Im vergangenen Jahr sind 712 betrunkene Kinder und Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren von der Berliner Polizei aufgegriffen worden. Davon galten 461 als verdächtig, in ihrem Zustand eine Straftat begangen zu haben. Ein betroffenes Mädchen war elf Jahre alt, die Polizei fand es in Reinickendorf.
Vier betrunkene Zwölfjährige, zwei Jungen und zwei Mädchen, wurden in Mitte, Lichtenberg (zwei) und Treptow-Köpenick aufgegriffen. Die meisten der nach übermäßigem Alkoholkonsum von der Polizei gefundenen Jugendlichen waren 16 (203) oder 17 Jahre (273) alt. Das geht aus der Antwort der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor.
Damit sind die Alkoholexzesse von Kindern und Jugendlichen erneut zurückgegangen. 2014 wurden noch 796 betrunkene Minderjährige aufgegriffen, ein Jahr zuvor waren es sogar 931. Einen deutlichen Rückgang gab es im Jahresvergleich bei den Elf- bis 13-Jährigen, also den Kindern. Hier musste die Polizei im vergangenen Jahr 31 Mal eingreifen, 2014 wurden 52 Fälle registriert. Auffällig indes: 22 der 31 Kinder waren Mädchen. Bei den Jugendlichen hingegen stellten die Mädchen 2015 nur knapp 30 Prozent der Betroffenen.
Die meisten stammen aus dem Bezirk Mitte
Blickt man auf die Wohnorte der alkoholisierten Minderjährigen, ergibt sich ein sehr unterschiedliches Bild. Die meisten wohnen in Mitte (79), Pankow (74) und Reinickendorf (68), aus Charlottenburg-Wilmersdorf kamen hingegen nur 35 der 712 aufgegriffenen Betroffenen, aus Lichtenberg und Treptow-Köpenick je 36. Aus anderen Bundesländern stammten 25, aus dem Ausland neun.
Wie viele Kinder und Jugendliche wegen akuter Alkoholvergiftung länger als einen Tag in einer Klinik stationär behandelt wurden, liegt aus Gründen der Krankenhausstatistik immer erst mit einem Jahr Verzögerung vor. 2014 wurden 45 Unter-15-Jährige behandelt, sechs weniger als ein Jahr zuvor. Dabei waren die Mädchen, wie auch in den Vorjahren, deutlich in der Überzahl. In der Altersgruppe der 15- bis Unter-20-Jährigen wurden 227 stationäre Behandlungsfälle gezählt, hier war die Mehrzahl der Patienten männlich (135).
Joschka Langenbrinck zeigte sich zufrieden, dass die Zahl der betrunken aufgegriffenen Jugendlichen und vor allem die der Kinder erneut zurückgegangen ist. Allerdings gebe es eine Grauzone, da nicht in allen Fällen die Polizei einschreite. Der Senat dürfe sich nicht auf den Erfolgen ausruhen, sondern müsse weiterhin Prävention betreiben. Die Gesundheitsverwaltung sagte zu, die Kampagnen und Projekte weiter zu fördern.

