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Profi-Fotografen müssen auf dem Tempelhofer Feld zahlen

Ein weites Feld für Fotografen – professionelle Aufnahmen auf der Tempelhofer Freiheit müssen allerdings genehmigt werden und kosten Geld. Die Volksentscheids-Initiatoren sehen darin kein Problem.

Foto: Massimo Rodari

Tempelhofer Freiheit nennen die Senatsplaner das Rollfeld des alten Flughafens, für dessen Zukunft als unversehrte Freifläche die Berliner vor zweieinhalb Wochen votiert haben. Man darf dort skaten, radeln, laufen, rennen, picknicken und kiten. Aber zu den Freiheitsrechten auf dem riesigen Gelände gehört das Fotografieren nicht – zumindest nicht ohne Bedingungen.

In Fotografie-Foren beklagen sich professionelle und semiprofessionelle Lichtbildner immer wieder über die Praxis, dass eine sogenannte Motivmiete erhoben wird. Die Parkwächter der Security-Firma sind von der Grün Berlin GmbH angewiesen, Fotografen anzusprechen und auf die Rechtslage aufmerksam zu machen.

Grün Berlin verwaltet das Feld im Auftrag des Senats, ebenso andere Berliner Parks wie den Britzer Garten, die Gärten der Welt in Marzahn, den Natur-Park Schöneberger Südgelände, den Volkspark Pankow und den Park am Gleisdreieck.

Fotoshooting-Kosten: 200 Euro pro Stunde

Im Blog "Visual Rebellion", den drei Berliner Fotojournalisten betreiben, beschreibt der Fotograf Ruben Neugebauer, was ihm jüngst auf dem Feld widerfuhr. In der Abendsonne wollte er das Auspacken und Zusammenlegen der dort beliebten Gleitschirme aufnehmen. Parkwächter forderten ihn auf, dies zu unterlassen. Gewerbliche Fotos bräuchten eine Genehmigung von Grün Berlin. Für den jungen Fotografen stellt sich nun die Frage, was überhaupt eine gewerbliche Nutzung ist. Er nutzt ein Bild von einem Menschen am Gleitschirm vor dem letzten Sonnenlicht auf seinem Blog im Internet.

>>>Die Abstimmungskarte zum Tempelhofer Feld<<<

Diese ist aber verknüpft mit dem Dienst Flattr, worüber andere Nutzer dem Autoren eines Fotos oder eines Textes per Mausklick kleine Zuwendungen zukommen lassen können. Die von Grün Berlin erhobene Stundenmiete von 200 Euro für gewerbliche Fotoshootings ist angesichts der sich über solche Wege bietenden Verdienstmöglichkeiten ziemlich hoch. "Da brauchen wir einige Flattr-Klicks, um das wieder reinzukriegen", kommentiert Ruben Neugebauer. Bei Grün Berlin verweist die Sprecherin Bettina Riese darauf, dass die Regelung auch in den anderen Grünanlagen der Stadt oder in den Parks der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten gelte.

Und auch das Brandenburger Tor dürfe nicht einfach jeder zum Motiv nehmen und damit Geld verdienen. "Alles, was kommerziell ist und wirtschaftlichen Gewinn liefert, darf das Land Berlin nicht einfach subventionieren", sagte die Grün-Berlin-Sprecherin. Es gebe zahlreiche Leute, die aus solchen Bildern Postkarten, Kalender, Poster oder Bücher machten. Die Motivmiete am Tempelhofer Feld liege bei 200 Euro, im Gleisdreieckpark nur bei 150 Euro, ebenso in den nach Länder-Vorbildern gestalteten Gärten der Welt. Aber Tempelhof sei ja auch "ein besonderer Ort", so die Sprecherin. Auch die Initiatoren des Volksentscheids "100 Prozent Tempelhofer Feld" sehen in der Genehmigungspraxis kein Problem, da dieses Vorgehen gängig sei.

Grün Berlin durchforstet auch Bilder auf Fotomarkt

Auch wer in den von den Bezirksämtern verwalteten Parks oder auf öffentlichem Straßenland gewerbliche Fotos aufnehmen oder Filme drehen will, muss sich das genehmigen lassen und gegebenenfalls dafür zahlen. Einen Antrag gibt es bei der Berlin Brandenburg Film Commission. Auch private Eigentümer von Einkaufszentren wollen normalerweise wissen, wer dort mit welchen Interessen fotografiert.

Die Grün Berlin durchforstet nach ihren Möglichkeiten auch den Fotomarkt nach Bildern ihrer Parks, vor allem des zuletzt stark diskutierten Tempelhofer Feldes. Würden ungenehmigte Aufnahmen entdeckt, spreche man die Autoren an und forderte die Miete gegebenenfalls nach. Zu einem Rechtsstreit vor Gericht sei es aber noch nie gekommen, heißt es bei Grün Berlin. Um Verstimmungen zu vermeiden, sei es aber auch für Journalisten oder studentische Projekte angeraten, sich an Grün Berlin zu wenden. Sie lasse sich generell das Konzept schildern und entscheide dann, wie damit umzugehen sei, sagte die zuständige Mitarbeiterin.

Pressefotos sind generell frei, ebenso wie Aufnahmen von Fernsehteams, die etwa über die vergangene Debatte um den Volksentscheid zu Tempelhof berichtet hätten. Dennoch rät die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Daniela Augenstein allen Fotografen mit professionellem Equipment, Stativen und Licht, sich bei Grün Berlin zu melden um Missverständnissen vorzubeugen. Wer alleine mit einer normalen Kamera auf dem Feld Aufnahmen mache, dürfe das selbstverständlich. Die landeseigene Firma sei die letzte, die für ein studentisches Fotografieprojekt Miete verlange.

Privat oder gewerblich? Komplizierte Rechtslage

Wenn nun Privatleute ihre Bilder in sozialen Netzwerken teilen und damit ihre Nutzungsrechte abtreten, ist die Rechtslage komplizierter. Theoretisch könnte der Anbieter die Bilder weiterverkaufen und ihnen damit im nachhinein eine gewerbliche Nutzung geben, die ursprünglich so nicht gegeben war. An dieser Front halten sich auch die Grün-Berlin-Leute zurück. Man habe bisher noch nie Konflikte mit den großen Netzwerkanbietern gesucht, sagte die Grün-Berlin-Sprecherin.

Im Hause des Stadtentwicklungssenators weist die Sprecherin darauf hin, dass die Fotoregeln so in Kraft seien, seit das Feld geöffnet wurde. In letzter Konsequenz sei es kaum möglich, Verstöße zu verfolgen. "Wir setzen auf die Ehrlichkeit der gewerblichen Fotografen, die für eine Genehmigung bezahlen müssen." Die Einnahmen fließen entweder in den jeweiligen Bezirkshaushalt oder werden zum Beispiel bei der Grün Berlin als Erträge verbucht.

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