Nahverkehr

Freies Internet in den Berliner U-Bahnhöfen

Die BVG-Chefin Sigrid  Nikutta stellt einen neuen U-Bahntyp vor. Jetzt sollen auch die Stationen moderner werden

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Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta stellt einen neuen U-Bahntyp vor. Jetzt sollen auch die Stationen moderner werden

Die BVG hat im U-Bahnhof Osloer Straße mobiles Internet getestet. Nun sollen weitere Stationen in Berlin kostenloses WLAN erhalten.

Noch ist der Berliner Nahverkehr eine weitgehend internetfreie Zone. Doch das soll sich ändern. Nach einem ersten Probelauf im Bahnhof Osloer Straße wollen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) schrittweise ihre U-Bahnhöfe mit freien Internetzugängen ausstatten. Derzeit prüft das landeseigene Unternehmen mögliche Finanzierungsmodelle. "Es soll keine zusätzliche Belastung unserer Fahrgäste etwa über eine Erhöhung der Ticketpreise geben", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost.

BVG will WLAN-Auftrag ausschreiben

Wie lange die Ausstattung der unterirdischen Stationen mit Wlan (Wireless Local Area Network) dauern wird, hänge vor allem davon ab, welche Partner aus der Privatwirtschaft für das Projekt gewonnen werden können. Wegen der Größe des Auftrags müsse es zudem eine Ausschreibung geben. "Wir gehen aber davon aus, dass Ende 2016 eine nennenswerte Zahl von Bahnhöfen bereits über Wlan verfügen könnte", so Reetz. Wlan in U-Bahnzügen ist vorerst nicht geplant. Noch gebe es keine verlässliche Technik, die den Transport der Daten im fahrenden Zug sichert, heißt es bei der BVG. Und was es gibt, stehe am Anfang und sei – weil Spezialtechnik – sehr kostenaufwendig. Ein Einsatz in den insgesamt 1300 U-Bahnwagen stehe in keinem Verhältnis zum Zweck, so die BVG-Sprecherin.

Wie in der gesamten Stadt gibt es auch im Nahverkehr bislang nur wenige Möglichkeiten, einfach und schnell mit dem Smartphone oder dem Tablet im Internet zu surfen. Das Abrufen von Webseiten und die Kommunikation in den sozialen Netzwerken funktioniert in der Regel nur über die Funknetze der jeweiligen Mobilfunkanbieter. Das kann je nach Tarif für den Nutzer entweder teuer oder mit geringer Datengeschwindigkeit verbunden sein.

Handyempfang im Untergrund technisch bedingt meist schwach

Besonders schlecht sieht es damit im Untergrund aus, wo der Handyempfang technisch bedingt oft sehr schwach ist. Seit zwei Jahren ist der Mobilfunkanbieter E-Plus dabei, das U-Bahnnetz an das schnelle LTE-Datennetz anzuschließen. Profitieren können davon bisher aber nur Kunden der verschiedenen Marken des Telefonica-Konzerns, zu dem auch E-Plus inzwischen gehört. Bis jedoch Telekom- oder Vodafone-Kunden schnelle Internetzugänge nutzen können, könnte noch einige Zeit vergehen.

Wegen der hohen Investitionskosten hatte die BVG lange Zeit keine eigenen Anstrengungen zur Verbesserung der Empfangsqualität unternommen. Anfang August startete das Unternehmen jedoch im U-Bahnhof Osloer Straße einen ersten Test für ein freies Wlan. Dazu wurde der stark frequentierte Kreuzungsbahnhof der Linien U8 und U9 vom Dienstleister Hotspots technisch entsprechend umgerüstet. Die Erfahrungen der Verkehrsbetriebe mit "BVG Wi-Fi" sind bislang "sehr gut". "Das Angebot wird gut angenommen", sagte Reetz, ohne allerdings konkrete Nutzerzahlen zu nennen. Der Test habe zudem den Nachweis erbracht, dass das System auch in einer Station stabil funktioniert, die verwinkelt ist und über mehrere Ebenen verfügt.

Hohen Kosten

Die Kosten sind bisher allerdings hoch. Allein die Installation der notwendigen Infrastruktur hat die BVG 308.800 Euro gekostet, heißt es in einer Antwort der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten An­dreas Baum (Piraten). Weitere 30.000 Euro würden für den laufenden Betrieb benötigt. Der Test werde aus Eigenmitteln der BVG finanziert, heißt es weiter. In dem hohen Sockelbetrag würden jedoch Einmalkosten stecken, die später an anderen Stationen nicht mehr anfallen würden, betonte ein BVG-Sprecher.

Welche Bahnhöfe nach Osloer Straße nun als Nächstes mit freiem Internetzugang ausgestattet werden, konnte Reetz noch nicht sagen. Dies hänge vom Ergebnis der noch ausstehenden Ausschreibung des Auftrags ab. "Wir werden aber nicht mit Stationen anfangen, die nur 3000 Fahrgäste am Tag haben." Interessant sei etwa die Ausstattung der stark genutzten Linie U5 (Alexanderplatz–Hönow), die 2017 als Zubringer zur Internationalen Gartenschau (IGA) fungiert.

Kostenloses WLAN in neun Berliner Fernbahnhöfen

Bisher hinken die Berliner Verkehrsbetriebe bei der Bereitstellung von Internetzugängen für ihre Kunden sowohl national wie international ziemlich hinterher. In den U-Bahnsystemen asiatischer Metropolen wie Hongkong oder Seoul ist Wlan schon seit Längerem Standard, Nahverkehrsunternehmen in Europa ziehen schrittweise nach. In Berlin bietet die Deutsche Bahn in Kooperation mit der Telekom an derzeit neun Fernbahnstationen, darunter dem Hauptbahnhof und den Bahnhöfen Südkreuz, Spandau und Zoologischer Garten, einen kostenlosen Internetzugang an, allerdings nur für jeweils eine halbe Stunde. Danach wird der Datenempfang kostenpflichtig. Eine Ausweitung des Angebots auf weitere Stationen etwa der S-Bahn ist derzeit nicht geplant, sagte ein Bahnsprecher.

Immerhin: Seit November testet die Bahn erstmals kostenloses WLAN im Regionalverkehr. Eingesetzt wird es Interregio-Express (IRE) Berlin–Hamburg, zunächst in einigen Wagen, schrittweise soll das Angebot auf alle eingesetzten Züge ausgeweitet werden. Für ihren Fernverkehr hatte die Bahn, angekündigt WLAN künftig auch in der 2. Klasse ihrer ICE-Züge anbieten zu wollen. Bislang ist mobiles Internet nur in der 1. Klasse verfügbar, und auch das auf vielen Strecken in oft nicht zufriedenstellender Qualität.

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