Ermordete Schwangere Bruder von Maria P. nennt Pegida-Vorwürfe "abscheulich"

Foto: Steffen Pletl

Zum ersten Mal spricht der Bruder der ermordeten Maria P. Er stellt klar: Seine Schwester sei nicht zum Islam konvertiert. Am Sonntag soll ein Gedenkmarsch für die ermordete junge Frau stattfinden.

Etwas über eine Woche ist es her, dass die 19 Jahre alte, hochschwangere Maria P. in einem Waldstück in Adlershof getötet wurde. Ihr Ex-Freund Eren T., der gleichaltrige Vater des Kindes, soll ihr mehrmals in den Unterleib gestochen, sie dann mit Benzin überschüttet und bei lebendigem Leib angezündet haben. Ein Schulfreund, Daniel M., ebenfalls 19, soll bei der grausigen Tat geholfen haben. Die Brutalität dieses Mordes ist erschütternd. Auf die Frage, wie jemand so etwas tun kann, kann es keine befriedigende Antwort geben. Aber auch, wer Maria P. war, blieb bislang größtenteils unbekannt. Nun spricht ein Familienmitglied.

Der Bruder der Ermordeten, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte, dass Maria P. nicht zum Islam konvertiert sei. "Nicht aus Liebe und auch nicht aus irgendeinem anderen Grund", so der Bruder. Maria P. habe sich zwar für den Islam interessiert und über die Religion informiert. "Aber einen Gebetsteppich oder so gibt es bei uns nicht."

Entsprechende Vermutungen gab es, nachdem einige Fotos über Marias Facebook-Seite bekannt geworden waren. Ihr ehemals öffentliches Profil – das mittlerweile gesperrt wurde – zeigte Bilder, auf denen das hübsche Mädchen mit den graugrünen Augen einen bunten Schleier trug. Ihre Hände waren mit Henna bemalt, so wie es auch Bräute in orientalischen Hochzeiten tun. Sie schien sich nach Frieden zwischen den Religionen zu sehnen, postete zum Beispiel ein Bild einer Männerhand, auf der ein Halbmond-Tattoo zu sehen war, die nach einer mit einem christlichen Kreuz gezeichneten Frauenhand griff. Ein Grund für ihr Interesse am Islam könnte sein, dass Marias Stiefvater türkische Wurzeln hat. Wie auch ihr ehemaliger Freund. Ein Lehrer, der vor einigen Jahren Maria unterrichtet hatte, hatte gesagt, dass sie sich deutlich verändert habe.

Freiwillig ins Auto gestiegen

Marias Bruder zeigt sich gegenüber der Berliner Morgenpost wütend über Äußerungen eines Pegida-Organisators. Es sei einfach "abscheulich", was da verbreitet werde. Auch das sei ein Grund, wieso er nun an die Öffentlichkeit gegangen sei, so der Bruder.

Er bezog sich dabei auf Aussagen von einem der Organisatoren der Dresdner Pegida-Demonstrationen, Siegfried Däbritz. Die "B.Z." hatte über die inzwischen gelöschten Facebook-Einträge des Pegida-Mitorganisators berichtet, in denen Däbritz schrieb, Maria P. sei "selbst Schuld", weil sie sich "sehr erfolgreich in die Gesellschaft der Zuwanderer integriert/assimiliert hat".

Der Facebook-Eintrag ist inzwischen gelöscht worden. Auf "B.Z."-Anfrage hat Däbritz seinen Eintrag verteidigt: "Ich will niemanden verhöhnen. Ich wollte nur mit drastischen Worten darauf aufmerksam machen, welche schrecklichen Dinge passieren können, wenn man in einen fremden Kulturkreis eintaucht, ohne sich der Konsequenzen, die dadurch entstehen können, bewusst zu sein." Die Pegida-Bewegung gilt als Sammelbecken islamfeindlicher Menschen. Bisher gibt es aber keine Hinweise, dass der Mord an der hochschwangeren Maria P. etwas mit der Religion zu tun hat. Vielmehr gehen die Ermittler davon aus, dass der Vater des Ungeborenen, Eren T., das Kind ablehnte und es deswegen zum tödlichen Konflikt kam.

Wegen Eren T.s ethnischer Herkunft kam auch die Frage auf, ob es sich in diesem Fall um einen sogenannten Ehrenmord handeln könnte. Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, gab an, es würde geprüft werden, ob noch weitere Personen an dem Mord beteiligt waren. "Bislang haben wir aber keinen Hinweis darauf, dass jemand aus der Familie beteiligt war", sagte Steltner. Auch Marias Familie glaubt nicht, dass es sich hier um einen solchen Mord handelt. Die Beziehung zwischen Eren T. und Maria sei schon seit einigen Monaten zu Ende gewesen. Wie es zum Schluss zwischen den beiden war, wollten sie nicht sagen. Maria habe aber keine Anzeige gegen Eren T. erstattet und sei vermutlich freiwillig in das Auto gestiegen. Eren T. hatte das spätere Opfer mit Daniel M. mit einem Kastenwagen abgeholt, bevor sich die schreckliche Tat ereignete.

"Wenn er sie bedrängt hätte, hätte sie geschrien. Und das hätten wir sofort gemerkt", so der Bruder. Maria wohnte nämlich bis zu ihrem Tod mit ihren Eltern zusammen und wurde nach Angaben der Familie am Donnerstagabend von zu Hause aus abgeholt.

Aufruf in sozialen Netzwerken

Die Staatsanwaltschaft und Berliner Polizei machten bis Freitagnachmittag keine weiteren Details über das Verbrechen bekannt, das in Berlin als eines der schlimmsten der vergangenen Jahre gilt. Auch eine Woche nach dem Mord an der 19-Jährigen werden Blumen und Kerzen am Tatort in der Köllnischen Heide niedergelegt. Neben den zwei weißen Kreuzen, die jeweils an Maria P. und an ihre ungeborene Tochter erinnern, sind an einem Baum Girlanden, Plüschtiere und Blumen angebracht.

Vergangenen Dienstag wurde zudem in sozialen Netzwerken eine Gedenkversammlung für die 19-Jährige angekündigt. Sie soll am Sonntag um 18 Uhr am Malchower See stattfinden. Bis Freitagnachmittag hatten sich bereits 1000 Menschen über Facebook für den "Marsch für Maria" angemeldet, der von Freunden organisiert wird. Die Familie zeigte sich gerührt, dass "so viele Menschen Teilnahme zeigen, indem sie mitlaufen", so Marias Bruder.

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