Mieten in Berlin

Bezirke stellen weitere Quartiere unter Milieuschutz

Der Bezirk Neukölln erlässt Auflagen für den Reuterkiez. Weitere Berliner Gebiete sollen folgen, um Mieter zu schützen.

Miieer sollen in Neukölln besser  geschützt werden

Miieer sollen in Neukölln besser geschützt werden

Foto: picture-alliance

Berlin.  Was in Pankow und Kreuzberg bereits üblich ist, erreicht jetzt auch Neukölln: der Milieuschutz für Quartiere, deren Bewohner durch steigende Mieten und Luxusmodernisierung verdrängt werden. Der Reuterkiez, auch als Kreuzkölln und als angesagtes Ausgehviertel bekannt, wird eine soziale Erhaltungsverordnung bekommen. Diesen Beschluss hat jetzt die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) mit den Stimmen von SPD, Grünen, Piraten und Linke gefasst. Weitere Berliner Bezirke werden folgen.

Eine soziale Untersuchung hatte ergeben, dass die Tendenz zur Luxusmodernisierung im Reuterquartier groß ist, zunehmend Miet- in Eigentumswohnungen umgewandelt werden. Langjährige Bewohner mit niedrigem Einkommen verlassen den Kiez. Die Studie ergab: Die Kaltmieten in Altbauten liegen über den Vergleichswerten des Mietspiegels. Haushalte von Geringverdienern geben 40 bis 50 Prozent ihres Monatseinkommens dafür aus. Die Angebotsmieten sind von 2008 bis 2014 um 80 Prozent gestiegen.

Der Reuterkiez ist ein dicht bebautes Altbauquartier aus der Gründerzeit. Nun wird das Bezirksamt die Milieuschutzverordnung für das Gebiet zwischen Kottbusser Damm, Maybachufer, Weichselstraße und Sonnenallee ausarbeiten. Sie bringt für die Hauseigentümer erhebliche Einschränkungen mit sich, wenn sie modernisieren und umbauen wollen. Neukölln kann sich dabei an anderen Bezirken orientieren, die zum Beispiel untersagen, kleine Wohnungen zu größeren zusammenzulegen oder einen zweiten Balkon anzubauen. "Eigentlich ist es schon fast zu spät für den Reuterkiez", sagt Jochen Biedermann (Grüne), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses in Neukölln, der im Reuterkiez wohnt. Der Studie zufolge haben 80 Prozent der Bewohner, die seit 2011 in den Reuterkiez gezogen sind, einen Fach- oder Hochschulabschluss. Auch dies zeige den Bevölkerungsaustausch, meint Biedermann.

In Neukölln soll der Milieuschutz für den Reuterkiez kein Einzelfall bleiben. Für den Schillerkiez wurde dieser Status 2001 beendet – jetzt wird erneut eine soziale Studie angefertigt. Auf Vorschlag des Bezirksamtes kommen außerdem fünf weitere Quartiere für Milieuschutz in Betracht, darunter Rixdorf, Körnerpark und Silbersteinstraße. Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf ist das Thema aktuell. Sechs Gebiete werden in Hinblick auf Milieuschutz geprüft, darunter Kaiserin-Augusta-Allee, Karl-August-Platz und Brabanter Platz. Tempelhof-Schöneberg hat zum Juli 2015 für die Schöneberger Insel eine soziale Erhaltungsverordnung erlassen, für drei andere Gebiete gilt sie bereits seit Herbst 2014. In der BVV Steglitz-Zehlendorf sind mehrere Wohnviertel im Gespräch, darunter die Bruno-Taut-Siedlung, Lauenburger Platz und Augustaplatz. Mehr als 20 Quartiere mit Milieuschutz gibt es in Berlin. Zehn gehören zu Pankow. Der Bezirk gibt sukzessive immer mehr Altbauquartieren diesen Status. Ebenso verfährt Friedrichshain-Kreuzberg, das bereits sieben solcher Gebiete hat.

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