Mobilität

In Berlin werden jetzt Parkhäuser für Fahrräder gebaut

Immer mehr Berliner sind in der Stadt mit dem Fahrrad unterwegs. Doch es mangelt an Abstellplätzen, vor allem an Bahnhöfen. Nun will der Senat handeln - und reserviert Flächen für Fahrradparkhäuser.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

In Berlin werden jetzt erstmals Parkhäuser nur für Fahrräder gebaut. Die wetterfesten Abstellanlagen sollen im kommenden Jahr am S-Bahnhof Mexikoplatz und am U-Bahnhof Krumme Lanke im Berliner Südwesten entstehen, kündigte Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) am Sonnabend an. Auch am S-Bahnhof Zehlendorf und in Pankow sollen Flächen reserviert werden, damit dort mittelfristig Fahrradparkhäuser errichtet werden können. Im aktuellen Doppelhaushalt steht für solche Neubauten eine halbe Million Euro zur Verfügung.

Nutzung nicht kostenlos

Anders als etwa in der Kleinstadt Bernau (Landkreis Barnim) am Nordostrand von Berlin, wo 2013 ein Fahrradparkhaus mit mehr als 500 Stellplätzen eröffnet wurde, soll die Nutzung aber nicht kostenlos sein. Der Grund: Der Senat will die Anlagen durch Private betreiben lassen, die über Einnahmen ihre Kosten decken müssen. Über die konkreten Betreiber und die Höhe des Nutzungsentgelts gibt es noch keine Entscheidung. "Das könnten 50 Cent oder ein Euro pro Tag sein – ganz ohne Geld wird es aber wohl nicht gehen", sagte Hermann Blümel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Geprüft wird zudem, ob die VBB-Fahrcard – also die elektronische Jahreskarte von BVG- und S-Bahn-Stammkunden – für den Zugang ins Parkhaus und die Entgeltabrechnung genutzt werden kann.

Auch bei der konkreten baulichen Gestaltung der Parkhäuser für Fahrräder gibt es noch offene Fragen. So steht etwa der gesamte Bereich um den S-Bahnhof Mexikoplatz unter Denkmalschutz, die neue Anlage muss sich da einfügen.

Berufspendler sollen Auto stehen lassen

Der Senat will mit Fahrradparkhäusern oder sogenannten Biketowern vor allem Berufspendler aus dem brandenburgischen Umland davon überzeugen, ihr Auto stehen zu lassen und besser mit den Rad bis an die Bahnhöfe am Stadtrand und von dort aus weiter mit Bus oder Bahn in die City zu fahren. Doch schon jetzt reicht an vielen Stationen für U- und S-Bahn die Zahl der Abstellbügel nicht aus. Viele Fahrradfahrer schließen daher ihre Räder an Bäumen, Lichtmasten oder Absperrgitter an. Die mehrgeschossigen und mit Zugangskontrollen versehenen Parkhäuser sollen künftig nicht nur mehr Abstellplätze, sondern den Fahrradbesitzern auch mehr Sicherheit bieten. Gerade in Berlin hat in den vergangenen Jahren der Diebstahl von Rädern stark zugenommen, die Aufklärungsquote der Polizei ist minimal.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) begrüßte die Pläne des Senats. "Es ist ein Witz, dass Berlin bisher noch kein Fahrradparkhaus hat. Amsterdam oder auch Münster haben uns längst vorgemacht, wie es geht", sagte der ADFC-Verkehrsexperte Bernd Zanke. In Berlin hat sich in den vergangenen Jahren der Anteil des Fahrradverkehrs am Gesamtverkehr mehr als verdoppelt, rund 1,5 Millionen Wege werden täglich mit dem Rad zurückgelegt.

Mit dem Elektrorad zur Arbeit

Doch auch mit einer weiteren Initiative wollen der Berliner Senat und der Bezirk Steglitz-Zehlendorf mehr Berufspendler davon überzeugen, ihr Auto stehen zu lassen. Im Projekt "EBikePendeln", das am Sonnabend von Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler und Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) offiziell gestartet wurde, erhalten 70 Mitarbeiter ausgewählter Unternehmen im Südwesten Berlins und den brandenburgischen Umlandgemeinden Stahnsdorf, Kleinmachnow und Teltow acht Wochen lang kostenlos jeweils ein Pedelec zu Verfügung gestellt, um es auf ihren Arbeitswegen und im Alltag auszuprobieren. Mit den elektrisch unterstützten Rädern können auch sportlich weniger Trainierte längere Strecken zurücklegen. Verkehrsstaatssekretär Gaebler sieht dabei viele Vorteile: "Auf einem Parkplatz für Pkw können sechs Elektroräder geparkt werden, die Räder sind leise, abgasfrei und umweltschonend." Und Bezirksbürgermeister Kopp betonte: "Gerade Steglitz-Zehlendorf mit seiner Grenzlage nach Brandenburg könnte von der steigenden Zahl an E-Bike-Pendlern profitieren, wenn der Autoverkehr dadurch abnimmt." Der Bezirk werde daher die Bemühungen der Senatsverkehrsverwaltung unterstützen, die Fahrrad-Infrastruktur vor Ort zu verbessern.

Land fördert Projekt mit 1,4 Millionen Euro

Das Projekt "EBikePendeln" ist eines von insgesamt 30 im sogenannten "Schaufenster Elektromobilität Berlin Brandenburg", es wird vom Land Berlin mit rund 1,4 Millionen Euro gefördert. Unterstützung gibt es aber auch von zahlreichen privaten Sponsoren, darunter Herstellern von Elektrofahrrädern, die auf neue Absatzmärkte für ihre im Vergleich zu herkömmlichen Rädern noch deutlich teureren Produkte hoffen. Ihre Chancen stehen nicht schlecht. Das zeigen die Erfahrungen der Teilnehmer an einem Pilotversuch im Sommer. Mit dabei war die Firma Knauer, ein mittelständischer Hersteller von Messgeräten. "Wir sind eine Hightech-Firma und stehen Neuem immer aufgeschlossen gegenüber", sagte Firmenchefin Alexandra Knauer. Insgesamt zehn ihrer 120 Mitarbeiter hätten sich schließlich an dem Test beteiligt und sind zwei Monate lang mit dem E-Bike zur Arbeit gefahren. Damit die Bedingungen stimmen, hat sie im Firmengebäude eine Dusche für ihre sportlichen Mitarbeiter einbauen lassen.

"Test war ein Riesenspaß"

"Ich bin schon früher am liebsten mit dem Rad zur Arbeit gefahren", sagte Rosemarie Kontar-Schick, Teamleiterin im Einkauf der Firma. Doch nach einer Knieoperation sei dies aber zu beschwerlich gewesen. Den zwölf Kilometer langen Arbeitsweg zwischen Wilmersdorf und Zehlendorf legt sie nun normaler Weise mit dem Auto oder dem Bus zurück. "Der Test mit dem Elektrofahrrad hat mir einen Riesenspaß gemacht. Ich war sehr schnell und sportlich unterwegs, am Ende aber nicht so kaputt wie nach einer herkömmlichen Fahrradfahrt", berichtete sie. Ein Problem sei allerdings der schlechte Zustand vieler Radwege in der Stadt gewesen. "Man fährt ja schneller als sonst und muss höllisch aufpassen, dass man nicht durch so einen Schaden in der Fahrbahn stürzt", so Rosemarie Kontar-Schick. Für die 63-Jährige ist das E-Bike dennoch eine gute und zudem gesundheitsfördernde Alternative zum Auto. Ihre Entscheidung nach dem Pilotversuch: "Ich habe ein Angebot vom Hersteller Winora bekommen und werde mir jetzt mein Testrad kaufen."

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