte Produktionsstraße für die Industrie 4.0 zu kaufen, würde er sich auch nicht an eine zwei Jahre alte Firma wenden. Deshalb brauche es "Systemintegratoren", die Impulse von Kleinstunternehmen aufnehmen und umsetzen können. Das ist die Rolle, die die Wista unter Sillmann stärker einnehmen möchte. Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) lobte die Adlershofer. Berlin sei zurück auf der Landkarte technologiestarker Standorte.

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