Religionsfanatiker

Die Zahl der radikalen Salafisten in Berlin steigt

Berlin als Hotspot der Fanatiker: Laut Verfassungsschutz gibt es derzeit etwa 680 Salafisten in der Stadt, 360 gelten als gewaltbereit.

Berlin.  Berlin wird immer mehr zur Hochburg von Salafisten. Nach Angaben des Verfassungsschutzes befinden sich derzeit etwa 680 Salafisten in der Stadt, 360 davon gelten als gewaltbereit. Vor fünf Jahren waren es noch halb so viele Extremisten (350) und mehr als dreimal weniger gewaltbereite Religionsfanatiker (100).

Der Salafismus gilt als eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam, die sich auf die Frühzeit der Religion zurückbesinnt. Von den 100 aus Berlin in die Krisengebiete in Syrien und im Irak Ausgereisten, sind den Angaben zufolge zwölf im Zusammenhang mit Kampfhandlungen ums Leben gekommen, 50 Sympathisanten des extremistischen Islam sind mittlerweile wieder zurückgekehrt.

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"Berlin ist nach wie vor im bundesweiten Vergleich einer der Hotspots von Salafisten", sagte Berlins Verfassungsschutzchef Bernd Palenda. "Die Ausreisedynamik flacht zwar etwas ab, ist aber noch immer besorgniserregend." Auch wenn die Zahl der Salafisten nicht mehr so stark ansteige wie noch vor einigen Jahren, blieben sie eine Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft. "Präventions- und Deradikalisierungsprogramme bleiben unverändert wichtig", so Palenda.

Jeder siebte ausgereiste Extremist stammt aus Berlin

Berlins Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) sieht in Berlin sogar eine "Hochburg des Salafismus". Das sagte Kolat anlässlich der Vorstellung mehrerer Projekte, die die Entwicklung stoppen sollen. Jeder siebte Extremist, der aus Deutschland in die Krisengebiete reist, stammt aus Berlin. Bundesweit rechnen die Behörden damit, dass 700 Salafisten ausgereist sind.

Der Verfassungsschutz warnt seit Monaten vor einer steigenden Radikalisierung der Szene in Berlin. Der Senat hat daraufhin das Landesprogramm zur Radikalisierungsprävention ins Leben gerufen, das am 1. Januar seine Arbeit aufgenommen hat. "Die sicherheits- wie gesellschaftspolitische Herausforderung der rapiden Zunahme dschihadistisch-salafistischer Radikalisierungen in Deutschland erfordert verstärkte Ansätze der Prävention und der Intervention", sagte ein Sprecher der Innenverwaltung. "Aufgrund der Intervention des Deradikalisierungsnetzwerkes konnten bereits positive Stabilisierungen und Distanzierungen erreicht werden."

Fanatiker werben auch in den Flüchtlingsunterkünften

Die Koordination des Landesprogrammes liegt bei der Innenverwaltung. Im Zentrum steht dabei die Bündelung der verschiedenen Projekte zur Bekämpfung des radikalen Islam. Der Sozialpädagoge Thomas Mücke, der auch in Hessen und Bayern Deradikalisierungsprogramme aufgebaut hat, hat die Federführung übernommen. Sein Netzwerk "Violence Prevention Network" beschäftigt sich vor allem mit jungen Männern, die drohen, in den Salafismus abzurutschen. Außerdem betreut das Netzwerk unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Flüchtlingsunterkünften. Die Behörden beobachten seit einiger Zeit, dass islamistische Extremisten in den Flüchtlingsunterkünften aktiv sind.

Mit dem Erstarken des sogenannten "Islamischen Staates" (IS) haben sich auch die Rekrutierungsbemühungen der Salafisten verstärkt. Sie nutzen in der Regel die religiöse Unwissenheit ihrer Opfer aus, berichtet Thomas Mücke. Religiös gefestigte Persönlichkeiten seien weniger anfällig für die Anwerbeversuche der Extremisten.

Auch der Staatsschutz beobachtet die radikale Islamistenszene und ermittelt in mehreren Verfahren. In diesem Zusammenhang sind in Berliner Justizvollzugsanstalten derzeit mehrere Mitglieder von terroristischen Vereinigungen inhaftiert. Weitere Gefangene, denen die Bildung, Mitgliedschaft, Unterstützung sowie Werbung für eine "terroristische Vereinigung" nach Paragraf 129a Strafgesetzbuch vorgeworfen wird, sitzen ebenfalls in Untersuchungshaft.

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