Neues Hochhaus-Viertel

Am Gleisdreieck soll es nun hoch hinaus gehen

Direkt am U-Bahnhof entsteht 2018 ein Stadtquartier mit 60 bis 90 Meter hohen Türmen und einer Kunsthalle. Wohnungen sind kaum geplant.

So soll die „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ nach den Vorschlägen des Architekturbüros Ortner & Ortner aussehen

So soll die „Urbane Mitte am Gleisdreieck“ nach den Vorschlägen des Architekturbüros Ortner & Ortner aussehen

Foto: Stephen Weber / Ortner&Ortner

"Urbane Mitte am Gleisdreieck" nennt sich Berlins jüngstes Bauvorhaben, das am Dienstag von den Investoren vorgestellt wurde. Die Copro Gruppe plant auf einer bislang ungenutzten Baufläche ein neues Stadtquartier mit Büros, einem Hotel, Einkaufsmöglichkeiten, einer Sporthalle sowie einer 5000 Quadratmeter großen Kunsthalle. Nur von einem wird es auf dem 43.000 Quadratmeter großen Areal künftig nur wenig geben: "Zum Wohnen ist es hier einfach zu laut", bedauert Copro-Chef Marc Kimmich. Lediglich in einigen Randzonen des Quartiers werde es deshalb einige wenige Wohnungen geben.

Die Pläne zum Bau des neuen Quartiers am Gleisdreieck, die Copro präsentierte, stammen von den beiden Architekturbüros Cobe Berlin und Ortner & Ortner. Diese waren beide als Sieger aus dem städtebaulichen Wettbewerb für das Quartier, das nördlich an die Luckenwalder Straße, östlich an den U-Bahnhof Gleisdreieck und den dazugehörigen Gleisanlagen sowie westlich an den Park am Gleisdreieck grenzt, hervorgegangen. "Besondere Herausforderung für die 25 zum Wettbewerb eingeladenen Architekturbüros war die Integration des denkmalgeschützten U-Bahnkreuzes mit seinen Hochbahn-Trassen sowie des künftigen S21-Bahnhofs", so der Copro-Chef.

Zudem müsse das neue Quartier sich auch in die umliegenden Stadtviertel einfügen, sagte Kimmich und betonte, dass für das Bauvorhaben, das immerhin ein Volumen von rund 100.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfasst, kein Stückchen vom Park geopfert werde. Nach dem alten, mit der Bahn geschlossenen Rahmenvertrag wäre sogar eine Bebauung mit bis zu 150.000 Quadratmetern möglich gewesen. "Es wird auch keine liebgewonnene Brache bebaut", so Kimmich. An der Stelle, auf der gebaut werden soll, stünden bislang nur einige Lagerplätze, die die Verkehrsbetriebe genutzt hätten.

Siegerbüros sollen jetzt ihre Entwürfe weiter ausarbeiten

In Absprache mit dem Bezirk und dem Senat seien die beiden Siegerbüros nun aufgerufen, ihre Pläne weiter auszuarbeiten. "Am Ende dieses Prozesses, in dem jetzt die öffentliche beziehungsweise die Trägerbeteiligung erfolgt, werden wir uns für eine der beiden Varianten entscheiden müssen", so Kimmich weiter. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass das unterlegene Büro mit dem Entwurf eines der geplanten Häuser beauftragt werde. "Wir sind derzeit erst in der Phase des städtebaulichen Wettbewerbs, wie später die Fassaden der Häuser aussehen werden, steht damit noch nicht fest", betonte Kimmich. Fest steht nach Kimmichs Worten auch noch nicht, welche Kunst in der geplanten Kunsthalle gezeigt werden soll. Man sei aber mit mehreren namhaften Sammlern in "weit fortgeschrittenen" Gesprächen.

Entscheidend für die Auswahl der beiden Siegerentwürfe sei die Frage gewesen, wie diese ein lebendiges Stadtviertel befördern würden, sagte das Mitglied des Preisgerichts, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher. Die beiden Siegerentwürfe hätten dies in "herausragender Weise" umgesetzt.

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"Wir haben uns weder den benachbarten Potsdamer Platz noch die in Berlin weit verbreitete gründerzeitliche Blockstruktur zum Vorbild genommen", erläuterte Markus Penell vom Büro Ortner & Ortner. "Unser Entwurf reagiert viel mehr auf die Besonderheiten, die sich an diesem einmaligen Verkehrsknotenpunkt ergeben", so der Architekt weiter. In sieben 60 Meter hohen Gebäuden wollen die Planer ein eigenes Quartier schaffen – inklusive einer Doppelfeldsporthalle sowie einer Kunsthalle. In den S-Bahnbögen, die ähnlich wie am Alexanderplatz oder Savignyplatz von der BVG geräumt werden sollen, entstünden zudem mehrere Tausend Quadratmeter für Einzelhandel, Gastronomie und Kultur. "Die massiven, kompakten Baukörper bieten die Chance, möglichst viele Freiflächen zu schaffen", warb der Architekt für das Konzept von Ortner & Ortner.

Baustart 2018

Vanessa Carlow von Cobe Berlin dagegen betonte, dass man sich bewusst bei den typischen Berliner Bauformen bedient habe. "Wir kombinieren die Eisenfachwerkkonstruktionen der S-und U-Bahnhöfe, der typischen 22 Meter hohen Blöcke und auch der Berliner Hochhausquartiere", sagte Carlow. Aus diesem Mix habe man ein neuartiges und zeitgemäßes Stück Berlin kreiert, in dem sich der geplante Nutzungsmix hervorragend unterbringen lasse. Cobe bringt dafür nur fünf Hochhäuser auf dem Baugrundstück unter – diese sind aber mit 60 bis zu 90 Metern höher als die Türme, die Ortner & Ortner plant.

Nach Auskunft des Investors soll das Bebauungsplanverfahren, das im Mai dieses Jahres gestartet wurde, spätestens Ende 2017 abgeschlossen werden. Ein Baustart könne dann 2018 erfolgen. "Wir gehen von einem Investitionsvolumen von 350 bis 400 Millionen Euro aus, so der Copro-Chef.

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