Aktion am Hauptbahnhof Wie aus Blumen von Flüchtlingen eine Netzdebatte wurde

Flüchtlinge und Studenten verteilen vor dem Berliner Hauptbahnhof Blumen an Deutsche Frauen

Foto: Reto Klar

Flüchtlinge und Studenten verteilen vor dem Berliner Hauptbahnhof Blumen an Deutsche Frauen

Flüchtlinge verschenken in Berlin Blumen an Frauen. Ein Video der Morgenpost über die Geste sorgt für eine breite Debatte im Netz.

Es sind nur ein paar Rosen und Tulpen. Gelb, rosa, rot, eine nette Geste und Farbtupfer im kalten Berliner Wintergrau. Mit einem Lächeln werden sie von fünf Männern am Sonntag vor der Hauptbahnhof an zufällig vorbeikommende Frauen verschenkt. Auch die Frauen lächeln. So schlicht, so einfach, so schön.

Und doch entspinnt sich aus dieser Aktion eine Debatte. Weil die fünf Männer Flüchtlinge sind. Und weil sie mit ihren Blumen und mitgebrachten Plakaten eine Botschaft haben. "Wir respektieren Frauen. Wir respektieren alle Menschen", steht darauf geschrieben. Und: "Die Minderheit repräsentiert nicht eine ganze Gemeinschaft."

Die Botschaften beziehen sich auf die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln, wo aus einer Menge von mehr als tausend Menschen heraus offenbar Hunderte sexuelle Übergriffe auf Frauen begangen wurden. Aktuell gibt es fast 400 entsprechende Strafanzeigen. Die Polizei hatte sich explizit zur Herkunft der mutmaßlichen Täter geäußert. Die Täter kämen demnach "größtenteils aus nordafrikanischen Ländern".

Die Flüchtlinge, die nun in Berlin die Blumen verteilen, wollen sich ausdrücklich davon distanzieren. Befreundete Studenten hatten zuvor für den Kauf der Blumen gespendet.

Nicht nur Lob – sondern auch Kritik und Wut

Der Artikel darüber, den die Berliner Morgenpost am Sonntag mit einem entsprechenden Video veröffentlichte, wird bei Facebook Hundertfach geteilt, kommentiert – und vor allem kontrovers diskutiert.

Einige finden die Aktion grundsätzlich nett. "Die Geste zählt", meint Nutzerin Regina Zacharias. Für Markus Münch wird zudem deutlich, dass die Vorfälle der Kölner Silvesternacht "nur von einem winzig kleinen Teil der Flüchtlinge" begangen wurde. "Schöne Geste", schreibt auch Vic Toretto. "Nur finde ich es doof, dass die Vernünftigen unter den Flüchtlingen sich für die Dummen entschuldigen und verantworten müssen." So sieht es auch eine Nutzerin, die sich Clara Besenstiel nennt. "Einfach nur beschämend, dass den Flüchtlingen offenbar das Gefühl vermittelt wird, sie müssten sich für Straftaten anderer entschuldigen.

Doch bei diesen Worten bleibt es nicht. Manche Kommentatoren sind kritisch. Andere unverhohlen wütend. Sinngemäß schreiben sie, eine Rose mache keine Vergewaltigung wieder wett. "Sich – ausgerechnet auf einem Bahnhofsvorplatz – Frauen in den Weg zu stellen, sie anzuquatschen, ist das falsche Signal", glaubt zudem Ingrid Molnar.

Andere sehen darin eine "Medieninszenierung" in der Aktion. Nutzerin Gabi Stadler schreibt: "Schön gestellt für die Zeitung". Mandy Badstübner vermutet: "Sorry, aber das ist doch gestellt. Wer soll das denn glauben." Lars Weber schreibt: "Ja. Tolle Inzenierung. Fünf Kameras. Zehn "Flüchtlinge" und 30 Initatioren. Besser als Theater." Und Rino Zimmermann formuliert es ganz direkt: "Danke Berliner Morgenpost - jetzt fühle ich mich richtig verarscht."

Der beliebteste Kommentar ist aber jener von Nutzerin Constanze Meyer: "Sehr schöne Aktion! Mal zu den Jammerern hier: Können Flüchtlinge eigentlich noch irgendwas in diesem Land machen, ohne dass es jmd schlecht redet, dran rumnörgelt oder es anderweitig niedermacht?"

Nur ein Medium bei der Aktion vor Ort

Die Berliner Morgenpost war am Sonntag als einziges Medium bei der Aktion der Flüchtlinge am Hauptbahnhof vor Ort. Anlass war eine E-Mail, die die Initiatoren am Sonntagmorgen an die Redaktion geschickt hatten.

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Und die Berliner Morgenpost berichtet darüber ebenso, wie sie auch über alle anderen Aspekte dieses Themas berichtet. Über die Vorfälle in Köln und die Ereignisse danach. Über den Einsatzbericht eines Kölner Polizisten aus der Silvesternacht. Und auch über den "Klartext-Polizisten" Nick Hein, der sich in einem viel beachteten Facebook-Post zu den Realitäten am Kölner Hauptbahnhof geäußert hat. Das alles gehört zur Ausgewogenheit dazu – und hat wenig mit einer "Inszenierung" der einen oder anderen Gruppe dieses Konflikts zu tun.

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