Shopping-Center

Was "Mall of Berlin"-Macher Harald Huth noch vorhat

Er ist der König der Shopping-Center: Heute eröffnet seine „Mall of Berlin“. Im Gespräch verrät er, dass Huth sich einen Shopping-District vom Potsdamer Platz bis zum Hackeschen Markt vorstellen kann.

Foto: Reto Klar

Harald Huth, 44, ist Berlins unangefochtener "König der Shoppingcenter". Anfang der 90er-Jahre startete er den Bau der Gropius Passagen in Neukölln – mit einer Handelsfläche von 85.000 Quadratmetern immer noch Berlins größtes Shoppingcenter. 2006 folgte Das Schloss mit 48.000 Quadratmetern. Das alles waren vergleichsweise überschaubare Investitionen. Mit der Mall of Berlin schafft Huth nicht nur ein Einkaufszentrum, sondern ein ganzes Stadtquartier auf dem Areal, wo Georg Wertheim einst das größte und mondänste Kaufhaus Europas baute.

Berliner Morgenpost: Das Wertheim am Leipziger Platz hat sich dadurch ausgezeichnet, dass es ein Treffpunkt für die Gesellschaft war, mit Lesungen, Konzerten, Teesalon und Sommergarten. Wodurch zeichnet sich die Mall of Berlin aus?

Harald Huth: Wertheim hat sich zuallererst durch eine sehr aggressive Preisgestaltung gegenüber dem normalen Einzelhandel ausgezeichnet. Als das Wertheim eröffnete, haben alle gejammert, der Einzelhandel in Berlin wird sterben. Wie man heute weiß, ist das nicht passiert. Im Gegenteil, Wertheim hat zu einem enormen Aufschwung in der weiteren Umgebung beigetragen.

Trotzdem noch einmal die Frage: Sie haben 250.000 Quadratmeter Nutzfläche geschaffen und kein einziges Fleckchen in ihrem Quartier ist für eine kulturelle Nutzung vorgesehen. Warum?

Weil das Quatsch wäre. Wir sitzen doch mitten in einem einzigartigen kulturellen Highlight. Hier Kinos, Theater oder gar ein Museum unterzubringen, macht doch gar keinen Sinn, denn das alles gibt es ja bereits in unmittelbarer Nachbarschaft der Mall. Der Potsdamer Platz mit seinen Musicaltheatern und dem besten Kino von Berlin, dem Filmmuseum und dem Legoland, die Philharmonie, die neue Nationalgalerie, das Holocaust-Mahnmal, die Museumsinsel, das alles ist doch bereits da.

Andere Shoppingcenter wie etwa das auch sehr große Alexa am Alexanderplatz verzichten nicht ganz auf Attraktionen, da gibt es etwa die Loxx-Miniaturwelten …

Weil die im Alexa keine Flächen mehr an Einzelhändler vermieten konnten, die Nachfrage war nicht da. Wir haben nicht das Problem, dass wir Flächen nicht vermarkten konnten, wir hatten sogar mehr Anfragen als Flächen zur Verfügung. Deshalb brauchten wir auch keine Notlösungen, um Leerstand zu vermeiden.

Und was mache ich bei Ihnen mit meinen quengelnden Kindern?

Da fahren Sie ins zweite Obergeschoss, wo die ganzen Kinderläden untergebracht sind und kaufen ihnen ein Geschenk. Aber im Ernst: Wir haben noch eine Fläche reserviert, bei der wir überlegen, ob es dort eine beaufsichtigte Kinderecke geben soll. Ich bin noch nicht ganz schlüssig, ob das sinnvoll ist. Vielleicht machen wir das ja noch.

Ihre Mall lässt das Einkaufszentrum Potsdamer Platz Arkaden alt und klein aussehen. Der Einzelhandel begleitet die Eröffnung der Mall mit gemischten Gefühlen.

Die Geschichte wird eines Tages sein, dass ich von der Friedrichstraße wieder bis zum Potsdamer Platz entlanglaufen kann und lauter Geschäfte die Straße säumen. Da muss man kein Prophet sein, um das vorauszusehen. So war es ja früher schon, und das fasziniert uns ja gerade an Städten wie etwa London, wo ich vier Stunden durch die Stadt laufe und immer noch im Shopping-District bin. Das Ziel muss doch sein, dass der Tourist nicht nur nach Berlin kommt, um Party zu machen, sondern um auch ordentlich Geld auszugeben. Davon werden alle profitieren.

Und Sie besonders, denn Sie bilden mit 270 Läden das Schwergewicht?

Das mag so sein, und ich verrate Ihnen auch gleich, dass ich bereits an der zweiten Ausbaustufe arbeite, in der wir noch weitere 50 Geschäfte auf 20.000 Quadratmetern unterbringen wollen. Zudem verhandele ich gerade mit Hauseigentümern am Leipziger Platz, um dort ebenfalls Einzelhandel anzusiedeln.

Und Ihren Nachbarn, die Potsdamer Platz Arkaden, kannibalisieren Sie?

Das Gegenteil ist der Fall. Die Potsdamer Platz Arkaden bekommen durch uns Kundenströme, die sie vorher nicht hatten. Wir gehen von täglich 70.000 bis 100.000 Besuchern in unserer Mall aus. Weil die Leute herkommen, um drei bis vier Stunden rumzulaufen. Die wollen was erleben, einkaufen, Kaffee trinken und vieles mehr. Deshalb werden sie auch in Richtung Friedrichstraße laufen, wo es 120 Geschäfte gibt, oder eben zum Potsdamer Platz mit seinen Bühnen und Kinos. Der Potsdamer Platz und der Leipziger Platz werden in Zukunft viel enger zusammenrücken, davon bin ich überzeugt. Natürlich müssen sich die Arkaden in Teilen auch modernisieren, sich etwa mehr nach außen öffnen, so wie wir uns ja auch zur Leipziger Straße hin geöffnet haben. Diese Abschottung nach außen, wie sie in den vor 20 Jahren errichteten Centern üblich war, ist nicht mehr zeitgemäß. Daran sieht man doch mal, dass Konkurrenz etwas richtig Gutes ist, dann strengt der Handel sich richtig an und die Kunden profitieren davon. Warum sollte man das reglementieren wollen?

Damit nach Ladenschluss nicht alles im Dunklen versinkt, wenn Sie zusperren?

Wir schließen lediglich von Mitternacht bis fünf Uhr, weil wir ja irgendwann auch mal saubermachen müssen. Aber sonst ist die Mall offen, wir sind ein Teil Berlins. Die Piazza, die Fußgängerpassage zwischen Leipziger- und Voßstraße, bleibt zudem nachts offen.

Sollte eine Stadt wie Berlin nicht dennoch mehr sein als eine Ansammlung von Einkaufszentren?

Da verstehen Sie mich falsch. Ich träume nicht von einer Perlenkette aus Shoppingcentern, sondern einer häuserweiten Entwicklung, in der ein mutiger Händler nach dem anderen seine Einkaufskonzepte in die Kieze trägt. So wie etwa am Hackeschen Markt, von dem ausgehend sich die Läden Stück für Stück in die Seitenstraßen entwickelt haben. Da braucht es doch nicht den großen Entwickler, der alles aufkauft und neu baut, das entwickelt sich, ausgehend von ein paar attraktiven Highlights wie eben dem Hackenschen Markt oder der Mall of Berlin, von ganz alleine. Wenn dann eines Tages der Shopping-District vom Potsdamer Platz bis zum Hackeschen Markt reicht, warum denn nicht? Man sollte die Verdichtung weiter fortsetzen, das wäre doch toll. Versetzen Sie sich doch mal zurück in die 30er-Jahre, da ist man vom Alexanderplatz bis zum Potsdamer Platz nur an Geschäften vorbeigelaufen. Das war wunderbar urban, davon kann Berlin derzeit nur träumen. Eine Übersättigung jedenfalls kann ich nicht erkennen.

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