Freies WLAN

Berlin bleibt offline - Senat will neuen Anlauf

Foto: dpa Picture-Alliance / Horst Galuschka / picture alliance / dpa

Auch nach sieben Jahren gelingt es dem Senat nicht, kostenloses WLAN in der Innenstadt anzubieten. Der Verbund aus mehreren Anbietern kam nicht zustande. Ein neuer Versuch soll im Juni starten.

Auch der dritte Versuch innerhalb von sieben Jahren, ein kostenfreies Internet in der Innenstadt bereitzustellen, ist gescheitert. Die Senatskanzlei wollte mit mehreren Anbietern eine Plattform schaffen, mit der Internetnutzer in der Innenstadt kostenfrei im Internet surfen können. Doch dieser Verbund kam nicht zustande. Medienstaatssekretär Björn Böhning will im Juni einen neuen Versuch starten. "Ich bin optimistisch, dass wir im Sommer eine Lösung vorstellen können", sagte Böhning.

Die erneute Pleite verärgert mögliche Partner aus der Wirtschaft. "Leider wird dieses Thema seit Jahren verschleppt", sagt Daniel Wall, Vorstandsvorsitzender der Wall AG. "Wir können absolut nicht verstehen, warum es in Berlin bis heute kein öffentliches WLAN-Angebot gibt, das durch Werbung gegenfinanziert ist."

Wall bietet rund um den Kudamm seit Jahren ein kostenfreies WLAN-Netz an. "Hätte Berlin unseren Vorschlag von 2011 aufgegriffen, hätte es sich damals weltweit profilieren können – als erste Stadt mit einem solchen modernen Netz."

Firma findet Senatsvorstellungen "zum Weinen"

"WLAN" steht für "Wireless Local Area Network", zu Deutsch: "kabelloses, lokales Netzwerk". Dahinter steckt ein lokales Funknetz, das es ermöglicht, kabel- und kostenlos im Internet zu surfen. Um dies einzurichten, sind der Verwaltung zufolge rund 5000 Funksender nötig, damit das kostenlose Surfen innerhalb des S-Bahn-Ringes möglich wird. Entsprechende Angebote bestehen in Heidelberg und im Ruhrgebiet.

In Unna hat die Stadtverwaltung in den Bussen des öffentlichen Nahverkehrs WLAN-Antennen eingerichtet. Wall stattete in Eigeninitiative von Ende Mai bis Ende August 2012 rund 30 Standorte in der Berliner Innenstadt mit Wi-Fi-Spots aus. In drei Monaten wurde die Wall App rund 40.000 Mal heruntergeladen. Pro Tag nutzten rund 600 User das neue Angebot.

Der Sprecher eines Unternehmens, das in den vergangenen Jahren ebenfalls in Gesprächen mit dem Senat war, zieht einen noch drastischeren Strich: "Die Vorstellungen des Senates sind derart unterirdisch, dass man weinen möchte", heißt es aus dem Unternehmen. Unter den gegebenen Umständen werde Berlin es schwer haben, einen geeigneten Partner zu finden.

Partner soll Kosten übernehmen

Unklarheit besteht darüber, wer für die kostenlose Bereitstellung des Internets aufkommt. Bei bisherigen Partnerschaften zwischen Telekommunikationsunternehmen und WLAN-Anbietern ist es üblich, dass der Anbieter die anfallenden Kosten übernimmt und dann seinen Kunden das kostenfreie Surfen für eine bestimmte Zeit – in der Regel 30 Minuten – anbietet.

Berlin sucht nach einem Partner, der sowohl die Infrastruktur anbietet, als auch die Kosten für die ersten 30 Minuten übernimmt. Bislang ohne Erfolg. "Von ursprünglich neun Interessenten sind noch drei übrig geblieben, mit denen wir Gespräche führen", sagte Böhning.

Vor sieben Jahren beschloss der Senat das Vorhaben, eine kostenlose Internetnutzung innerhalb des S-Bahnringes anzubieten. Der damalige Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) scheiterte an der Verwaltung für Stadtentwicklung. Sie lehnte es ab, die Ampeln mit Funkmasten auszustatten.

Echtzeitdaten sind ohne WLAN nicht machbar

2012 startete die CDU einen neuen Versuch. Die Partei hatte im Wahlkampf versprochen, innerhalb eines Jahres ein Netz zur Verfügung zu stellen, sollte sie an der Regierung beteiligt sein. Doch Verbraucherschutzsenator Thomas Heilmann (CDU) tat sich schwer. Schließlich wurde die Zuständigkeit an die Senatskanzlei abgegeben.

Das WLAN-Netz spielte auch eine Rolle beim "Smart City Summit", zu dem Wirtschafts- und Technologiesenatorin Cornelia Yzer (CDU) in der vergangenen Woche eingeladen hatte. Ein freies WLAN sei das zentrale Thema der digitalen Technologie und Kommunikation in Berlin, sagte die Moderatorin der Veranstaltung, Marina Grigorian vom Fraunhofer Fokus Institut.

Smarte Anwendungen wie eine Verkehrsplattform, die Nutzern in Echtzeit wichtige Daten zur Mobilität, etwa über Staus oder Zugverspätungen, zur Verfügung stellt, sind ohne WLAN nicht machbar.

Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter